Zweimal jährlich nach Kashikishi...

Idealisten, Amateure, Profis (III): Freiwilligenarbeit im Basler Förderverein für Medizinische Zusammenarbeit

Von Andreas Nidecker & René Fehlmann / Basler Förderverein für medizinische Zusammenarbeit

Im Frühjahr 1993 sind zum ersten Mal Mitglieder des Basler Fördervereins für Medizinische Zusammenarbeit ins südliche Afrika nach Sambia gereist, um dort ein Spital zu besuchen, welches sich für eine Zusammenarbeit eignen würde. Das St. Paul’s Mission Hospital in Kashikishi im Nchelenge Distrikt ganz im Norden des Landes erwies sich als geeigneter Partner: einerseits sehr abgelegen, anderseits nicht zu gross, aber doch verantwortlich für eine Bevölkerung von etwa 150'000 Personen. So wurde das Fundament für eine langjährige Zusammenarbeit gelegt.

Seit dem ersten Besuch sind Mitglieder des Basler Fördervereins zweimal jährlich nach Kashikishi gereist, jeweils mit Know-how, Material und organisatorischer Unterstützung im Gepäck. Je nach aktuellem Bedarf setzt sich eine Reisegruppe aus VertreterInnen verschiedener medizinischer Fachrichtungen zusammen. Zur Verbesserung der elektrischen Installationen reisten letztes Jahr erstmals Elektriker mit nach Sambia.

Da anfänglich keine modernen Kommunikationsmittel (E-mail oder Fax) zur Verfügung standen, war der Kontakt oft während Wochen unterbrochen. Doch das Warten hat sich jeweils gelohnt: Durch das Vertrauensverhältnis ist die Zusammenarbeit von sambischen und schweizerischen Partnern nach wie vor sehr fruchtbar.

Das St. Paul's Mission Hospital wird durch Ordensschwestern geführt, die der Diözese von Mansa unterstehen. Schwester Mary, die Spitalverwalterin, genoss eine Managementausbildung in Holland. Das Spital umfasst etwa 140 Betten und führte im Jahr 2000 knapp 900 Operationen durch, eine "Kennziffer", die nicht allzu beeindruckend erscheinen mag. Doch bildet der ambulante Bereich im sambischen Gesundheitssystem den Hauptpfeiler der Gesundheitseinrichtungen.

Die Einleitung einer Gesundheitsreform vor einigen Jahren hat allerdings die Situation des Spitals erschwert. Faktisch handelte es sich bei der "Reform" nur um eine Kürzung des Spitalbudgets, ohne dass vom Staat mehr Leistungen erbracht wurden, und dies trotz zunehmender Patientenzahl aufgrund von Aids und Malaria, von Flüchtlingen aus dem benachbarten Kongo etc.

Zur Zeit sind zwei Ärzte in Kashikishi stationiert. Der Chefarzt, der aus dem Kongo stammt, arbeitet seit mehreren Jahren vor Ort. Seit einigen Monaten unterstützt ihn ein holländischer Arzt, welcher von der niederländischen Organisatin Cordaid (Memisa) für eine Vertragsdauer von drei Jahren angestellt ist. Medical Officers, nichtärztliche Mitarbeitende, untersuchen die ambulanten Patienten und ziehen bei Bedarf den Dienstarzt zu. Dem Spital angegliedert ist eine Schwesternschule, wodurch sich der Bedarf an Pflegepersonal decken lässt.

Inputs in den Bereichen Anästhesie und Radiologie

Vor vier Jahren wurde am St. Paul’s Hospital die Gefahr realisiert, dass aus den Ätheranästhesien mit einem neu installierten Elektokauter durchaus explosive Überraschungen resultierten konnten. Der Basler Förderverein kontaktierte das Departement Anästhesie des Kantonsspitals Basel, welches sich spontan zur Mitarbeit entschloss. Eine erste Evaluationsreise diente der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, die am Spital praktizierten Anästhesietechniken (Äther, Ketamin, Valium) zu ändern. Es stellte sich heraus, dass die zwei lokalen Anästhesisten nach ihrer Pflegeausbildung und der anschliessenden Ausbildung zum Medical Officer noch eine zweijährige Anästhesieausbildung in der sambischen Hauptstadt Lusaka genossen hatten, welche die meisten Anästhesietechniken abdeckte. Beide erwiesen sich zudem als fachlich kompetent und motiviert. Aufgrund des Materialmangels konnten sie jedoch in Kashikishi weder Intubations– noch Spinalanästhesien durchführen. Dies hatte beispielsweise zur Folge, dass Baucheingriffe nicht durchgeführt werden konnten und die Patienten nach Mansa verlegt werden mussten. Speziell Kinder überlebten die strapaziöse Fahrt auf den afrikanischen Strassen jedoch meist nicht.

In einem Container wurde deshalb ein Anästhesiegerät von Basel auf die Reise nach Kashikishi geschickt. Dort angekommen, wurde es an die lokalen Verhältnisse angepasst: Sauerstoff in Druckflaschen war nur sehr schwer erhältlich, Wandanschlüsse gab es schon gar nicht. Das zur Verfügung stehende Sauerstoffkonzentrationsgerät wurde mit einem Druckluftkompressor kombiniert, wobei diverse Reduktionsventile umgangen werden mussten, damit der Flow genügend war um eine Rückatmung zu verhindern, denn Absorptions-kalk zur CO2 Reduktion war ebenfalls nicht erhältlich. Es erfolgte ein Refresherkurs für die sambischen Anästhesisten in Spinal- und Halothananästhesie. Nach einiger Überzeugungsarbeit wurde ein den Verhältnissen angepasster "Minimal Safety Standard" implementiert, um die Patientensicherheit bei den sehr begrenzten Ressourcen zu optimieren.

Der Anteil an Regionalanästhesien konnte inzwischen deutlich erhöht werden. Speziell erwähnenswert sind die Kaiserschnitte, welche jetzt in den meisten Fällen in Spinalanästhesie durchgeführt werden. In den folgenden zwei Besuchen wurde auch ein Aufwachraum für die postoperative Betreuung installiert. Die Schwestern und Schülerinnen wurden auf die speziellen Risiken der postoperativen Betreuung sensibilisiert. Eines der vom Departement Anästhesie des Basler Kantonsspitals gestifteten Medikamente, das Dormicum, führte zu einer deutlichen Reduktion der bösen Geister im Spital. Dank der Dormicumamnesie erinnern sich die Patienten nicht mehr and die möglichen Alpträume nach einer Ketaminanästhesie.

Vor einem Jahr konnte eine neue konventionelle Röntgenanlage dank der finanziellen Unterstützung der Gemeine Reinach und anderer Sponsoren in der Schweiz installiert werden. Gerade bei der verbreiteten Tuberkulose stellen die verbesserten Thoraxbilder eine grosse Diagnosehilfe dar. Ebenfalls steht ein gutes Ultraschallgerät zur Verfügung, das von den Ärzten auch intensiv genutzt wird. Dank intensivem Teaching anlässlich des Besuchs einer Basler Gruppe vor im März dieses Jahres vergrössert sich das Einsatzgebiet des Ultraschalls zunehmend. Wurde es zunächst meist zur Diagnosestellung bei Schwangeren verwendet, wir heute das gesamte Abdomen und der Thorax untersucht.

Zwei Schritte vorwärts...

Die Aussage "zwei Schritte vorwärts, einer zurück" trifft auch für die Partnerschaft zwischen Basel und Kashikishi zu. Aufgrund der kulturellen Unterschiede und Prioritäten schreiten eingeleitete Änderungsvorschläge langsamer voran, als wir uns dies mit unserem zielorientiertem Arbeitsstil wünschen würden. Sind die Spitalmitarbeiter jedoch einmal vom Nutzen einer Änderung überzeugt, steht der Einführung nichts mehr im Wege. Es gibt noch zahlreiche Probleme, für die im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem St. Paul’s Mission Hospital und dem Basler Förderverein in nächster Zukunft Lösungsansätze gesucht und erarbeitet werden: Stromversorgung, Infrastruktur, Medikamentenengpässe, Personalprobleme, medizinisches Teaching etc. Die Arbeit geht uns nicht aus.

Erfreulich ist letztlich, dass das Projekt durch die langjährige und nachhaltige Zusammenarbeit inzwischen in der Region Basel recht gut bekannt ist. Die Tatsache, dass immer wieder Ärztegruppen nach Sambia reisen – und zurück in der Schweiz von ihren Erfahrungen berichten -, erleichtert die Sponsorensuche. So durfte unser Verein bereits mehrmals grössere Beträge vom Entwicklungsfonds der Stadt Basel oder vom Lotteriefonds im Empfang nehmen. Neben den intensiven Kontakten und Erlebnissen bei unseren afrikanischen Partnern, aber auch den tiefen Freundschaften bereits während Jahren, trägt dieser stete finanzielle Support ebenfalls zur nachhaltigen Motivation der Basler ÄrztInnen, die sich in ihrer Freizeit für das Projekt engagieren, bei.

*Dr. med. Rene Fehlmann und Prof. Dr. med. Andreas Nidecker sind Mitglieder des Vorstandes des Basler Fördervereins für medizinische Zusammenarbeit. Kontakt: www.globalmed.ch , post@globalmed.ch