Editorial

Migration, Gesundheit und Kommunikation

Von Christoph Hatz / Schweizerisches Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH)

"Migration ist eine wichtige Determinante der Gesundheit und der sozialen Entwicklung". Diese Feststellung von Manuel Carballo, welche er 1998 in seiner Analyse der Migration im Kontext der Europäischen Gemeinschaft formuliert hat, erinnert bewusst daran, dass Migration neben den oft genannten negativen Seiten auch eine starke positive Konnotation hat. Der Entwurzelung, Vertreibung und dem oft schwierigen Einleben in eine ungewohnte Umgebung stehen die wenigstens temporäre Sicherung der Grundbedürfnisse und der hoffnungsvolle Aufbruch in eine neue Zukunft gegenüber.

Migration beeinflusst die Menschen, die unterwegs sind, jene die zurückbleiben und auch diejenigen, welche die Migranten aufnehmen. Den Implikationen für die Gesundheitssysteme der betroffenen Gesellschaften kommt dabei eine grosse Bedeutung zu. Diese betreffen politisch-rechtliche, ökonomische, ökologische, soziale und gesundheitliche Fragen sowie Aspekte der Information und der Kommunikation.

In der Migration innerhalb der sogenannten Länder der Dritten Welt stehen ökonomische und ökologische Faktoren im Vordergrund, in den industrialisierten Ländern sind dies vor allem Fragen der Partizipation und Unterschiede in den Gesundheitssystemen. Grundsätzlich stellen sich aber die Fragen für alle Länder und für alle Formen der Migration gleich. Dies gilt speziell für die Information und Kommunikation, welche den Zugang zur Gesundheitsversorgung in hohem Masse beeinflussen.

Welche quantitativen und qualitativen Informationen gehören zu einem erfolgreichen Gesundheitsmanagement? Quantitative epidemiologische Angaben zu Gesundheitsrisiken und Krankheiten der betroffenen Migrationsgruppen sind die Grundlage für ein rationales Vorgehen. An zwei Beispielen zur Verbreitung von Infektionskrankheiten wird dies deutlich. In Afrika führen schlechte hygienische und klimatische Bedingungen in Flüchtlingslagern zur epidemischen Ausbreitung von Seuchen wie der Cholera oder der Malaria, welche entsprechende Behandlungsstrategien erfordern. In industrialisierten Ländern können die sozio-ökonomischen Bedingungen (Wohnsituation) von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen zur Übertragung der Tuberkulose führen. Die Erfassung dieser Entwicklungen ermöglicht eine adäquate Lösung der Probleme.

Informationen über institutionelle Strukturen der Gesundheitssysteme sind sowohl für die Migranten als auch für ihre Betreuer wichtig. Qualitative Informationen zu Gesundheits- und Krankheitsvorstellungen der Migrationsgruppen fördern das Verständnis und ermöglichen eine kompetente, beide Seiten befriedigende Lösung von Gesundheitsproblemen. Diese wesentlichen Basisinformationen liefern vor allem interdisziplinäre Untersuchungen in den Bereichen Epidemiologie, Ethnologie und Medizin.

Das Zusammenspiel dieser Disziplinen und die Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus der Migrationsbevölkerung führen von der Information zur Ebene der Kommunikation. Dabei ist die sprachliche Ebene wichtig, welche in vielen Fällen die Unterstützung durch qualifizierte Übersetzer erfordert. Das weite Feld der Kommunikation umfasst jedoch auch die vielfältigen Interaktionen zwischen Migranten und Gesundheitsanbietern. Wesentlich ist auch ein bewusster Umgang aller Beteiligten mit kultureller Differenz. Damit kann sowohl ein verbesserter Zugang zum Gesundheitssystem erzielt als auch eine effizientere Nutzung desselben garantiert werden.

Christoph Hatz, Leiter Medizin und Diagnostik am Schweizerischen Tropeninstitut, Projektleiter 'Migration und Gesundheit'.