Neues Netzwerkmitglied im Porträt: Save the Children – für Kinder

Das Recht aller Kinder auf Überleben und Gesundheit

Von Martina Frank & Karin Frei Sawaneh

Jedes Jahr sterben mehr als sechs Millionen Kinder an Ursachen, die durch einfache Massnahmen vermieden werden könnten. Als grösste unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt und eine der global führenden Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Kindergesundheit arbeitet Save the Children daran, bezahlbare und gute medizinische Versorgung für alle verfügbar zu machen, die Qualität der Gesundheitsdienste zu steigern und das Bewusstsein für Gesundheit und Hygiene zu fördern.

Das Recht aller Kinder auf Überleben und Gesundheit

Khin May Thwe, 33, mit ihren drei Kindern, Pauk Taw Township, Rakhine State, Myanmar. In einem Projekt von Save the Children erhält Khin May Thwe medizinische Unterstützung für sich und ihre Kinder sowie wichtige Informationen rund um die Themen Stillen und Ernährung. (© Lynette Lim/Save the Children)

 

Unsere Programmarbeit basiert auf der von uns vertretenen «Theory of Change»: In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und mit innovativen Ansätzen erreichen wir schwache und schwer zugängliche Gemeinschaften, geben Kindern eine Stimme und weisen gegenüber Regierungen und anderen Akteuren nach, dass unsere Massnahmen auf international anerkannten Verfahren basieren und eine grosse Reichweite haben.  

Aktuell setzt Save the Children Schweiz mehrjährige Gesundheitsprogramme in Albanien, Armenien, Kosovo, Mali, Myanmar und Tadschikistan um.

Funktionierende lokale Gesundheitssysteme

Die Stärkung der gemeindebasierten Gesundheitssysteme – die Förderung der aktiven Partizipation der Bevölkerung in der Gesundheitsversorgung und die Kapazitätsbildung des Gesundheitspersonals, vor allem in abgelegenen Regionen – ist einer der Schwerpunkte unserer Arbeit.

In Myanmar verbessern wir den Zugang zur Gesundheitsversorgung für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Aufgrund jahrelangen Bürgerkriegs und Diskriminierung haben ethnische Minderheiten geringen oder keinen Zugang zu staatlicher Gesundheitsversorgung. Es entwickelten sich daher parallele Gesundheitssysteme – Institutionen, die vom Staat unterstützt werden, und Organisationen, die von ethnischen Gruppen aufgebaut und geleitet werden. Mit dem von der DEZA finanzierten Projekt wird die Zusammenarbeit von staatlichen und ethnischen Gesundheitssystemen gefördert und die medizinische Grundversorgung verbessert. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Aufbau eines funktionierenden Pflegekontinuums gelegt, vor allem im Bereich der Mutter-Kind-Versorgung. Durch Aus- und Weiterbildung lokaler Gesundheitshelfer und traditioneller Hebammen, die Anwendung standardisierter Behandlungsmethoden für die häufigsten Krankheiten und ein einfaches Kredit- und Transportsystem für Notfallüberweisungen in Spitäler wird die Kinder- und Mütter-Gesundheit verbessert und die Kindersterblichkeit gesenkt.

In Tadschikistan setzen wir im Konsortium mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut ein DEZA-finanziertes Projekt zur Unterstützung einer laufenden Gesundheitsreform um. Eine der grössten Herausforderungen in diesem sehr armen Land ist, die Qualität der Basisgesundheitsversorgung zu stärken – der Staat investiert vor allem im urbanen Raum in die sekundäre und tertiäre Versorgung in Spitälern. Zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten optimieren wir die Planungs- und Managementfähigkeiten der lokalen Einrichtungen und investieren in die medizinische Infrastruktur mit dem Ziel, dass Gesundheitsdienste autonom und kosteneffizient funktionieren. Im Zentrum steht die Familienmedizin. Durch Sensibilisierung für Gesundheitsfragen und Stärkung der Selbstbestimmung, insbesondere der Frauen, wird das Gesundheitsbewusstsein in diesen Regionen gefördert. Die Förderung der aktiven Partizipation der Bevölkerung in der Planung und Evaluation der Gesundheitsdienstleistungen ist eine Schlüsselaktivität des Projektes. Das Projekt zielt daher nicht nur auf eine unmittelbare Verbesserung der primären Gesundheitsversorgung in den einzelnen Distrikten ab, sondern macht die Fortschritte auch auf übergeordneter, nationaler und internationaler Ebene zugänglich und reproduzierbar.

Daw Htay Htay, 28, zeigt ihrem Sohn Mg Min Khant Kyaw, zweijährig, wie man sich die Hände wäscht. (© Lynette Lim/Save the Children)

 

Zugang zu qualitativ guter Gesundheitsversorgung

Ebenfalls im Konsortium mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut und auch mit Terres des hommes in Albanien setzen wir uns in Kosovo und Albanien dafür ein, dass die primäre Gesundheitsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen qualitativ gut, zugänglich und erschwinglich ist. Ineffizienz, schlecht ausgebildetes Gesundheitspersonal und Korruption führen dazu, dass marginalisierte, von Armut betroffene und verletzliche Gruppen, zum Beispiel die Roma, Aschkali oder Egyptian, aber auch Mütter, Kinder und Menschen mit Behinderung, keine adäquate medizinische Versorgung erhalten. Zur Verbesserung der Situation werden die Gesundheitssysteme von zwei Seiten gestärkt: aufseiten der Bevölkerung, indem Sensibilisierungskampagnen rund um das Thema Gesundheitsförderung und Prävention durchgeführt werden, und aufseiten der Gesundheitsversorger, indem auf lokaler Ebene Personal aus- und weitergebildet und die Koordination zwischen lokalen und regionalen Behörden verbessert wird. Die Bewusstseinsbildung im Gesundheitsbereich fördert nicht nur die Prävention, sondern steigert auch die Forderung der Zivilbevölkerung nach verbesserter Grundversorgung und verstärkter Beteiligung an den Gesundheitsreformen. Zudem wird die Verantwortlichkeit der Behörden gegenüber der Bevölkerung verbessert.

Gesundheit und Bildung

Einen weiteren Fokus legen wir auf die Förderung einer gesunden Entwicklung und Bildung von Kindern.

In Mali arbeitet Save the Children mit Gesundheits- und Bildungsbehörden sowie mit Universitätspartnern zusammen in einem Forschungsprojekt, das den Einfluss saisonaler Malariaprävention in Kombination mit Nahrungsergänzungsstoffen auf die Gesundheit, Entwicklung und Lernfähigkeit von Kindern untersucht. In der Region Sikasso sind über 300 000 Kinder unter fünf Jahren an der Untersuchung beteiligt. Lokale Kindergärten, Vorschulen und lokale Frauengruppen sind für die Verteilung der Nahrungsergänzung und der Medikamente verantwortlich. Sie wurden von lokalen Save the Children Mitarbeitenden entsprechend geschult. Erste Resultate zeigen, dass die Zahl der Malariaerkrankungen seit Beginn der Abgabe der Malariaprävention stark zurückging. Für Aussagen zu Veränderungen der Lern- und Aufnahmefähigkeit der Kinder ist es allerdings noch zu früh.

In zwei unserer Projekte in Armenien und Albanien arbeiten wir zusammen mit Schulen und Kindergärten mit dem Ziel, ein für die Kinder altersgerechtes und gesundes Lernumfeld zu schaffen. Um das öffentliche Gesundheitsbewusstsein zu stärken, werden Lehrpersonen, Eltern, Schüler und Vertreter lokaler Behörden darüber informiert, wie gesundheitsfördernde Praktiken, persönliche Hygiene und gesunde Ernährung in den Alltag integriert werden können. Save the Children ermöglicht zudem auch den Ausbau der Infrastruktur: An Schulen werden Handwaschvorrichtungen installiert oder Turnhallen ausgebaut, um den Schulkindern sportliche Aktivitäten zu ermöglichen. Save the Children verfolgt stets einen inklusiven Ansatz – das heisst, dass auch Kinder mit Behinderungen ins Schulsystem integriert werden.

Martina Frank & Karin Frei Sawaneh

Martina Frank

Head Health Programmes,

Karin Frei Sawaneh

Mitarbeiterin Programme