Entwicklung der neuen MMS Strategie

Gesundheit für alle mit einer solidarischen Schweiz

Von Martin Leschhorn Strebel

2016 hat das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz eine neue Strategie erarbeitet – mit durchaus bemerkenswertem Ergebnis. MMS Geschäftsführer Martin Leschhorn blickt auf den Prozess und dessen Ergebnissen zurück.

Gesundheit für alle mit einer solidarischen Schweiz

VertreterInnen von MMS Mitgliedsorganisationen entwickeln die Grundlagen der neuen Strategie (Photo: MMS)

 

Ehrlich gesagt war ich ziemlich von unserer per Ende 2016 auslaufenden Strategie überzeugt. Ich bin davon ausgegangen, dass der Strategieprozess sanft von statten gehen und mit einer leicht aktualisierten Strategie enden würde. Ganz offensichtlich habe ich die Dynamik des Prozesses unterschätzt, der mit der Vielfalt unserer 50 Mitgliedsorganisationen zusammenhängt. Und ich habe unterschätzt, dass sich diese Organisationen mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert sehen, welche die Entwicklung der gemeinsamen Strategie beeinflussen würde.

Der Strategieentwicklungsprozess

Der MMS-Vorstand hat in einer frühen Phase entschieden, dass die Entwicklung der neuen Strategie unter starkem Einbezug der Mitgliederorganisationen erfolgen sollte. Darauf basierend haben wir den ganzen Prozess mit einem für alle Mitgliedorganisationen offen stehenden Workshop eingeleitet, an dem die Herausforderungen skizziert wurden, auf welche die Strategie zu reagieren hatte. Am Tag darauf hat der Vorstand im Rahmen einer Retraite die Schlüsselkomponenten der neuen Strategie festgelegt. Im Frühjahr 2016 verabschiedete der Vorstand eine erste Version der Strategie, die bei den Mitgliedern in die Vernehmlassung gegeben wurde. Dies führte zu einer überarbeiteten Version, welche finalisiert und von den Mitgliedern an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung im September 2016 verabschiedet wurde.

Isolationistische Politik

Die nahe Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedorganisationen in der Entwicklung der Strategie, hat dazu beigetragen, ein Dokument zu entwickeln, das auf die Herausforderungen und die Erwartungen der Mitgliedorganisationen gegenüber dem Netzwerk eingehen konnte. Während des Workshops haben die Mitgliedorganisationen sehr stark auf das sich verändernde politische Umfeld hier in der Schweiz hingewiesen. Dieses ist geprägt durch einen starken isolationistischen Trend, der ökonomische Eigeninteressen in das Herz der Schweizer Aussenpolitik setzt. Der Wert eines solidarischen und kosmopolitischen Landes rückt demgegenüber immer stärker in den Hintergrund. Leider ist das auch ein internationaler Trend, der aber die Arbeit sowohl der NGOs wie auch der akademischen Institutionen erschwert, die in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätig sind.

Neben diesem politischen Trend haben die Mitgliedsorganisationen auf weitere Faktoren der Veränderung hingewiesen: Auf der globalen Ebene ist mit der UN-Agenda 2030 (SDGs) ein neuer Referenzrahmen entstanden. Damit bahnt sich ein paradigmatischer Wechsel von einem klassischen Hilfsmodell in der internationalen Zusammenarbeit zu einem partnerschaftlichen Modell an, in welchem alle Regierungen weltweit die gleiche Verantwortlichkeit für eine nachhaltige Entwicklung der Welt teilen.

Sich veränderndes Umfeld

Wie reagiert nun die Strategie 2017-2019 darauf? Die Mitgliedorganisationen sind zum Ergebnis gekommen, dass es ganz zentral ist, die eigene Arbeit gemeinsam stärker und selbstkritisch zu reflektieren. Wir wollen erfahrungs- und wissensbasiert definieren, wie wir vorwärts, in die neue Phase der internationalen Zusammenarbeit schreiten. Wir wollen unsere Arbeit nicht gegenüber isolationalistischen und populistischen Kreisen legitimieren, aber sehr wohl gegenüber unseren Partnern weltweit. Wir wollen unsere Methoden und unsere Instrumente mit anderen teilen und debattieren, um die Welt in umfassendem Sinne gesünder zu machen. Und wir wollen unsere Erfahrungen auch selbstkritisch auswerten.

Ausgehend von diesen Reflexionen hat MMS in seiner Strategie ein neues Ziel verabschiedet: „MMS fördert das gemeinsame Lernen seiner Mitgliedsorganisationen, indem es den Rahmen zur kritischen Reflexion der Arbeit der Mitgliedsorganisationen und die Wissensgrundlagen zur internationalen Gesundheitszusammenarbeit schafft.“ (MMS Strategie, Ziel 2)

Auf diesem Ziel basierend wird MMS Lernprozesse zu Themen koordinieren, welche seine Mitgliedsorganisationen definieren. Einige von ihnen arbeiten in der MMS Plattform zu Implementation Research zusammen, um die eigene Arbeit noch besser auswerten zu können und um sich für eine Forschung zu engagieren, welche die Gesundheitsbedingungen weltweit verbessert.

Wirkung der Strategie

Durch die Umsetzung der Strategie wollen wir uns zur unverzichtbaren Community of Practice für Schweizer Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit entwickelt haben und in einer breiteren Öffentlichkeit wie auch bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern als engagiertes, sachkundiges und wirkungsvolles Netzwerk anerkannt sein.

Politischere Vision der neuen Strategie

Für MMS ist das nach wie vor ganz zentral, denn wir engagieren uns weiterhin für eine solidarische Schweiz, welche ihre Verantwortung für unseren Planeten wahrnimmt. Genau dies ist in der gegenüber der vorgängigen um einiges politischeren Vision der neuen Strategie reflektiert, wenn es heisst, dass wir Gesundheit für alle weltweit und eine Schweiz wollen, die sich für dieses Recht engagiert. Dazu heisst es in der Strategie: „Wir wollen weltweit für alle Menschen Bedingungen, unter welchen Kinder gesund zur Welt kommen und aufwachsen, und unter welchen Erwachsene an der Gesellschaft teilhaben, einer nicht krank machenden Arbeit nachgehen und würdevoll altern können. Wir wollen eine Welt, in der alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu einer ihren Bedürfnissen entsprechenden, umfassenden, bezahlbaren und qualitativ guten Gesundheitsversorgung haben, ohne dass dabei jemand zurückgelassen wird. Und wir wollen eine Schweiz, die eine solidarische Vorreiterrolle für das Recht auf Gesundheit weltweit einnimmt.“ (MMS Strategie 2017-2019, Vision)

 

Gesundheit für alle weltweit mit einer für das Recht auf Gesundheit engagierten Schweiz
Die MMS Strategie 2017-2019 findet sich online.

Martin Leschhorn Strebel

Martin Leschhorn Strebel ist der Geschäftsführer des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz.