Es braucht mehr Hebammen

Zugang zu wirksamer Geburtshilfe stärken

Jedes Jahr gebären rund 40 Millionen Mütter ohne die Hilfe einer geschulten Hebamme oder Gesundheitspersonals. Jeden Tag sterben über 800 Frauen an den Komplikationen einer Schwangerschaft oder Geburt. 99% dieser Todesfälle finden in Entwicklungsländern statt und rund 90% davon wären vermeidbar. International gibt es Bemühungen den weltweiten Mangel an Hebammen zu beheben, um damit die Gesundheit von Frauen und Neugeborenen zu verbessern.

Es braucht mehr Hebammen

Midwife, Myanmar (© Carine Weiss)

Es gibt noch immer ungenügend geschulte Hebammen, die qualitativ hochstehende Betreuung gewährleisten können und genau dies führt jährlich zu Tausenden von vermeidbaren Todesfällen. Laut dem Bericht zur Geburtshilfe 2014 (State of the World’s Midwifery 2014 Report) haben lediglich 22% der 73 untersuchten Ländern potentiell genügend Hebammen, um lebensrettende Interventionen zum Schutz von Müttern und Neugeborenen durchführen zu können. Das heisst, dass 78% der untersuchten Länder schwerwiegende Mängel bezüglich einer angemessenen Betreuung aufweisen. Da die Bevölkerungszahl wächst, vergrössert sich auch die Kluft zwischen den notwendigen Mitteln und der vorhandenen Infrastruktur, wenn nicht dringend Massnahmen ergriffen werden.

Der Bericht zur Geburtshilfe 2014 fordert dringend Investitionen, um die Qualität der Geburtshilfe zu verbessern, um so Zweidrittel aller Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu verhindern. 

© SoWMy214

Internationaler Hebammentag

Der 5. Mai wurde zu Ehren von Hebammen und ihrer Leistung zum internationalen Hebammentag erklärt. Er wird jedes Jahr weltweit zum Gedenken und zur stärkeren Wahrnehmung der Leistung von Hebammen gefeiert.

Dialog zur Stärkung der Rolle der Hebammen

Am Montag, dem 23. Februar 2015, führten die WHO zusammen mit der UNFPA eine Dialogveranstaltung durch, um über die Entwicklung der globalen Strategie des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zur Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen (pdf) zu informieren. Ausserdem ist die Weltgesundheitsorganisation aufgrund eines Auftrags der Weltgesundheitsversammlung, für 2016 die globale Strategie zur Stärkung des Gesundheitspersonals, der Global Strategy on Human Resource for Health, zu entwickeln. Der Dialog in Genf bot nun die Gelegenheit, die beiden Strategien aufeinander abzustimmen.

Ebenfalls am 23. Februar 2015 lancierte der schwedische Aussenminister eine globale Kampagne: midwives4all. Mit dieser Initiative will Schweden, die Verbindlichkeit stärken und eine grössere Debatte entfachen, um die Vorteile von Investitionen in die Arbeit von Hebammen sowie die Wichtigkeit evidenzbasierter Geburtshilfe hervorzuheben.

Am 24. Februar 2015 wurde die bereits 2014 publizierte Lancet Serie zur Geburtshilfe, nun auch auf Französisch (pdf) herausgegeben .

Warum gilt unsere Sorge den Hebammen?

Hebammen geschult und nach internationalem Standard ausgebildet, können bis zu 87% der notwendigen Betreuung für Mütter und Neugeborene gewährleisten. Geburtshilfe ist eine ebenso wichtige Komponente der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, wie die Mütter- und Säuglingsgesundheit.

“Wir brauchen Hebammen! Wir brauchen Hebammen! Wir brauchen Hebammen!” Dr. Margaret Chan

Frances Day-Stirk, Präsidentin der Internationalen Konföderation der Hebammen (International Confederation of Midwives) stellte klar „es ist kein Geheimnis, dass die Welt zu wenig Hebammen hat, dass viele Frauen keinen Zugang zu geschultem Gesundheitspersonal in der Geburtshilfe haben – und die Lösungen sind auch kein Geheimnis“. Diese liegen nicht nur in der Erhörung der Anzahl von Hebammen, sagte sie, sondern in der Gewährleistung, dass sie die erforderlichen Kompetenzen aufweisen: „Wo Hebammen geschult sind, reguliert und unterstützt werden, sinkt die Mütter- und Säuglingssterblichkeit“.  
Der Botschafter Mohamed Auajjar, ständiger Vertreter von Marokko sagte: “Marokko versucht die umfassende Gesundheitsversorgung auf alle auszuweiten. Doch uns fehlen die Möglichkeiten dazu. Geldgeber, wie der IMF (International Monetary Fund) und die Weltbank müssen dies berücksichtigen. Die Geburtshilfe muss besser finanziert werden und in der Politik stärkere Beachtung finden.“

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Zugang zur Geburtshilfe ist kein Luxus

Die Botschaft aus dem Dialog zur Rolle der Hebammen war klar – Hebammen retten Leben! Das Fehlen des Zugangs zu wirksamer Geburtshilfe ist das Haupthindernis, um die Gesundheit von Müttern und Kleinkindern zu verbessern. Dr. Margaret Chan, Direktor der Weltgesundheitsorganisation, schloss die Veranstaltung zum Dialog zu Rolle der Hebammen mit folgenden Worten “Wir brauchen Hebammen! Wir brauchen Hebammen! Wir brauchen Hebammen!”

 

Ressourcen

Dr Margaret Chan, WHO Director-General - Does the world have enough midwives?

http://www.who.int/maternal_child_adolescent/news_events/news/2015/role-of-midwives/en/

Ambassador Jan Knutsson (Permanent Mission of Sweden): Dialogue on the role of the midwifery workforce to ensure women’s and newborns’ right to quality care

http://www.swedenabroad.com/en-GB/Embassies/Geneva/Current-affairs/Statements/Dialogue-on-the-role-of-the-midwifery-workforce-to-ensure-womens-and-newborns-right-to-quality-care-sys1/

UNFPA - State of the World’s Midwifery 2014

UNFPA - State of the World’s Midwifery 2014 - A Universal Pathway. A Woman's Right to Health

http://www.unfpa.org/sowmy

Lancet Series on Midwifery

Midwifery – An Executive Summary for The Lancet’s Series

http://www.thelancet.com/pb/assets/raw/Lancet/stories/series/midwifery/midwifery_exec_summ.pdf

Maiteutique – Résumé analytique de la série du Lancet

http://www.cnsf.asso.fr/doc/99197377-06EB-1D46-9CC29A1557EEF61E.pdf



Carine Weiss, Projektleiterin, Netzwerk Medicus Mundi Switzerland. Contact: cweiss@medicusmundi.ch