Gesundheit und Verstädterung

Editorial

Von Martin Leschhorn Strebel / Medicus Mundi Schweiz

Landflucht, Verstädterung und Megacitys: Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte leben ab diesem Jahr mehr Menschen in städtischen Räumen als auf dem Land. Diese Entwicklung der Urbanisierung setzt sich vor allem in Asien und Afrika ungebremst fort.

Aus gesundheitlicher Sicht ist die Verstädterung durchaus nicht so schlecht. Dank zentralisierter, leicht erreichbarer Infrastruktur scheint die Gesundheitssituation für die Stadtmenschen besser; die Sterblichkeitsrate ist für städtische Räume im Allgemeinen kleiner als fürs Land.

Es lohnt sich aber, dem differenzierteren Blick zu folgen, wie wir dies in dieser Bulletinausgabe tun. Der zeigt zwar, dass die oben gemachte allgemeine Bemerkung durchaus stimmt, dass das Bild sich aber verändert, wenn wir unkontrolliert wachsende Städte anschauen, wie dies eben gerade vielerorts der Fall ist.

Verslumung bringt schwer kontrollierbare sanitarische Verhältnisse mit sich, Menschen leben auf kleinstem Raum unter prekären wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, welche die Menschen in Not bringt und entrechtet. Es gibt Handlungsbedarf gerade in städtischen Ballungszentren, es gibt aber auch Ansätze und Initiativen, um eine unkontrollierte Entwicklung zu verhindern. Vielleicht leisten dazu auch Erfahrungen aus der europäischen Stadtgeschichte einen Beitrag. Mit der historischen Fotografie aus dem Stadtzentrum in Basel auf dieser Seite soll dies auch noch in Erinnerung gerufen werden.

Bei der Entwicklung dieses Bulletins zeigte es sich, dass nach wie vor viele Projekte der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit sich auf den ländlichen Raum konzentrieren. Dies macht angesichts der schwierigeren Gesundheitsversorgung auch Sinn. Aufgrund der Urbanisierung in Afrika, Asien und Lateinamerika ist aber auch davon auszugehen, dass sich gewisse Schwerpunkte der Arbeit bei einigen Organisationen verlagern könnten. Ich hoffe, dass wir mit dieser Ausgabe des Bulletins eine inhaltliche Grundlage liefern können.

Martin Leschhorn Strebel ist Redaktor des Bulletins und Mitglied der Geschäftsleitung von Medicus Mundi Schweiz. Kontakt: mleschhorn@medicusmundi.ch