Gespräch mit Marcel Vekemans

"Es braucht den Mut und das Engagement der Nichtregierungsorganisationen!"

Marcel Vekemans, Experte der International Planned Parenthood Federation (IPPF) London zum Thema unsafe abortion, stellte im Juni 2006 an einem Treffen der parlamentarischen Gruppe KAIRO+ den von IPPF im vergangenen Februar lancierten Safe Abortion Action Fund vor. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Vereinigung PLANeS, die das Sekretariat der parlamentarischen Gruppe führt. Das Gespräch mit Marcel Vekemans führte Christa Spycher, Ärztin und Präsidentin der Vereinigung PLANeS.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Stärken des ambitiösen Safe Abortion Action Fund?

Die International Planned Parenthood Federation will mit dem Safe Abortion Action Fund Initiativen und Programme unterstützen, die darauf ausgerichtet sind, im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitsdienstes speziell den Zugang zu medizinisch fachgerechtem Schwangerschaftsabbruch zu fördern. Im Fokus haben wir ganz besonders die ärmsten Länder und Bevölkerungsgruppen. Wir wollen lokale NGOs unterstützen, nicht die staatlichen Gesundheitsdienste, wobei die Projekte sehr genau der jeweiligen Situation angepasst sein sollen. Wir zählen auf unsere lokalen Partnerorganisationen, denn sie kennen die Schwierigkeiten vor Ort. Diese können in unzureichenden fachlichen Kompetenzen des Gesundheitspersonals liegen, die mit Ausbildung zu beheben sind. Diese können aber auch auf einer unzureichenden Gesetzgebung beruhen, dann muss zum Beispiel die Erarbeitung entsprechender Plädoyers unterstützt werden.

Erwarten Sie, mit Projektvorschlägen überschwemmt zu werden?

Das Programm wurde erst im Februar 2006 lanciert und ist nun am Anlaufen. Wir haben schon Interessenten im Auge, aber wie gross die Zahl der Projektanträge sein wird, kann ich derzeit schwer abschätzen.

Wo erwarten Sie die Hauptprobleme bei der Umsetzung des Programms?

Bei der Absorptionskapazität der lokalen Institutionen und Organisationen, denn dieser Fonds ist nicht dafür gedacht, neue Strukturen zu schaffen.

Welchen Rat geben Sie den Schweizer NGOs, die seit Jahren im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit mit Partnern im Süden zusammen arbeiten?

Sie sollen sich unbedingt vermehrt und explizit mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch auseinandersetzen: In Ergänzung zu den sonstigen Anstrengungen im Bereich der Familienplanung und Gesundheitsversorgung für Mutter und Kind soll ein Beitrag geleistet werden, um auch den Zugang zu medizinisch fachgerechtem Schwangerschaftsabbruch zu gewährleisten. Es darf nicht sein, dass zum Beispiel eine NGO in einem Krisengebiet das Problem systematischer Vergewaltigungen sehr wohl als relevantes Gesundheitsproblem erkennt, jedoch das ebenso gravierende Problem der in diesem Zusammenhang resultierenden unerwünschten Schwangerschaften übergeht beziehungsweise es von sich weist, auch auf die gesundheitliche Relevanz möglicher nicht sachgemässer Schwangerschaftsabbrüche einzugehen. Es braucht den Mut und das Engagement gerade auch von den NGOs, das belastete, aber sehr gesundheitsrelevante Thema Schwangerschaftsabbruch nicht nur theoretisch, sondern auch ganz konkret anzugehen.

Informationen zum Safe Abortion Action Fund:
http://content.ippf.org/output/ORG/files/13873.pdf

Informationen zur parlamentarischen Gruppe KAIRO+:
www.plan-s.ch/rubrique.php3?id_rubrique=59