Das Kinderspital in Bethlehem als Gesundheitszentrum

Gesundheitsvorsorge in die Dörfer tragen

Von Klaus Röllin / Kinderhilfe Bethlehem

In Bethlehem wird mit dem Slogan "Bethlehem 2000" der Geburt Jesu gedacht, die nach der Bibel hier vor rund 2000 Jahren geschehen ist. Die Kinderhilfe Bethlehem, ein Verein, dem schweizerische und deutsche kirchliche Institutionen und einige Einzelmitglieder angehören, trägt das "Caritas Baby Hospital" in Bethlehem. Zu den Aktivitäten, die über das Spital hinausweisen, zählen die sozialen Dienste, die das Gesundheitszentrum für die Familien der Patienten leistet.

Die Anfänge des Caritas Baby Hospital gehen auf die Zeit des ersten israelisch-arabischen Krieges Ende der vierziger Jahre zurück. Damals und heute bemühen sich die Trägerschaft des Kinderspitals und die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um "das Kind von Bethlehem", vor allem um jenes Kind, das aus den unterschiedlichsten Gründen gehindert ist, das Leben zu entfalten.

Das Caritas Baby Hospital ist in den vergangenen zwei Jahren erweitert und tiefgreifend renoviert worden. Nach mehr als 20 Jahren war eine Sanierung unausweichlich geworden. Mit der Erweiterung und Sanierung wollte die Trägerschaft nicht die Zahl der Betten erhöhen, sondern in erster Linie die Bedingungen für die Patienten und auch für die Angestellten verbessern. Besonders zu erwähnen sind der Bau einer Notfallaufnahme, die Einrichtung einer Frühgeborenenabteilung, die Erneuerung der Milchküche und die Erhöhung der Bettenzahlen für Mütter, die im Spital übernachten, um bei der Pflege des Kindes mitzuwirken.

Für die 1.5 Millionen Palästinenser im Westjordanland gibt es derzeit gerade 17 Krankenhäuser mit 1'400 Betten. In einigen Hospitälern gibt es zwar Betten für Kinder, doch Kinderärzte oder Kinderkrankenpflegerinnen findet man dort nur selten. Das Caritas Baby Hospital ist noch immer das einzige auf Kleinkinder spezialisierte Krankenhaus. Fünf Kinderärzte und sechs Assistenten arbeiten in dem 80-Betten-Hospital.

Das soziale Umfeld ins Auge fassen

Im Jahre 2000 in Bethlehem zu arbeiten und für die gesundheitlich und sozial benachteiligten Kinder in der palästinensischen Westbank ein Kinderspital zu unterhalten, das heisst auch das soziale Umfeld der Kinder ins Auge zu fassen. Einige Zahlen aus dem "Kinderreport 1999": Vier Prozent der Kinder im Alter bis zu vier Jahren sind untergewichtig; 26 Prozent der Kinder leben unterhalb der Armutsgrenze, 40 Prozent der verheirateten Frauen sind jünger als 18 Jahre; 15.9 Prozent der 17 jährigen haben bereits ein Kind oder sind schwanger. Im Westjordanland sterben prozentual dreimal so viele Kinder in den ersten fünf Lebensjahren wie in Deutschland oder der Schweiz. Die politische Lage wird vom Grossteil der palästinensischen Bevölkerung als hoffnungslos betrachtet. Das Kinderspital ist ein unverzichtbares Gesundheitszentrum, das nach weiteren Aktivitäten ruft. Dazu zählen die sozialen Dienste, die das Caritas Baby Hospital für die Familien der Patienten leistet. Das soziale Beratungsteam wirkt in der "Dorfarbeit" für die Bevölkerung von Bethlehem und Umgebung.

Arbeit in den Dörfern

In Nahalin, einem Städtchen in der weiteren Umgebung von Bethlehem, unterhält das Hospital eine Aussenstelle mit Ambulatorium, eine "Clinic" für Kleinkinder, einen Sozialdienst, eine Mütterberatung und eine Nähschule. Das Team, das an einem Tag pro Woche in Nahalin arbeitet, setzt sich zusammen aus einem Arzt, einer Krankenschwester, einer Sozialarbeiterin und einer Mütter- bzw. Gesundheitsberaterin. In der "Clinic" für Kinder wurden vor allem Neugeborene betreut und begleitet. Registriert waren im Jahr 1998 194 Babys. Markant angestiegen ist in Nahalin die Zahl der Gewichtskontrollen (fast 2000 im Jahr 1998). Das "Nahalin-Team" des Kinderspitals sieht in einer solchen Zahl eine positive Entwicklung; ausgelöst durch die Bemühungen der Mütterberaterin und der Gesundheitsberaterin. Ärztliche Sprechstunden für schwangere Frauen werden alle zwei Wochen angeboten.

Gesundheitsprogramm in einem Dorf

Im Jahresbericht 1998 der Kinderhilfe Bethlehem umschreibt die Teamleiterin die Arbeit mit folgenden Worten: "Das Angebot der Sozialarbeiterin und der Mütterberaterin, die in idealer Weise zusammenarbeiten, umfasste Kurse in erster Hilfe, in Gesundheitserziehung und Ernährung, über die physische und psychische Entwicklung des Kindes und über mögliche Behinderungen". Die Gesundheitsberatung wird in Nahalin an vier Wochentagen durchgeführt. Diese umfasst auch ein "Schülerprogramm". Mit Spielen, Filmen und Zeichnungen weckt die Gesundheitsberaterin das Interesse von Kindern und Jugendlichen für Fragen der Gesundheit. Und eine weitere Aktivität in Nahalin sind die Kursangebote für jungverheiratete Frauen durch die Sozialarbeiterin.

Ähnlich wie in Nahalin baut das Caritas Baby Hospital derzeit im Dorf Sawahreh Sharqieh in der Nähe von Jerusalem ein "Dorfzentrum" auf. Diese unspektakuläre Präventionsarbeit muss zwar noch immer "begründet" werden. Zu gerne neigen Behörden dazu, der "Apparate-Medizin" den Vorzug zu geben. Die Kinderhilfe Bethlehem hat ganz klar erkannt, dass einheimische Trägerschaften leichter die Bevölkerung in den Dörfern erreichen, als dies durch ausländische möglich ist. Sie unterstützt deshalb gezielt einheimische Institutionen, die im Bereich der Gesundheitsvorsorge tätig sind. Im Rahmen des Projekt-Service "Hilfe für Mutter und Kind im Heiligen Land" fördert sie lokale Non-Profit-Organisationen durch die Finanzierung von Anschaffungen und durch Betriebsbeiträge. Sie übernimmt auf diese Weise jene Kosten, die sozial benachteiligte Eltern und Familien für medizinische, ärztliche oder pflegerische Dienstleistungen nicht bezahlen können.

Klaus Röllin ist Geschäftsführer der Kinderhilfe Bethlehem, Internet: http://www.khb.ch