Bethlehem Mission Immensee: Engagement für Gesundheitsprojekte in Afrika

Das Leben ist einfach nur hart

Von Elisabeth Gebistorf Käch / COMUNDO

Die neue MMS-Mitgliedorganisation Bethlehem Mission Immensee (BMI) vermittelt Fachpersonen, die ihr Know-how drei Jahre lang ohne Entlöhnung in Projekte in Lateinamerika, Afrika und Asien einbringen. Partnerorganisationen der BMI in 11 verschiedenen Ländern profitieren davon. Insbesondere in Sambia, Kenia und Simbabwe sind Gesundheits-Fachleute tätig.

Fünf engagierte Fachfrauen arbeiten derzeit im Auftrag der BMI in afrikanischen Gesundheitsprojekten: Regina Jesse, Fachfrau für Palliative Pflege, begleitet im sambischen Kabwe todkranke Menschen. Gemeinsam mit Freiwilligen des Home Based Care-Teams – vergleichbar mit unserer Spitex – fährt sie in die Dörfer, ermutigt Menschen, die mit dem HI-Virus leben, pflegt und begleitet sie und ihre Angehörigen. Auch Renate Gisler engagiert sich für die Home Based Care (HBC) in Sambia: Die Pflegefachfrau Onkologie koordiniert die HBC für HIV- und Aids-Patienten in Moomba. Christine Seelhofer, auch sie Pflegefachfrau, unterstützt im St. Luke Mission Hospital in Mpanshya, Sambia, ein Team, das unterernährte Kinder systematisch erfasst und behandelt. Zudem koordiniert und vernetzt sie regionale Dienstleister im Ernährungsbereich. Am Silveira Hospital in Simbabwe ist die Homöopathin Yvonne Heinzer tätig: In Absprache mit Ärzten der klassischen Schulmedizin behandelt sie Kranke homöopathisch und baut eine Sprechstunde dafür auf.

Ein harter aber wirkungsvoller Alltag

Katrin Heeskens schliesslich ist Pflegefachfrau und Gesundheitswissenschaftlerin. Seit bald drei Jahren arbeitet sie beim Apostolischen Vikariat Isiolo in Kenia, einer der BMI-Partnerorganisationen. Sie koordiniert die diözesanen Gesundheitseinrichtungen und besucht dazu regelmässig entlegene Aussenstationen. Katrin Heeskens arbeitet mit staatlichen und kirchlichen Organisationen zusammen und vernetzt sie – ein wirkungsvoller Ansatz, der wesentlich zur Verbesserung der gesamten Infrastruktur in Isiolo beiträgt.

Katrin Heeskens erzählt: «Isiolo liegt im Norden Kenias, ein paar Autostunden von Nairobi entfernt. Fährt man von Isiolo aus nochmals 1,5 Stunden weiter, ticken die Welt, die Zeit und die Traditionen noch anders als in unserem Alltag». Eben ist sie von einem aufwühlenden Besuch aus Donyo Lengala, einem kleinen Dorf im Samburu-Land, zurückgekehrt. Donyo Lengala ist vom Team des Gesundheitspostens bisher noch nicht besucht worden. Sie erzählt weiter: «Kürzlich kontaktierte mich Alex Rukunga, der frühere Lehrer unserer Tochter. Er bat mich um Unterstützung für die Bevölkerung, da eine medizinische Grundversorgung und Impfungen fehlen und vor allem Frauen Informationen zum Thema Gesundheit benötigten.»

181 Kranke an einem Tag behandelt

Als die mobile Klinik in Donyo Lengala vorfuhr, nutzten viele Menschen die Gelegenheit für eine Gesundheitsberatung. «Ihr Gesundheitszustand war oft sehr schlecht. Wir waren ein Team von 5 Personen, 181 Kranke sahen und behandelten wir an diesem einen Tag», fährt Katrin Heeskens fort. «Die Samburu-Familien sind gross mit vielen vielen kleinen Kindern. Es gibt keinen Zugang zur Familienplanung. Krankheiten und Dürre, doch auch viele tödlich verlaufende Geburtskomplikationen sind an der Tagesordnung. Mein Job während den Klinikstunden war das Wiegen und Messen des Ernährungszustandes anhand «MUAC»: Bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren messen wir den Oberarmumfang, so finden wir heraus, welche Kinder die Nahrung am dringendsten benötigen. Während dieser Arbeit konnte ich einige Gespräche führen, denn der Haupt Chief – er hat 3 Frauen und 12 Kinder – spricht als Einziger Kiswahili, das der Lehrer Alex Rukunga für mich übersetzte. Nach und nach wurde unser Gespräch immer offener. Wir tauschten uns auch länger über die weibliche Genitalbeschneidung aus, die hier immer noch gang und gäbe ist. – Abends, als wir nach 13 Stunden Arbeit wieder zuhause ankamen, waren wir alle todmüde!»

Einfachste Verhältnisse

Alex Rukunga war von der Regierung für drei Jahre in dieses Dorf versetzt worden und sah sich mit einfachsten Verhältnissen konfrontiert. Er selber schläft und wohnt im Raum neben dem Klassenzimmer auf dem Boden, Wasser muss 8 km entfernt geholt werden. Die Kinder bringen morgens Wasserkanister in die Schule mit, damit ihre zwei Lehrer Wasser haben und die Schulköche den Mais für ungefähr 100 Schülerinnen und Schüler kochen können.

Kommunizieren kann der Lehrer in Donyo Lengala nur mit Händen und Füssen: Kaum jemand spricht die Amtssprache Kiswahili, geschweige denn Englisch. Alex Rukunga spricht diese beiden Sprachen. Die meisten Menschen in Donyo Lengala jedoch verständigen sich in Kisamburu, einer eigenständigen Sprache ohne Bezug zur Amtssprache.

Der Besuch in Donyo Lengala hat Katrin Heeskens sehr betroffen gemacht: «Das Leben im Samburu-Land ist einfach nur hart, vor allem für die Frauen und Kinder. Es ist trocken, trocken und nochmals trocken. Als einzige Hütte steht seit erst zwei Jahren die Schule. Die mangelnden Sprachkenntnisse der Leute sind ein unüberwindliches Hindernis bei ihrer Suche nach bezahlter Arbeit. Vom übrig gebliebenen Vieh – bei der Dürre 2009 sind fast alle Tiere umgekommen – können sie kaum leben. Sie überleben vor allem durch die Nahrungsmittelhilfe der Regierung: Maiskörner und rote Bohnen. Seit Monaten sind aber keine Bohnen (die das benötigte Eiweiss enthalten) mehr da und so werden ein Mal täglich gekochte Maiskörner gegessen. Nichts Frisches in Sicht, kaum Milch und Fleisch. Die Auswirkungen der Dürre 2009 sind noch deutlich spürbar und es scheint, dass der Norden Kenias auf die grösste Katastrophe seit 60 Jahren zusteuert.

Weltweit tätig

Die Bethlehem Mission Immensee mit Sitz in Immensee SZ engagiert sich weltweit für Benachteiligte. Sie setzt dabei auf eine soziale und nachhaltige Entwicklung. Fachpersonen arbeiten partnerschaftlich mit den Menschen in den Einsatzgebieten zusammen, leben an ihrer Seite und pflegen interkulturellen Austausch im Alltag.

Mehr als 75 freiwillige Fachpersonen sind in Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens in der Pastoral-, Bildungs- und Entwicklungsarbeit tätig. Schwerpunktländer sind Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Sambia, Simbabwe, Kenia, Taiwan und die Philippinen.

Durch Bildungs- und Informationsarbeit in der Schweiz regt die Bethlehem Mission Immensee zu solidarischem Denken und Handeln an. Sie ist Trägerin des Bildungszentrums RomeroHaus in Luzern und Herausgeberin der Zeitschrift «WENDEKREIS».

Bethlehem Mission Immensee, Bethlehemweg 10, Postfach 62, CH-6405 Immensee
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