'Para la Vida' - Kawsanapak

Ecuador: ein bekanntes Konzept neu eingeführt

Von Verena Wieland / Schweizerisches Rotes Kreuz SRK

'Para la Vida' ist eine der vielen von UNICEF, WHO oder anderen Institutionen erarbeiteten Publikationen, die trotz guten Inhalten und ansprechender Gestaltung oft in den Büros von Gesundheitszentren oder Gestellen von Gesundheitshelfern verstauben und deren Botschaft die Zielgruppen meist nur oberflächlich erreicht, da sie isoliert vermittelt wird und ihre Sprache oft nicht angepasst ist. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat die für die Förderung der Gesundheit von Mutter und Kind zentralen Themen des Manuals 'Para la Vida' aufgenommen und zusammen mit Kichwa-Frauen an den lokalen Kontext des ecuadorianischen Amazonas angepasst. Dieses Handbuch wurde in abgelegenen Dörfern der ecuadorianischen Amazonasregion zum Ausgangspunkt für eine Förderung von Frauengruppen, die über die herkömmliche Gesundheitspromotion hinausgeht.

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt seit mehreren Jahren die beiden Indianerorganisationen Federación de Organizaciones Indígenas del Napo (FOIN) und Federación de Organizaciones Indígenas de Sucumbíos (FOISE) beim Aufbau eines Basisgesundheitsprogrammes. Aufgrund der Empfehlung einer Evaluation im Jahr 1997, die Gesundheitspromotion in den Dörfern auszubauen, legte das Programm einen Schwerpunkt auf die Frauenförderung. Sowohl in FOIN wie auch in FOISE existierten bereits Frauengruppen, die jedoch schlecht organisiert waren und folglich wenig Einfluss in ihren Organisationen und Gemeinden hatten. Bereits während der Diskussion der Evaluationsempfehlungen in den beiden Organisationen wurde erkannt, dass die Frauen eine entscheidende Rolle im Gesundheitsprogramm übernehmen müssen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Die Inhalte der Gesundheitspromotion sollten auf die 10 Botschaften des UNICEF-Manuals ‚Para la Vida‘ aufbauen, die Umsetzung den Frauengruppen anvertraut werden. Vier Kichwa-Frauen, die bereits Erfahrung in Promotions- und Organisationsarbeit hatten, übernahmen die Leitung des neuen Projekts. Unterstützt und beraten wurden sie von der Koordinationsequipe des Gesundheitsprogrammes.

Nach der Ausbildung der Leiterinnen und weiteren Helferinnen wurde das Manual in 42 Gemeinschaften mit den lokalen Frauengruppen, mit traditionellen Hebammen, Gesundheitspromotoren und Dorfschullehrern gelesen und ausführlich diskutiert. Änderungen und Ergänzungen, die den konkreten Lebenssituation entsprachen, wurden eingebracht. Einzelne Kapitel wurden erweitert, andere zusammengenommen und neue Themen eingefügt. Anfänglich bestand die Absicht, das Manual nur in der Kichwa-Sprache herauszugeben, doch die Frauen wünschten es zweisprachig, um so die Möglichkeit zu erhalten, ihre Spanischkenntnisse zu verbessern. Das letzte Kapitel des Manuals enthält eine zweisprachige Liste mit Übersetzungen von wichtigen Begriffen aus den Bereichen Gesundheit/Krankheit, Ernährung, Schwangerschaft, Frau/Kind und Organisation. Die in den Gemeinschaften erarbeiteten Themen bildeten einerseits die Grundlage für das Manual, andererseits für weitere Materialien wie Wandkalender, Agenden und Notizhefte der Promotor/innen, Hebammen und Lehrer.

Der lange Prozess hat sich gelohnt

Die Überarbeitung und Anpassung des Manual dauerte etwas mehr als ein Jahr, ein langer Prozess, der jedoch positive Resultate auf verschiedenen Ebenen gezeigt hat: Die Frauen, an die sich das Programm richtet, erkennen sich und ihre Situation in den Texten und Bildern wieder, es ist ihr eigenes Manual, für dessen Inhalte sie sensibilisiert sind. Die Leiterinnen der Frauengruppen sind durch die Vorbereitungsarbeit bestens auf ihre Aufgabe der Gesundheitspromotion vorbereitet; sie kennen die Inhalte und haben gelernt, diese zu vermitteln. Durch die kontinuierliche Arbeit der Frauengruppen in den Gemeinschaften ist das Selbstvertrauen der Frauen gestiegen. Sie haben nicht nur gelernt, ihre Aktivitäten selbständig zu planen und durchzuführen, sondern auch in Versammlungen in den Dörfern oder der Organisation zu sprechen und ihre Anliegen einzubringen. Seit 1997 sind die Frauengruppen kontinuierlich gewachsen, immer mehr Frauen engagieren sich in ihrer Organisation. Schliesslich hat sich auch Position der Frauen innerhalb der Organisation geändert: Von ihrer ursprünglich marginalisierten Stellung haben sie sich zu aktiven Mitgliedern entwickelt, die von den Männern zunehmend anerkannt und respektiert werden.

Mittlerweilen liegt das Manual ‚Para la Vida – Kawsanapak‘ vor. Es wird nun von den Frauengruppen, Gesundheitspromotor/innen und Lehrern für ihre Arbeit in 80 Kichwa-Gemeinschaften verwendet. Die Leiterinnen der Frauengruppen senden zudem wöchentliche Radioprogramme, in denen sie die Botschaften erklären und vertiefen und die Frauen zur aktiven Mitarbeit in den Gemeinschaften und in der Organisation motivieren. In 20 Gemeinschaften führen die Frauengruppen Kleinprojekten zur Ernährungsverbesserung durch. Unter der Leitung der Promotor/innen und mit einer Starthilfe aus dem Rotationsfonds der Organisation legen sie Fischteiche an oder züchten Geflügel. Sie verwalten die Ressourcen, evaluieren die Resultate und sind für die Rückzahlung verantwortlich.

Das Manual ‚Para la Vida – Kawsanapak‘ wurde von den beiden Indianerorganisationen FOIN und FOISE erarbeitet, unter Beratung und Begleitung der SRK-Projektequipe. Es wurde von Mitarbeitern der Provinz-Gesundheitsbehörden und UNICEF überprüft, UNICEF finanzierte Grafik und Druck. Der Inhalt und die Botschaften gehören jedoch den Kichwa-Frauen. Die Überarbeitung und Anpassung unter ihrer aktiver Mitwirkung hat einen Prozess eingeleitet, der wesentlich weiter führt als die Vermittlung von einigen Grundsätzen im Gesundheitsbereich. Die Frauen lernen, sich zu artikulieren und ihre Bedürfnisse einzubringen: ein wichtiger Schritt, nicht nur zur Verbesserung der Gesundheit ihrer Familien, sondern auch in Richtung der eigenen Autonomie.

*Verena Wieland ist Programmverantwortliche des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK. Gesundheitpromotion und Förderung der Frauengruppen sind Teil des umfassenden Gesundheitprogrammes der beiden SRK-Partnerorganisationen FOIN und FOISE. Sie sind für die Leitung und Durchführung der Projekte sowie die Koordination mit den Gesundheitsbehörden in den Provinzen Napo, Sucumbíos und Orellana verantwortlich. Weitere wichtige Bereiche sind Prävention und kurative Dienste, geleistet von Gesundheitspromotoren und –brigaden. Kontakt: SRK, Internationale Zusammenarbeit, 3001 Bern. info@redcross.ch, www.srk.ch, PC 30-9700-0