HIV/Aids: 46 Antworten auf eine globale Herausforderung

HIV/Aids: 46 Antworten auf eine globale Herausforderung

Mutter/Kind HIV-Präventionsprojekt in Kamerun

Von Linus G. Jauslin / AIDS & KIND

Ziel des Projektes ist, die direkte Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind durch die begleitete Abgabe von Nevirapine zu verhindern bzw. zu reduzieren und das Bewusstsein um HIV/Aids mit den Mitteln der HIV/Aidsprävention zu fördern.

Im Ngaoubela Hospital werden schwangere Frauen über HIV/Aids aufgeklärt und, falls sie es wünschen, auf HIV getestet. Schwangere mit einem HIV-positiven Testresultat werden medizinisch betreut und begleitet. Sie erhalten das Medikament Nevirapine, das die Übertragung des Virus auf das Neugeborene vermindert. Bisher wurden rund 3000 schwangere Frauen im Spital untersucht, rund die Hälfte machte den freiwilligen HIV-Test. Von den getesteten Frauen waren 5,6 Prozent HIV-positiv. Sie wurden medizinisch betreut und erhielten Nevirapine für sich und ihr Kind. Insgesamt wurden bisher über 75 Mutter/Kind-Paare behandelt. Zu Beginn war die Akzeptanz der HIV-Testung in der Bevölkerung nicht sehr hoch, und es gab viele kritische Stimmen. Inzwischen ist das Testen der schwangeren Frauen zur Routine geworden, und der HIV-Test wird zusammen mit dem Syphilis-Test durchgeführt. Ngaoubela hat sich zum Referenzspital der Region entwickelt. Geplant ist eine Projekterweiterung auf zwei weitere Spitäler in der Gegend.

Weshalb lassen nur rund 50 Prozent der Frauen, die zur Schwangerschaftsvorsorge kommen, den HIV-Test zu? Ein Erklärungsversuch war der Preis des Tests, weshalb dieser seit April 2002 viel billiger angeboten wird. Das Duo-Pack HIV/Syphilis-Test kostet jetzt 1100 CFA (CHF 2.75) – vorher kostete der Syphilis-Test 1100 CFA und der HIV-Test 1000 CFA. Trotz dieser Verbilligung hat sich wenig an der Akzeptanz der HIV-Tests geändert. Zur Zeit machen etwas mehr als die Hälfte der Frauen den Test. Gründe dafür können die Angst vor dem Ergebnis sein, aber auch die Angst vor einer Stigmatisierung in der Bevölkerung, falls das Ergebnis bekannt wird. Diesbezüglich wird nun besonderen Wert auf eine gute Aufklärung vor dem Test (Chancen und Nutzen der Testung) und auf eine absolute Diskretion (insbesondere von Seiten des Labors) gelegt.

Eine erste Durchsicht der gewonnenen Daten von über 1167 Frauen zeigt erstaunliche Resultate. Es gibt riesige Unterschiede in der Test-Akzeptanz und in der HIV-Prävalenz zwischen den verschiedenen Ethnien. Bei den Bororo (333 Frauen), die Nomaden sind und von der Viehzucht leben, machten 64 Prozent der Frauen den Test, davon waren weniger als 1 Prozent HIV-positiv. Bei den Gbaya (279 Frauen) machten 44 Prozent den HIV-Test, davon waren 11 Prozent HIV-positiv! Ähnliche Unterschiede werden im Vergleich zwischen Dörfern gefunden: Im abgelegenen Dorf Bantai war von den 39 getesteten Frauen keine einzige HIV-positiv; im Dorf Meng, einem bekannten Übernachtungspunkt für Lastwagenfahrer, waren von 21 Frauen 6 (29 Prozent) HIV-positiv. Aufgrund dieser Ergebnisse richten sich die HIV-Präventionsmassnahmen von nun an noch gezielter auf die Risikogruppen.

Schweizerische Organisation(en)

AIDS & KIND. Schweizerische Stiftung für Direkthilfe an betroffene Kinder
Mitfinanzierung: Fondation H. Looser

Partnerorganisation(en)

Ngaoubela Hospital, Kamerun, Dr. med. Elisabeth Neier, Dr. med. P. Laoussou
Projektinitiator: Dr. med. Nicolas Regamey, Pädiater, Bern

Stichwörter

Prävention und Gesundheitsförderung
Behandlung und Pflege
Menschenrechte und Integration von Kranken in die Gemeinschaft

Land, Region

Kamerun, Ngaoubela, Adamaoua Plateau

Zeitraum

April 2000 – bis Ende 2003

Kontakt

AIDS & KIND, Seefeldstrasse 219, 8008 Zürich, Tel. 01 422 57 57
info@aidsundkind.ch, www.aidsundkind.ch

Publikationen

Castetbon, K., et al., [Preventing the transmission of HIV-1 from mother to child in Africa in the year 2000]. Sante, 2000. 10(2): p. 103-13

Dabis, F., et al., Prevention of mother-to-child transmission of HIV in developing countries: recommendations for practice. The Ghent International Working Group on Mother-To-Child Transmission of HIV. Health Policy Plan, 2000. 15(1): p. 34-42.

Marseille, E., et al., Cost effectiveness of single-dose nevirapine regimen for mothers and babies to decrease vertical HIV-1 transmission in sub-Saharan Africa. Lancet, 1999. 354(9181): p. 803-9