"Ich habe euch gehört!"

Ebola Sondersitzung der WHO in Genf

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist wegen ihrer verspäteten Krisenintervention während der Ebola-Epidemie mächtig in die Kritik geraten. Ihr Exekutivrat hat sich im Rahmen einer eintägigen Sondersitzung am 25. Januar 2015 mit der WHO-Reaktion auf die Epidemie auseinandergesetzt. Carine Weiss vom Netzwerk Medicus Mundi Schweiz war dabei.

"Ich habe euch gehört!"

Health workers at the IFRC Ebola treatment centre outside of Kenema serve staff breakfast: WFP-provided CSB. (October 2014, © Anna Jefferys/IRIN)


Der Exekutivrat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich am Sonntag, dem 25. Januar 2015, zu einer ausserordentlichen Sitzung zu Ebola getroffen. Den Mitgliedern lag eine Resolution zur Verabschiedung vor, welche die Ebola-Krise beenden sollte: „Ending the current outbreak, strengthening global preparedness and ensuring WHO capacity to prepare for and respond to future large-scale outbreaks and emergencies with health consequences”.

Dr. Margaret Chan, WHO-Generaldirektorin, hatte es nicht leicht an diesem Tag: Zahlreiche Länder und NGOs kritisierten sie über vier Stunden lang für die mangelhafte, verspätete und schlechte Koordination der WHO bei der Eindämmung der Ebola Epidemie.

Die Ebola-Krise hat auf erschreckende Weise gezeigt, wo die Lücken in der Reaktion und der Führungshaltung der globalen Gesundheitsakteure liegen, wie bereits schwache Gesundheitssysteme in den einzelnen Ländern unter einem Ausbruch einer Ebola Epidemie zusammenbrechen und mit welchen Konsequenzen dieser Zusammenbruch für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik der einzelnen Länder verbunden ist.

Wo sind denn die Schwachpunkte innerhalb der WHO?

„Die WHO, wie wir sie im Moment haben, ist nicht die WHO, die wir brauchen, nicht die WHO, die wir für die Nothilfe in der Grössenordnung der Ebola-Krise gebraucht hätten“, meinte Tom Frieden, der Direktor der U.S. Center for Disease Control (CDC). Weiter kritisierte er, dass die Politik oft die technische Expertise der UN-Ämter überstimmt. Es sei Zeit, dass den Worten Taten folgen. David Nabarro, UN Ebola Koordinator betonte, dass die Massnahmen strategisch, solide und künftig schneller umgesetzt werden müssen und anerkannte damit die „Schwächen“ in der globalen Führungshandlung.

Die Koordination zur Eindämmung der Ebola Epidemie mit den Länderbüros war harzig und die Verantwortlichkeiten der internationalen und lokalen Akteure war unklar. So wiesen einige Länder darauf hin, dass die lokalen Ressourcen besser genutzt werden müssen und dass vor allem lokale Gesundheitsfachleute und die Gemeinden mehr „ownership“ in Krisen wie Ebola erhalten sollten. Ein Punkt, der wahrlich oft von den internationalen Akteuren vernachlässigt wird…

Die WHO hatte Mühe, Gesundheitspersonal für die Eindämmung der Epidemie zu mobilisieren. Es fehlte an Koordination und an Wissen. Margaret Chan hob in ihrer Rede die Wichtigkeit von Epidmiologen hervor, die es zur Früherkennung von Epidemien benötigt und die auch für die Notfallmassnahmen unentbehrlich sind. So hatte Liberia EpidemiologiestudentInnen in die Gemeinden geschickt, um Aufklärungsarbeit zu betreiben und Daten zu erheben.

Auch das Finanzierungssystem der WHO wurde kritisiert. Die WHO wurde 1948 nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Seit der Gründung ist viel passiert, vieles hat sich verändert, die Gesundheitsprobleme sind nicht mehr die gleichen, ebenso wenig wie die politische Lage, die Wirtschaft und die sozialen Bedingungen. Die WHO verlässt sich jedoch bis heute auf freiwillige finanzielle Beiträge, die mit Unsicherheiten verbunden sind und eine realistische Planung und Umsetzung nachhaltig erschweren. Die WHO erlebt derzeit eine Stagnation in der Bereitstellung von Geldern. Dies wurde bei den Nothilfemassnahmen zur Ebola Krise besonders deutlich Margaret Chan betonte mehrmals, wie wichtig es ist, dass die Staatengemeinschaft nicht nachlässig werden und dass sich bei den Geldgebern keine Müdigkeit (Donor fatigue) einschleichen dürfe.

Effiziente und nachhaltige Gesundheitssysteme

Die Ebola Epidemie kann auch als Folge der Unfähigkeit der WHO angesehen werden, den Aufbau effizienter und nachhaltiger Gesundheitssysteme in den betroffenen Gebieten voranzutreiben. Wir hörten wohl in jeder Stellungnahme der einzelnen Länder und der NGOs, wie wichtig es sei, nachhaltig starke Gesundheitssysteme in allen Ländern vorzufinden. Die Ebola Krise führte nicht nur dazu, dass die Gesundheitssysteme unter der Last zusammengebrochen sind, sondern auch, dass andere Interventionen eingestellt wurden, die nun dringend wieder im grösseren Umfang umgesetzt werden müssen. So betonte UNFPA wie wichtig es ist, dass trotz der Epidemie der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung, insbesondere zur Mutter-Kind-Gesundheit nicht vernachlässigt wird. In der Tat wurden diese Gesundheitsdienstleistungen in den am stärksten betroffenen drei Ländern (Sierra Leone, Liberia und Guinea) vernachlässigt und müssen nun wieder gestärkt werden.

Ergreifend war der Erlebnisbericht der Krankenschwester Rebecca Johnson aus Sierra Leone, die Ebola überlebte und nun von ihrem Umfeld stigmatisiert wird. Die Angst vor Ansteckung ist riesig und trotz ihres Zertifikates, dass sie „Ebola-frei“ sei, wird sie ausgegrenzt.

Alltag ohne Stigmatisierung

Dies zeigt, dass Interventionen nicht nur auf Prävention und Behandlung ausgerichtet werden können, sondern, dass Massnahmen notwendig sind, die die Überlebenden unterstützt, wieder in den Alltag ohne Stigmatisierung zurück zu kehren. Eine besondere Unterstützung benötigen bedürftige Kinder deren Eltern an Ebola verstorben sind (die sogenannten „Ebola-Waisen“).

Diese beiden zuletzt genannten Punkte waren für den Minister von Liberia so wichtig, dass er sich bei der Verabschiedung der Resolution weigerte zuzustimmen, solange die Resolution Massnahmen zur Stigmatisierung von Überlebenden und Massnahmen zur Unterstützung von „Ebola-Waisen“ nicht miteinschliesst. Dies veranlasste die Kommission folgenden Satz kurz vor der Verabschiedung hinzuzufügen „… und Unterstützung denjenigen Personen zu gewähren, die Ebola überlebten, ihren Familien und den Waisen-Kindern, die ihre Eltern an Ebola verloren haben, einschliesslich psycho-sozialer Unterstützung.“

Ein spannender Tag ging zu Ende mit vielen Eindrücken wie Politik bei der WHO gestaltet wird. Die Ebola Krise ist trotz den jetzigen Erfolgen noch lange nicht besiegt. Weiterhin müssen noch viele Investitionen erfolgen. Eine enthusiastische Margaret Chan schloss mit den Worten: „Ich habe Euch gehört! Wir werden unser Bestes tun, die Schwachpunkte anzupacken und umzusetzen.

 

Referenzen

http://www.who.int/mediacentre/events/2015/eb136/en/

Dr. Margaret Chan - Director – General of the WHO. http://www.who.int/dg/speeches/2015/executive-board-ebola/en/

Ebola Resolution Ebola: Ending the current outbreak, strengthening global preparedness and ensuring WHO capacity to prepare for and respond to future large-scale outbreaks and emergencies with health consequences (EBSS/3/CONF./1 REV.1; 25 Januar 2015). http://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/EBSS3/EBSS3_CONF1Rev1-en.pdf

Speech by Nurse Rebecca Johnson, 25 January 2015. http://www.who.int/mediacentre/events/2015/eb136/speech-rebecca-johnson/en/

Speech by David Nabarro, UN Secretary-General's Special Envoy on Ebola, 25 January 2015. http://www.who.int/mediacentre/events/2015/eb136/speech-david-nabarro/en/

 

Carine Weiss

Carine Weiss, MSc MIH, Projektleiterin Medicus Mundi Schweiz. Kontakt: