Editorial

Von Martin Leschhorn Strebel & Manfred Stoermer / Medicus Mundi Schweiz / Schweizerisches Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH)

 

Manfred Stoermer (Swiss TPH), Martin Leschhorn Strebel (Netzwerk Medicus Mundi Schweiz)

Einer der zentralen Fragen in der globalen Gesundheitspolitik ist, wie können die einzelnen Staaten ihr Gesundheitssystem langfristig finanzieren. Dazu hat die WHO im vergangenen Jahr den Weltgesundheitsbericht publiziert mit dem Titel “Die Finanzierung von Gesundheitssystemen: der Weg zur universellen Absicherung“.

Mit dieser Ausgabe des Bulletins, welches das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) herausgibt, wollen wir die Diskussion mit wissenschaftlichen Analysen und Erfahrungen aus der Praxis vertiefen. Die Texte sind aus dem diesjährigen Frühjahrssymposium des Swiss TPH hervorgegangen.

Dabei stellen wir Finanzierungsmechanismen in den Fordergrund, die auf Versicherungssystemen basieren. Der Auf- beziehungsweise Umbau von bestehenden Systemen erweist sich als eine Herausforderung. Es gibt keine für alle Situationen passende „Patentlösung“ .Immer muss ein Finanzierungssystem gefunden werden, das auf der einen Seite das Bedürfnis der Bevölkerung nach bezahlbarem Zugang zu Gesundheitsdiensten vertritt, gleichzeitig aber auch genügend Mittel bereitstellt um eine qualitativ anspruchsvolle Versorgung zu ermöglichen. Politischer Wille, Beteiligung der Bevölkerung, und die Entwicklung von Konzepten, die sowohl Innovation beinhalten als auch aus Erfahrungen lernen, scheinen erfolgversprechende Wege.

Ein Problem, das an der Tagung des Swiss TPH immer wieder zur Sprache gekommen ist, besteht darin, die wirtschaftlich schwächsten Bevölkerungskreise zu erreichen . Hierzu wird auch künftig politischer Wille und ein hoher Grad an Sensibilisierung der Akteure notwendig sein. Denn, das hat der Weltgesundheitsbericht deutlich gezeigt, Krankheit führt in Entwicklungsländern zu Armut. Ohne nachhaltige Finanzierungssysteme verschulden sich Patienten – oft gleich auf die kommende Generation hinaus. Dies bremst letztlich auch die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft.

Selbstverständlich stellt die Finanzierungsfrage nur ein Element dar in der Sicherung eines Gesundheitssystems. Und trotzdem: Es ist ein sehr zentrales Element, in das es sich zu investieren lohnt.

*Manfred Stoermer, M.A. Public Policy and Management, is Head of the Health Systems and Economics Unit of the Swiss Centre for International Health, a department of the Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH). He was the coordinator of the Swiss TPH Spring Symposium 2011. Contact: manfred.stoermer@unibas.ch

* Martin Leschhorn Strebel
Redaktor des Bulletins und Geschäftsleitungsmitglied des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz. Kontakt: mleschhorn@medicusmundi.ch