Viele Wege führen zu Gesundheit: Projekte schweizerischer Organisationen

Kampf gegen Fehl- und Mangelernährung

Von Maya Natarajan / IAMANEH Schweiz

Gemeinsam mit unserer lokalen Partner-NGO GAD "Groupe-action-développement" engagieren wir uns seit 2000 in einem Projekt zur Bekämpfung der Mangel- und Fehlernährung bei Müttern und ihren Kindern. Das Projekt zeigt, wie wichtig es ist, die Aktivitäten miteinander zu vernetzen und sektorübergreifend zu arbeiten.

Die Gemeinde Minidian mit ihren knapp 67'000 Einwohnern ist zwar eine relativ fruchtbare Zone, dennoch liegt die Fehl- und Mangelernährung bei Kindern unter 5 Jahren in dieser Region bei ca. 20 Prozent. Probleme sind Vitamin-A- und Eisenmangel sowie Durchfallerkrankungen. Im Verlauf der Aktivitäten wurde auch der Iodmangel als gravierendes Problem in der Region erkannt. Mangelernährte Kinder sind anfälliger auf Krankheiten, die auch einen schwereren Verlauf nehmen können. Ziel ist es, die Ernährungssituation von Müttern und ihren Kindern zu verbessern.

Das Projekt wurde im 2000 in noch relativ bescheidenem Rahmen gestartet und konnte im Jahr 2002 durch die Ko-Finanzierung der DEZA gefestigt werden. Die externe Evaluation des Projektes im Herbst 2002 hat eine wesentliche Verbesserung der Ernährungssituation festgestellt; die Mangelernährung ist auf 7.3 Prozent gesunken.

Worauf beruht der Erfolg? Eine zentrale Rolle im Projekt spielt vor allem der integrierte Ansatz, der versucht, mittels verschiedener Aktivitäten das gemeinsame Ziel, die Verbesserung der Ernährungssituation von Frauen und Kindern, zu erreichen. Tragend ist dabei eine intensive und enge Zusammenarbeit zwischen der lokalen NGO, der Dorfbevölkerung, den Gesundheitspromotoren (relais villageois), den Animatoren, der Ernährungsberaterin und den Frauengruppen.

Die Frauengruppen bebauen das gemeinsame Feld und erhalten auch Kleinkredite. Der Fonds wird dabei von den Frauen selbst verwaltet. Hierfür haben sie eine Weiterbildung erhalten. Die Vergabe der Kleinkredite war bisher ein grosser Erfolg. Inzwischen haben die Frauen bereits einen ansehnlichen Fonds erwirtschaftet, der es ihnen erlaubt, auch weiteren Frauen Krediten zu gewähren.

Zwei Animatorinnen des Projektes sind zuständig für die Gesprächsrunden, an denen Themen wie Ernährung, Stillen, Hygiene und Kinderbetreuung aufgegriffen und diskutiert werden. An praktischen Beispielen wird den Müttern gezeigt, wie sie einen gehaltvollen Babybrei herstellen können, und dass dieser in Zeiten des Abstillens wichtig ist. Das Projektteam geht regelmässig in die Dörfer, wo alle Kleinkinder gewogen und gemessen werden. So werden Fälle von Mangelernährung rechtzeitig erfasst, und das Schlimmste kann verhindert werden.

Im Falle einer gravierenden Fehlernährung wird das Kleinkind ins Spital überwiesen. Das Projekt garantiert dabei die Übernahme eines Teils der Kosten, da die Eltern selten alleine dafür aufkommen können (Sozialfonds). In jedem Dorf wurden zudem zwei Gesundheitspromotoren gewählt - eine Frau und ein Mann - die eine Weiterbildung erhalten haben und die Animatoren in ihrer Arbeit unterstützen. Sie informieren die Animatoren, falls ein Kind im Dorf erkrankt oder stark fehlernährt ist.
Mit Radiosendungen zur Ernährung und Theateraufführungen werden auch Männer erreicht. Insbesondere das Theaterstück thematisiert die Rolle der Männer bei Entscheidungen im Haushalt und beispielsweise ihren Widerstand gegen die Teilnahme der Frauen an den Gesprächsrunden - dies auf anschauliche und witzige Weise.

Eine wichtige Projektkomponente ist die Förderung des Anbaus von Gemüse und Früchten in Hausgärten. Dabei wurden zuallererst die Bedürfnisse der Frauen genau abgeklärt. In den anschliessenden Verhandlungen mit der Dorfverwaltung konnte erreicht werden, dass den Frauen Felder zur Bebauung vertraglich zugesprochen wurden. Seither bauen sie Gemüse und Früchte an. Einen Teil der Ernte verkaufen sie auf dem Markt, einen Teil konsumieren sie selbst. Mit dem Bau von Brunnen wurde auch die Wasserversorgung der Felder sichergestellt. Die Förderung der Hausgärten ist ein grosser Erfolg, und bereits haben sich Frauengruppen aus anderen Dörfern gemeldet, die diese in ihren Dörfern einrichten möchten.

Die Mütter haben über die drei Jahre selbst feststellen können, dass ihre Kinder gesünder sind und die schwierige Phase des Abstillens besser überstehen, wenn sie richtig ernährt werden. Diese Erfahrung ist wichtig und sichert auch in Zukunft gesunde Kinder.

Bald sollen neue Dörfer in das Programm integriert werden. Die "alten" Dörfer werden dann noch punktuell weiterbetreut, so dass der Kontakt zur Bevölkerung sowie deren Vertrauen erhalten bleiben und mit geringem Aufwand mögliche neue Aktivitäten lanciert werden können.

Land/Region: Mali, Region Kangaba
Sektor: Gesundheit / Ernährung
Zeitraum/Projektphase: 1.1.2001-31.12.2003
Schweizerische Organisation: IAMANEH Schweiz
Website Organisation: www.iamaneh.ch
Kontakt: Maya Natarajan, Programmverantwortliche Westafrika