Geben und nehmen

Das Internationale Netzwerk der Stiftungen für Gesundheitsförderung

Von Ursel Broesskamp-Stone

Die Entstehung des Internationalen Netzwerks der Stiftungen für Gesundheitsförderung reicht zur 4. Internationalen Konferenz für Gesundheitsförderung in Jakarta im Jahr 1997 zurück. Unter anderem auf Anregung der WHO kamen 1999 einige dieser Stiftungen erstmalig in Melbourne mit sonstigen Interessierten zusammen. Das Thema war und ist die Schaffung und der Erhalt von innovativen und wirksamen Infrastrukturen für Gesundheitsförderung – sei es als Stiftung, Fonds oder einer anderen, dem jeweiligen Land entsprechenden, juristischen Form.

Das Internationale Netzwerk der Stiftungen für Gesundheitsförderung verfolgt zwei Ziele: Die Schwesterorganisationen wollen sich gegenseitig stärken und - mit dem Ziel der Qualitätssteigerung der Arbeit – voneinander lernen. Ausserdem unterstützt das Netzwerk Organisationen oder Initiativen, die in ihren Ländern darauf hin arbeiten, dass eine Stiftung oder ähnliche Infrastruktur für Gesundheitsförderung geschaffen wird. Die Tätigkeit des Netzwerks wird von drei Prinzipien geleitet:

Gegenseitigkeit: Jedes Netzwerkmitglied hat sich einem aktiven Informations- und Erfahrungsaustausch verschrieben – auf der Basis von gemeinsamen Interessen und mit Blick auf Synergien im Bereich “leadership” für Gesundheitsförderung und nachhaltiger Infrastrukturen zur Förderung der Bevölkerungsgesundheit. Die offene und transparente Kommunikation zwischen den Mitgliedern und eine Vertrauens- und Kooperationskultur gewährleisten gegenseitigen Gewinn (“win/win”).

Führungsrollen für alle: Das Netzwerk ist ein nicht-hierarchisches System in dem alle Mitglieder “leadership”-Funktionen übernehmen und die Entscheidungsfindung konsensorientiert ist. Es wird auf den jeweiligen Kernkompetenzen der Mitglieder aufgebaut. Innerhalb des Netzwerkes und gegenüber assoziierten Mitgliedern wird fachliche Unterstützung gegeben. Netzwerkmitglieder teilen Verantwortung, Risiken und Ressourcen in gemeinsam bestimmten Kooperationsfeldern. Das Netzwerksekretariat rotiert – zur Zeit wird es von Gesundheitsförderung Schweiz betreut.

Gesundheit fördern: Die Ottawa Charta für Gesundheitsförderung bildet für das Netzwerk den Orientierungsrahmen für gesundheitsförderliches Handeln. Die Arbeit des Netzwerkes beruht auf dem Verständnis, dass Bevölkerungsgesundheit von grundlegenden sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen und Umweltfaktoren sowie durch Kompetenzen und Verständnis von Einzelnen und Gruppen beeinflusst wird. Da die Veränderung dieser bestimmenden Faktoren von Gesundheit und der Gesundheitsgewinn der Bevölkerung Ziel sind, erkennt das Netzwerk die Notwendigkeit einer Langzeitperspektive an.

Die Mitglieder des Netzwerks

Organisationen, die Mitglieder des Internationale Netzwerk der Stiftungen für Gesundheitsförderung sind, erfüllen die folgende Voraussetzungen: Sie sind primär in die Finanzierung von Aktivitäten der Gesundheitsförderung involviert; sie wurden auf der Basis eines gesetzgeberischen Aktes, z.B. durch ein im Parlament verabschiedetes Gesetz gegründet; sie werden von einem unabhängigen Verwaltungs- oder Stiftungsrat mit Stakeholder-Repräsentation gesteuert; sie haben einen hohen Grad an Autonomie im Sinne von Entscheidungsfreiheit; sie verfügen über ein gesetzlich und langfristig gesichertes, regelmäßiges Budget für die Gesundheitsförderung; sie sind an keine politische Gruppierung gebunden; sie fördern Gesundheit durch das Arbeiten mit vielen gesellschaftliche Sektoren. Mitglieder des Netzwerks sind derzeit:

Initiativen in Malaysia und Süd-Afrika sind assoziierte Mitglieder. Die WHO ist ein wichtiger Kooperationspartner des Netzwerkes.

Die Finanzierungsformen der Gesundheitsförderungsstiftungen bzw. Fonds variieren: Die Grundlage sind vielfach prozentuale Anteile am Steueraufkommen - bisher vornehmlich Tabak- und Alkoholsteuern - oder auch per capita–Aufwendungen. Derzeit werden vergleichbare Porträts der verschiedenen Stiftungen erarbeitet. Der “Steckbrief” der Stiftung in Thailand (Kasten siehe unten) vermittelt einen ersten Eindruck.

Aktive Rolle der Schweiz

Gesundheitsförderung Schweiz engagiert sich aktiv in der internationalen Vernetzung der Gesundheitsförderungsstiftungen. Neben der Betreuung des Netzwerk-Sekretariats organisierte Gesundheitsförderung Schweiz in diesem Jahr gemeinsam mit der australischen Victorian Health Promotion Foundation (VicHealth) und ThaiHealth und in Zusammenarbeit mit der WHO das 2. Treffen des Internationalen Netzwerks der Stiftungen für Gesundheitsförderung, das vom 4. bis 6. März 2002 in Bangkok stattfand. Die Wahrnehmung internationaler Leadership-Funktion, verbunden mit dem gezielteren Austausch und der Bearbeitung international vorrangiger und auch für die Schweiz relevanter Themen durch Gesundheitsförderung Schweiz, verstehen sich als der Beginn einer intensiveren internationalen Gesundheitsförderungsarbeit: im Sinne von gegenseitigem Lernen, Schaffen von Synergien, Reputationsstärkung, gleichwertigem Geben und Nehmen, und Advocacy für und Unterstützung von wirksamer Gesundheitsförderungsarbeit in der Schweiz sowie in Nachbarländern und darüber hinaus.

*Ursel Broesskamp-Stone ist Leiterin des Bereiches Internationales von Gesundheitsförderung Schweiz und führt zur Zeit auch das Sekretariat des International Network of Health Promotion Foundations. Kontakt: ursel.broesskamp@promotionsante.ch. Website des 2. Treffens des Internationalen Netzwerk der Stiftungen für Gesundheitsförderung vom 4. bis 6. März 2002 in Bangkok, mit umfangreicher Materialiensammlung: www.thaihealth.or.th/en/english_meeting.html

ThaiHealth

ThaiHealth is a state agency under the supervision of the prime minister. The office commenced operation in April 2001. ThaiHealth has been responsible for encouraging, supporting, and funding a variety of projects that promote the public health with the aim of reducing sickness and premature death rates. ThaiHealth also encourages changing behavioural patterns and believes that beneficial environmental changes will contribute to an improved quality of life for Thais.
“The average life span of Thai men is 17 years shorter than could be expected. For Thai women the situation is only slightly better, their average lifespan is 14 years less than it should be. In most cases, the reasons can be attributed to personal behaviour and social and environmental problems. Smoking and drinking habits, accidents, unsafe sex practices and social health risks are a few examples. The financial cost of this situation to Thai citizens is enormous - up to 200,000 Million Baht (4, 440 Million US$) for health services. Many Thai deaths are the result of preventable causes. It is therefore clear that Health Promotion is essential to resolving this situation through a strategy that encourages people to change undesirable behaviour, life-styles and, where necessary, their everyday environments. There are many examples of what can be done; encouraging people to refrain from drinking and smoking, promoting safe sexual practises, healthier diets, safe travel, regular exercise and the creation of a safe and healthy living environment are a some of them.” (ThaiHealth Website)

What is ThaiHealth?

Thaihealth is the short name for the Thai Health Promotion Foundation. It is a state agency under the supervision of the prime minister. The office commenced operation in April 2001. ThaiHealth was established by Health Promotion Foundation Act, B.E. 2544 (2001). The Act has authorised its status of statutory public organisation plus provided an earmarked taxation as its primary funding source.

Strategic objectives:

1. Develop and build the movement through the start and support of generating efficient health promotion concepts and processes in different contexts.
2. Develop system change to reduce health problems and losses from major risk factors such as policy, law and regulation, and management process.
3. Develop healthy communities by collaborating with various social institutions in different areas across the country.
4. Develop sustainability in health promotion by creating leaders and leadership, infrastructure, knowledge management, and resource management for health promotion.

Priorities:

Healthy community; Healthy city; Healthy workplace; Healthy school; Health information system and communication channel; Capability building for health promotion; Research; Tobacco and alcohol consumption control; Travel accidents, AIDS, and drugs; Mental health, healthy food, exercise, and consumer protection; Health promotion service system.

Activities:

1. Provides Technical Information and Advice so health promotion projects may be carried out effectively.
2. Facilitates networking and partnering among agencies with similar interests and objectives so they can work more congruously and supportively of one another.
3. Provides Grants so worthy projects get past the planning stage and are implemented.
4. Publicises studies, which then serve as models, and sets standards to promote widespread adoption of these standards amongst the public.
5. Forwards superior proposals to the Thai Government which have arisen from projects funded by ThaiHealth through the Committee of the Health Promotion Foundation, chaired by the Prime Minister.

Annual resources:

Funding for ThaiHealth is sourced from a two percent surcharge tax collected from tobacco and alcoholic beverages. It has been estimated to be around 1,400 million baht or 30 million US dollars annually.

Sources: International Network Secretariat and ThaiHealth Website
Contact: www.thaihealth.or.th