Counsellors Clubs in Uganda

"…voller positiver Botschaften"

Von Rao Satapati / CO-OPERAID

Prävention steht im Mittelpunkt der staatlichen HIV/Aidspolitik von Uganda. Die ugandische Regierung hat die Aidsproblematik sehr früh erkannt. Heute spricht das ganze Land offen über Aids, wobei die Medien grossen Einfluss ausüben. Eine aktive Rolle spielen auch die Jugendlichen. Counsellors Clubs sind ein gutes Beispiel für ihr Engagement.

In HIV/Aids-Fachkreisen steht die Aidspolitik von Uganda in der letzten Zeit immer wieder im Mittelpunkt der Diskussion – mal wegen dem ABC-Konzept, mal wegen dem Einfluss der USA, der grössten Geldgeberin der HIV/Aidsprogramme. Den Erfolg Ugandas bei der Aidsbekämpfung muss man anerkennen: Uganda ist das einzige Land in Afrika, in dem die HIV/Aids-Infektionsrate rückläufig ist. Gleichzeitig aber zählt Uganda zwei Millionen Aidswaisen, auch dies ein afrikanischer Rekord... Der scheinbare Widerspruch lässt sich auf den frühen Ausbruch der Krankheit anfangs der 80er Jahre zurückführen. Viele Erwachsene haben sich bereits damals mit dem HI-Virus infiziert und sind seither an Aids gestorben. Ihre Kinder bleiben als Waisen zurück. Dass heute viele Kranke einen besseren Zugang zu medizinischer Behandlung haben, vermag nichts daran zu ändern, dass die Zahl der Aidswaisen stetig zunimmt.

Die Prävention von HIV/Aids in Uganda richtet sich heute in erster Linie an die junge Bevölkerung. Bei einer Bevölkerungszahl von über 28 Millionen macht der Anteil der Altersgruppe von Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahre 50 Prozent aus. Darum ist es sehr wichtig, schwerpunktmässig mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Zu diesem Zweck hat die Regierung die “Presidential Initiative on Aids Strategy for Communicating to Young People (PIASCY)” entwickelt. Unter PIASCY gibt es ausführliche Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien für alle Primar- und Sekundarschulklassen.

Das Schweizer Hilfswerk CO-OPERAID ist bereits seit 1981 in Uganda engagiert. 1999 hat es ein Projekt lanciert, das ganz auf Aidswaisen ausgerichtet ist. Die Integration der Waisen in ihre Dorfgemeinschaft ist das Ziel des Projekts. Förderung der schulischen Bildung, Vermittlung von Berufskenntnissen, psychosoziale Beratung und Begleitung, Memory Books, ein Mikrokreditprogramm und die Unterstützung von Frauen- und Jugendgruppen sind Hauptaktivitäten innerhalb des Projekts. Über 40'000 aidsbetroffene Personen – Aidswaisen, ihre Familien oder Pflegefamilien, Menschen aus ihrer Dorfgemeinschaft in 23 Schulgemeinden in den Distrikten Rakai und Wakiso – konnten bisher von den Hilfsleistungen profitieren. Die Projektaktivitäten schliessen so genannte Counsellors Clubs ein. Sie wirken bei der Prävention von HIV/Aids aktiv mit.

Wissen, Beziehungen, Gefühle

Die Counsellors Club, die an den Primarschulen von Butiti, Kayayumbe, Bbaale Kanagisa und Nalubira eingerichtet wurden, wollen den Kindern dabei helfen, ein gutes und gesundes Gefühl für sich selber und gute und gesunde Beziehungen zu anderen Menschen zu entwickeln. Die Clubaktivitäten sollen den Kindern erlauben, sich gegenüber der HIV/Aidsproblematik zu öffnen, Wissen über HIV/Aids zu erwerben - Fakten, Stadien der Krankheit, Symptome, Übertragungsrisiken, Präventionsmassnahmen – und auch mit HIV/Aidspatienten umgehen zu können. Die Kinder sollen ermutigt werden, ihre Gefühle, ihre Ansichten und ihre Erlebnisse bezüglich HIV/Aids auszudrücken, sich einander zu öffnen und sich gegenseitig zu beraten. Sie werden dadurch weniger empfänglich für Verführung durch Erwachsene und sind besser in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen.

Die vier Clubs haben heute insgesamt rund 250 Mitglieder. An ihren Versammlungen und Beratungen nahmen im Jahr 2005 rund 1000 Kinder und Jugendliche teil. Die Aktivitäten sind für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren gedacht. Üblicherweise bleiben die Kinder drei Jahre im Counsellors Club.

„Ich habe meine Mitschüler/innen zu beraten gelernt. Nun, da ich die Primarschule beende, werde ich dem Schulleiter meiner neuen Sekundarschule vorschlagen, auch da einen Club zu gründen. Ich werde alle Mitschüler/innen auffordern, dem Club beizutreten, weil er voller positiver Botschaften für unsere eigene Gesundheit und auch die Gesundheit unserer Erzieher ist. (David Ssebunje, 15 Jahre)

Die Clubs erarbeiten kleine Theaterstücke, Rollenspiele und Lieder, um ihre Botschaft an Schulanlässen und an öffentlichen Veranstaltungen zu HIV/Aids an andere Kinder zu übermitteln: ihr Wissen über HIV/Aids, das sie aus Lehrmitteln sowie aus Materialien der “Presidential Initiative on Aids Strategy for Communicating to Young People“ beziehen, ebenso wie ihre Erlebnisse in ihrer Gemeinde. Aufführungen finden zweimal im Jahr innerhalb der Gemeinden und dreimal im Jahr an den Schulen statt.

“Der Club hat mir als Mädchen geholfen, frei über meine Ängste zu sprechen. Meine Erzieher haben das nicht getan, was uns als Mädchen Probleme verursachte. Ein Junge folgte mir immer, wenn ich Wasser holen ging. Das habe ich der Beraterin erzählt. Sie hat mir geraten, es meinem Erzieher zu sagen, was ich auch getan habe. Seither hat der Junge mich nie mehr belästigt.“ (Hadijah Nakanjako, 14 Jahre)

Die Lehrer ermutigen die Schulkinder, den Clubs beizutreten. Sie unterstützen die Clubs, indem sie ihre Mitglieder vom Unterricht dispensieren, wenn ein Treffen des Clubs stattfindet. An Schulen, in denen es keine Berater gibt, arbeiten Lehrer oder Gemeindevertreterinnen mit denselben Unterrichtsmitteln, die auch die Counsellors Clubs benutzen1.

Von CO-OPERAID erhalten die Clubs monatlich neue “Young Talk” und ”Straight Talk” Bulletins sowie weitere Literatur zu HIV/Aids. Ebenfalls stellt CO-OPERAID den Counsellors Clubs das nötige Büromaterial zur Verfügung, etwa Schreibmaterialien und visuelle Hilfsmittel. Das Rakai Aids Orphans Project (RAOP) fördert die Entwicklung des Programms und ebnet den Weg vorwärts.

Die Counsellors Clubs tragen sehr stark zur HIV-Prävention unter den Schüler/innen bei. In den Beratungen und Anlässen werden die Schüler/innen sehr bestimmt dazu aufgefordert, in der Schule zu bleiben, so dass die Quote der frühzeitigen Schulabgänger/innen stark zurückgegangen ist. Während den Vorführungen für die Gemeinde haben Leute Tränen vergossen – ein Zeichen, dass wirklich wunde Punkte berührt worden sind.

Die Aktivitäten der Counsellors Clubs ergänzen den schulischen Unterricht. Die Kinder und Jugendlichen sind sich der HIV/Aids-Ansteckungsgefahr bewusster geworden. Dank der Präventionskampagne der Regierung und der Arbeit der NGOs besteht die Hoffnung, dass die Infektionsrate in Uganda weiter sinken wird. Kinder und Jugendliche spielen dabei eine aktive Rolle.

*Rao Satapati ist Geschäftsführer von CO-OPERAID, einem von der ZEWO anerkannten Schweizer Hilfswerk, das sich für die Bildung und Berufsausbildung von Kindern, Jugendlichen, Behinderten und Frauen in den Ländern des Südens engagiert. CO-OPERAID ist ein Partner der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der Glückskette, arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen und stellt Schulen, Frauen- und Jugendgruppen sowie Dorfgemeinschaften die finanziellen Mittel für die Realisierung ihrer Projekte zur Verfügung. Kontakt: info@co-operaid.ch, www.co-operaid.ch