HIV/Aids: 46 Antworten auf eine globale Herausforderung

HIV/Aids: 46 Antworten auf eine globale Herausforderung

Humuliza

Von Kurt Madörin & Irene Bush / Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA / Novartis Foundation / terre des hommes schweiz

Es sind keine gute Nachrichten, die wir jeweils aus Kagera, Tansania, erhalten. Zwar scheint sich die Zahl der Aids-Erkrankungen etwas zu stabilisieren, aber die Zahl der Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater oder beide verloren haben, wächst kontinuierlich und die Schwelle von 100'000 ist überschritten. Die Perspektiven für ganz Tansania sehen auch nicht gut aus: im Jahr 2010 sollen laut einer UNAIDS-Studie 4,2 Millionen oder 28 Prozent aller Unter-Fünfzehnjährigen einen oder beide Elternteile verloren haben - meist infolge Aids.

Aids trifft die Kinder in vielfältiger Weise, nicht „nur“ durch ein erhöhtes Armutsrisiko und den Verlust eines Platzes in der Schule, sondern auch als psychischer Stress: Kinder werden mit Aids bei Geschwistern, Freunden und Verwandten konfrontiert. Kinder werden durch die Anwesenheit von Waisen (aus der bereits durch Aids betroffenen Grossfamilie) gestresst. Am schlimmsten betroffen sind diejenigen Kinder, deren Eltern krank oder bereits gestorben sind. Diese Kinder werden schon lange vor dem Tod der Eltern mit der Gewissheit konfrontiert, dass der erkrankte Elternteil sterben wird und eine Rückkehr zur Normalität und zu einer "normalen" Zukunft nicht möglich sein wird. Die Erkrankung und der Tod einer geliebten Person und der Verlust der Pflegeperson verursacht somit auf der psychischen Ebene schwerwiegende Störungen und Ängste, die sich in Verhaltensstörungen (zum Beispiel Aggressionen) oder Symptomen wie Schlafstörungen, Depressionen etc. äussern.

Für das Humuliza-Projekt wurden die zwei folgenden Ziele definiert: Einerseits soll die Stressbelastung von Waisen und von Kindern erkrankter Eltern reduziert respektive abgebaut werden. Anderseits soll den Kindern und Jugendlichen beigestanden werden, damit sie diese extreme Belastung besser bewältigen können.

Das Projekt wurde im Juli 1997 begonnen. Vier TansanianerInnen erhielten eine sehr praxisorientierte Ausbildung in Moderation, Kinderpsychologie, Planung etc. Gleichzeitig wurden die Unterlagen erarbeitet, die heute zur Verfügung stehen und eingesetzt werden.

Die Waisen treffen sich in Gruppen von ca. 15 Kindern während drei Monaten einmal pro Woche. In einem ersten Teil sprechen sie zusammen und mit den LeiterInnen über das, was sie erlebt haben, über ihre Trauer, ihre Sehnsüchte, aber auch über ihre Wut. Besonderen Wert wird darauf gelegt, die Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein zu lassen, sondern mit ihnen auch Wege zu erarbeiten, um mit diesen Gefühlen leben zu können. In einem zweiten Teil werden Fähigkeiten und Kompetenzen trainiert: Freundschaft pflegen, Entscheide fällen, Ja und Nein sagen können etc.

LehrerInnen und sonstige BetreuerInnen: Wir haben bis jetzt 16 Trainingseinheiten entwickelt, die je nach Situation und Bedürfnis kombiniert werden können. Die Einheiten sind sehr praxisorientiert und versuchen Antworten zu geben auf Fragen wie: Wie erleben Kinder den Tod, welche Reaktionen sind möglich und was kann man tun, wie kann man den Kindern besser zuhören und mit ihnen sprechen etc. 1998 wurden bereits um die 100 LehrerInnen und ca. 400 Personen, die mit Kindern arbeiten (Kindergarten, Frauengruppen, AidsberaterInnen) ausgebildet.

Schweizerische Organisation(en)

terre des hommes schweiz (lead agency)
Deza (finanzielle Unterstützung)
Novartis Stiftung für nachhaltige Entwicklung (finanzielle Unterstützung)

Partnerorganisation(en)

WEVIDA
UNICEF

Stichwörter

Menschenrechte und Integration von Kranken in die Gemeinschaft
Kinder und Waisen: psychosoziale Unterstützung
Training und Capacity Building zu psychosozialer Unterstützung
Entwicklung von Trainingsmaterial und anderen benützbaren Ressourcen

Land, Region

Das Projekt wird in Nshamba/Rubya im Muleba-Distrikt, Kagera, Tansania realisiert. Eine "Aussenstation" (mit einer Teilzeitstelle) befindet sich in Dar es Salaam. Durch das UNICEF-Seminar werden weitere Distrikte im ganzen Land in die Arbeit einbezogen

Zeitraum

Seit 1997; da die Aids-Pandemie nach wie vor sehr aktuell ist, ist noch kein Ende abzusehen

Kontakt

terre des hommes schweiz, Laufenstr. 12, 4018 Basel
Dr. Kurt Madörin: Tel. 061 338.91.47, k.madoerin@terredeshommes.ch
Irene Bush: Tel. 061 338.91.42, i.bush@terredeshommes.ch

Publikationen

UNAIDS Broschüre: Case Study July 2001: "Investing in Our Future" Psychosocial Support for Children Affected with HIV/AIDS"

Basler Magazin 2. März 2002: "Die Waisenkinder von Kagera. Ein Fenster der Hoffnung" von Marie-Louise Zimmermann

Unter www.terredeshommes.ch/humuliza/humuliza.html kann das Manual des Humuliza-Projekts für psychosoziale Unterstützung für mit Aids betroffene Kinder heruntergeladen werden (in englisch).