Leprahilfe wird zu „FAIRMED – Gesundheit für die Ärmsten“

50 Jahre: ein Anfang!

Von Liliane Eggli / FAIRMED - Gesundheit für die Ärmsten

Im letzten halben Jahrhundert konnte die Leprahilfe Hunderttausenden von Menschen helfen, die an Lepra und anderen Armutskrankheiten litten. Heute setzt sie sich für Menschen ein, die im Teufelskreis von Armut und Krankheit gefangen sind. Und das unter neuem Namen: FAIRMED – Gesundheit für die Ärmsten.

Über eine halbe Million Leprapatienten geheilt, Tausende burulikranker Kinder geholfen, Zehntausenden ein Leben in Würde ermöglicht, dank 150 Millionen Spendengeldern – so sieht die Bilanz nach 50 Jahren Einsatz gegen Lepra und andere Armutskrankheiten aus. Am 6. März 2009 hat sie diesen runden Geburtstag im Zentrum Paul Klee gefeiert, auf vergangene Erfolge zurückgeblickt und zukünftige Herausforderungen präsentiert.

14 Millionen Leprakranke

Als Marcel Farine die Aussätzigenhilfe Emmaus Schweiz 1959 in Bern gründete, gab es 12 Millionen Leprakranke auf der Welt. Heute werden gemäss WHO pro Jahr noch rund 260'000 Patienten neu entdeckt. Diese Erfolgsgeschichte wurde möglich dank der Entwicklung von wirksamen Medikamenten und dem riesigen Einsatz von Hilfsorganisationen, Regierungen der betroffenen Länder, der WHO und von Pharmafirmen.

1966 gründeten verschiedene Lepraorganisationen in Bern die heutige „Internationale Vereinigung der Leprahilfswerke“ (ILEP). Die ILEP, heute mit Sitz in London, hat eine entscheidende Bedeutung in der Leprabekämpfung und ist einzigartig in ihrer Koordinationsfunktion der Arbeit von Organisationen, die sich demselben Thema verschrieben haben. Bis heute koordiniert die ILEP die Finanzflüsse in die Lepraprojekte, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden und Ressourcen zu konzentrieren. Sie ist eine anerkannte Partnerin der WHO und der Regierungen der betroffenen Länder.

Lepra wird zu einer vernachlässigten Krankheit

Die Arbeit der Leprahilfe war geprägt von der Entwicklung der Medikamente. Nach den 1960er Jahren, als Dapson durch Resistenz praktisch wirkungslos wurde, ging es in erster Linie darum, den verstümmelten und verstossenen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Als anfangs der 80er-Jahre mit der „Multi Drug Therapy“ endlich ein wirksames Medikament zur Verfügung stand, wechselte die Strategie. Neu war das Ziel, alle Leprakranken zu finden, zu behandeln und die Krankheit damit auszurotten.

Nach dreissig Jahren stellt die Lepra in den meisten Ländern keine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit mehr dar. Seit 2007 führt die WHO Lepra auf der Liste der vernachlässigten Krankheiten. Aber ausgerottet ist sie noch nicht. Als klassische Armutskrankheit kommt sie vor allem in Gegenden vor, in welchen Menschen unter prekären Gesundheitsbedingungen leben müssen. Ohne die Verbesserung der Lebensumstände dieser Menschen oder einer neuen Behandlungsform wird die Lepra kaum ausgerottet.

Die Ausweitung des Engagements

Mit den Erfolgen der Leprabekämpfung hat sich der Fokus der Leprahilfe immer mehr zu Menschen verlagert, die an anderen armutsbedingten Krankheiten leiden. Der grösste Schritt erfolgte anfangs dieses Jahrhunderts mit dem Einstieg in die Bekämpfung von Buruli. Der Erreger ist verwandt mit demjenigen von Lepra und Tuberkulose und verursacht, unbehandelt, schwerste Verstümmelungen. Buruli betrifft fast ausschliesslich Menschen, die in armen ländlichen Gebieten leben und meist keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Auch bei der Buruli-Bekämpfung zeigt es sich, dass nachhaltige Verbesserungen nur erreichbar sind, wenn die Lebensbedingungen der Menschen generell verbessert werden. Die neuen Projekte der Leprahilfe fokussieren denn auch auf zwei parallele Schienen: Einerseits geht es darum, die Betroffenen zu befähigen, sich selber um die Verbesserung ihres Umfelds zu kümmern, und anderseits darum, die notwendigen Gesundheitsstrukturen aufzubauen.

Gesundheit für die Ärmsten

Auf Gemeindeebene fördert die Leprahilfe die Kompetenzen der Betroffenen, damit diese selber ihr Recht auf Gesundheit einfordern können. Mit Hilfe von Freiwilligen werden Aufklärungskampagnen, Gemeindeversammlungen und Gesundheitskomitees organisiert. So können die Betroffenen, ihre Interessen selber vertreten. Parallel dazu stärkt die Leprahilfe die Strukturen, indem sie Gesundheitszentren aufbaut und ausrüstet und lokales Personal im notwendigen Know-how schult.

Der Name Leprahilfe greift heute zu kurz, um das Engagement korrekt zu beschreiben. Im Fokus stehen Menschen, die im Teufelskreis von Armut und Krankheit gefangen sind, unabhängig von einer spezifischen Krankheit. Der neue Name „FAIRMED – Gesundheit für die Ärmsten“ widerspiegelt den umfassenden Einsatz, der heute in den Projekten geleistet wird. Der Anlass des 50-jährigen Jubiläums ist die Gelegenheit, den Schritt für 50 weitere Jahre Engagement für die Gesundheit der Ärmsten zu machen.

*Liliane Eggli, verantwortlich für Fundraising und PR bei FAIRMED, liliane.eggli@fairmed.ch, www.faimed.ch