Tabakprävention bei Jugendlichen im Kanton Zürich

Rauchzeichen gegen den Tabakkonsum

Von Christian Schwendimann

Der Tabakkonsum Jugendlicher im Kanton Zürich entspricht in groben Zügen demjenigen der restlichen Schweiz. Laut neuesten Zahl des Bundesamtes für Statistik vom November 1998 rauchen 43 % der 15-24-Jährigen mindestens gelegentlich Zigaretten. Dies bedeutet, dass sich seit 1992 die Situation verschlechtert hat. Damals waren es erst 31%. Der nachstehende Beitrag wirft ein Schlaglicht auf Tabakkonsum und -prävention in der Schweiz.

Laut aktuellsten Umfrageergebnissen der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) vom Februar 1999 ist auch der Anteil der regelmässig rauchenden 15-Jährigen von unter 15% im Jahr 1986 auf über 25% im letzten Jahr angestiegen. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass die Mehrheit der Jugendlichen weiterhin nicht raucht. Dies ist auch wichtig für die generelle Strategie der Tabakprävention, die darauf zielt, die Nichtrauchenden in ihrer Haltung zu bestärken, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern oder hinauszuzögern sowie die Ausstiegswilligen in ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Im Kanton Zürich werden daraus folgende Schwerpunkte in Bezug auf die Zielgruppe der 11 - 20-Jährigen abgeleitet:

  • Bereitstellung von stufengerechten Unterrichtshilfsmitteln für die Volksschule
  • Situationsgemässe Interventionen an Berufsschulen und Gymnasien
  • Rauchstophilfe für entwöhnungswillige Jugendliche
  • Umsetzung von Kampagnen zur Verstärkung eines rauchfreien Lebensstils

Statt Drohfinger des Lehrers: "No smoke - more power"

Wissenschaftliche Studien zur Prävention und Gesundheitsförderung der letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass Drohfingerkonzepte kaum Wirkung haben, die solide Grundlageninformationen über Wirkung und Zusammenhänge von illegalen und legalen Suchtmitteln aber zur Basis jeder Präventionsarbeit gehören. Strukturelle Voraussetzung der Präventionsarbeit im Kanton Zürich ist die enge Zusammenarbeit von regional verankerten Suchtpräventionsstellen und spezialisierten Fachstellen. Die Suchtpräventionsstellen leisten in direkter Schularbeit oder bei der Ausbildung von Lehrkräften eine den neuesten Erkenntnissen entsprechende Grundlagenarbeit - persönlichkeitsbildende Massnahmen, Life-Skills-Entwicklung u.a. Aufgabe der Fachstellen wie Züri Rauchfrei ist es, fachspezifische Informationen und Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen.

Da die vorhandenen deutschsprachigen Lehrmittel zum Thema Rauchen nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprachen, hat sich Züri Rauchfrei vor zwei Jahren entschlossen, zusammen mit dem Pestalozzianum (der verantwortlichen Stelle der kantonalen Bildungsdirektion) sowie der Fachstelle für Tabakprävention im Kanton Aargau ein neues Unterrichtshilfsmittel für die Volksschule zu entwickeln.

Die Einheit enthält unter dem Titel "No Smoke - More Power" in einem Koffer alle nötigen Unterlagen und Hilfsmittel wie Folien, Broschüren, Arbeitsblätter, Video und eine Rauchmaschine zur Sichtbarmachung der verheerenden Wirkung des Teers in den Atemorganen, damit die Lehrperson innerhalb dreier Doppelstunden das Thema behandeln kann.

Die Einführung dieses Unterrichtshilfsmittels verlief erfolgreich. Die Exemplare der Pilotphase waren so rasch vergriffen, dass wir planen, eine zweite Auflage durch einen grossen Verlag herausgeben zu lassen.

Rauchzeichen an den Berufsschulen

Eine Anforderung an Präventionsmassnahmen ist, dass sie nicht nur einmal stattfinden, sondern im Verlauf der Entwicklung eines jeden jungen Menschen situations- und stufengerecht immer wieder erfolgen müssen. Es ist deshalb naheliegend, nach der Schule auch denjenigen Zeitpunkt zu berücksichtigen, wo Jugendliche aus der Welt der Schule in die Welt der Arbeit und der Erwachsenen übertreten.

In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Suchtprävention Berufsbildung hat Züri Rauchfrei im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt unter dem Titel "(Nicht-)Rauchen an Berufsschulen" gestartet. Die Absicht ist es, die Jugendlichen kurz nach dem Übertritt an eine Berufsschule mittels einer halbtägigen Veranstaltung erneut mit dem Thema Rauchen zu konfrontieren. Das Thema soll dann sporadisch bis zum Ende der Lehrzeit in den verschiedenen Fächern behandelt werden. Jeweils zum Tag des Nichtrauchens, dem 31. Mai, wird der Aspekt des Rauchstops in den Vordergrund gerückt.

Die halbtägige Veranstaltung steht unter dem Titel "Rauchzeichen". Im Zentrum steht die unmittelbare Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Rauchen. Mit Hilfe neuester Technik - CO-Messgerät, Thermobildkamera - werden die unmittelbaren physiologischen Beeinträchtigungen beim Rauchen bewusst und nachvollziehbar zu machen. Die zentrale Botschaft: jede gerauchte Zigarette hat hier und jetzt nachteilige und negative Auswirkungen.

"Smoke free" - Ausstiegshilfen für Jugendliche

Grundsätzlich ist in jungen Jahren die Bereitschaft, mit einer eben begonnenen Gewohnheit wieder aufzuhören, eher klein. Dennoch gaben rund 30% der täglich rauchenden Jugendlichen an, bereits einmal versucht zu haben, mit Rauchen aufzuhören. Die meisten schaffen dieses Vorhaben aber nicht mehr.

Die Aufgabe ist also gestellt: In welcher Form kann man Jugendliche bei einem Rauchstop unterstützen? In bewährter Zusammenarbeit verschiedener Fachstellen für Tabakprävention, diesmal unter der Federführung der Fachstelle Tabak und Gesundheit in Bern, wurde vor vier Jahren ein Angebot entwickelt, das nach dem Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert wurde.

Im Kanton Zürich wird diese Rauchstophilfe unter dem Namen "Smoke free" angeboten und in diesem Jahr im Hinblick auf den kommenden Tag des Nichtrauchens vom 31. Mai in grossem Stil an den kantonalen Berufsschulen vorgestellt. Das Angebot sieht vor, das sich einzelne oder eine kleine Gruppe von Aufhörwilligen bei der Fachstelle melden. Eine ausgebildete Betreuungsperson der Fachstelle verabredet sich mit den Jugendlichen zu einem ersten Treffen, ab dem die Problematik besprochen und eine Strategie mit einem Zeitpunkt für den Rauchstop entwickelt wird. Nach einem Monat trifft sich die Gruppe erneut, um über die gemachten Erfahrungen zu sprechen. Einen weiteren Monat später werden die Fortschritte oder die aufgetretenen Schwierigkeiten nochmals besprochen. Die Betreuungsperson steht auch zwischendurch für telefonische Ratschläge zur Verfügung. Eine Belohnung und kleinere Mitbringsel wirken zusätzlich motivierend. Die Teilnahmekosten betragen lediglich 15 Franken pro Person. Das Angebot ist im Kanton Zürich aus Mitteln des Alkoholzehntels finanziert.

"Die neue Lust am Nichtrauchen"

Die unmittelbare Arbeit mit den Jugendlichen selber muss von einer massenmedialen Kampagne begleitet sein. Sinnvollerweise geschieht dies auf nationaler Ebene, da die Kantonsgrenzen für Massenmedien keine Relevanz haben. In diesem Bereich ist der Dachverband der Tabakpräventionsfachstellen, die "Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention (AT)" seit einigen Jahren erfolgreich tätig. Die Kampagne "Die neue Lust Nichtrauchen" versucht, mit einem im Vergleich zur Werbung der Tabakindustrie verschwindend kleinen Budget mittels Kinospots, Sponsoring, Standaktionen, Printerzeugnissen u.a. die Botschaft für einen rauchfreien Lebensstil zu vermitteln. Zwei Drittel der 13-19-Jährigen kennen die Kampagne, und mit 62% ist die Akzeptanz dieser Kampagne bei den Jugendlichen hoch.

*Christian Schwendimann ist Geschäftsführer von Züri Rauchfrei. Die Aufgaben der kantonalen Fachstelle "Züri Rauchfrei" gehen über die oben skizzierten Tätigkeitsbereiche hinaus. Insbesondere auch im Bereich Arbeit und Betrieb steht ein umfangreiches Beratungsangebot zur Verfügung. Adresse: Zähringerstrasse 32, 8001 Zürich, Tel 01/262 69 66, Fax 01/ 262 69 67, E-Mail: zurismokefree@swissonline.ch , Internet: www.zurismokefree.ch