Austausch und Vernetzung

Implementation Research als neues Handlungsfeld

Von Martin Leschhorn Strebel

Innerhalb des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz sind die Aktivitäten für die Stärkung des Austausches und der Vernetzung zwischen den Mitgliedorganisationen schon immer ein Schwerpunkt gewesen. Dabei geht es immer auch ums gemeinsame Lernen, das künftig mit der Implementation Research auf eine neue Grundlage gestellt werden soll.

Implementation Research als neues Handlungsfeld

MMS Side Event an der ECTMIH im September 2015 zum Thema Implementation Research. (Foto: © MMS)

 

Ein zentrales Anliegen der Mitgliedorganisationen von Medicus Mundi Schweiz besteht darin, durch den Austausch und die Vernetzung innerhalb des Netzwerks ihre eigene Arbeit zu verbessern. Diese Aufgabe nehmen wir dadurch wahr, dass wir verschiedene Austauschforen zur Verfügung stellen wie Meeting Points, Round Tables, Workshops und Konferenzen. In allen Foren können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Ansätze und Methoden der Gesundheitszusammenarbeit kennenlernen und sich kritisch damit auseinandersetzen.

2015 hat nun eine Arbeitsgruppe auf Initiative von zwei Mitgliedorganisationen damit begonnen, sich vertieft damit auseinanderzusetzen, wie die in der eigenen Arbeit gewonnen Daten und Erfahrungen verstärkt auf wissenschaftlicher Grundlage genutzt werden können. Verschiedene Organisationen haben diesbezüglich auch schon konkrete Schritte unternommen, um hier voranzukommen. Sie gehen etwa Forschungspartnerschaften mit Universitäten und Hochschulen ein oder führen eigene Studien durch, die sie dann in Fachpublikationen publizieren.

Dieser Ansatz die eigene Arbeit wissenschaftlich zu begleiten, um damit die Wirkung von Projekten und Programmen besser zu verstehen, daraus zu lernen und fundierte Entscheide für die Weiterentwicklung von Programmen und Projekten treffen zu können, bezeichnet man als Implementation Research.

Politische Dimensionen

Im Berichtsjahr hat sich gezeigt, dass das Interesse an diesem Ansatz bei den Mitgliedorganisationen hoch ist. An einem Side Event im Rahmen des in Basel stattgefundenen European Conference on Tropical Medicine and International Health präsentierte MMS verschiedene Erfahrungen und diskutierte die Herausforderungen aus NGO-Sicht. (s. Kasten)

Um Implementation Research von Nichtregierungsorganisationen zu stärken, ist die Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen sicher wichtig. Die Perspektiven wie auch die Interessen an der Untersuchung eines Projektes sind allerdings oft nicht dieselben. Die in dieser Sache engagierten Mitgliedorganisationen rufen deshalb nach einer „NGO-driven“ Implementation Research. Um an die Position des Steuerknüppels zu gelangen, müssen organisationsseitige einige Voraussetzungen erfüllt sein: Die Organisation muss selbst das notwendige Wissen aufbauen, und es muss die notwendigen finanziellen und personellen Kapazitäten zur Verfügung stellen können.

Was insgesamt technisch tönt, hat eine eminent politische Note. Die in der Arbeitsgruppe engagierten Organisationen stellen ganz grundsätzliche Fragen: Für wen machen wir eigentlich Implementation Research? Für unsere Geldgeber? Mitnichten: Implementation Research muss den Menschen dienen, die auf eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung angewiesen sind. Und Implementation Research muss dem Wandel in der Entwicklungszusammenarbeit dienen. In einem gemeinsamen Diskussionspapier halten sie fest: „Wir wollen eine Forschung die eine Wirkung hat: Wir verändern Gesundheitsdeterminanten und Gesellschaften durch eine durch die Menschen selbst bestimmte Implementation Research.“

 

Swiss Health NGOs for Implementation Research

Am 9. September hat das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz in Zusammenarbeit mit FAIRMED, dem Schweizerischen Roten Kreuz und SolidarMed einen Side Event am European Conference on Tropical Medicine and International Health durchgeführt. Rund 70 Personen haben den Anlass besucht. Referate und Hintergründe haben wir im MMS Bulletin im November 2015 publiziert.
http://www.medicusmundi.ch/de/bulletin/mms-bulletin/implementation-research-the-way-forward

 

Austausch und Vernetzung: Schwerpunkte 2015-2016

  • Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit waren Schwerpunkte des fachlichen Austausches und die Zukunft der Gesundheit in der internationalen Zusammenarbeit stand im Zentrum des fachlichen Austausches.
  • Das MMS Symposium erprobte neue Formen und verstärkte die Orientierung auf konkrete Outputs.
  • Eine Übersichtsstudie zu menschenrechtsbasierte Ansätze in der sexuellen und reproduktiven Gesundheit wurde in Angriff genommen (Fertigstellung bis 30.6.2016).
  • Implementation Research als neues Handlungsfeld um evidenzbasierte Projek- und Programmentwicklung umsetzen zu können

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Martin Leschhorn Strebel

Martin Leschhorn Strebel ist Geschäftsführer des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz.