Malaria

Zeit zum Handeln

Editorial

Von Marcel Tanner / Schweizerisches Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH)

Im August 1898, hat Sir Ronald Ross aufgezeigt, wie die Malariaparasiten von Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen werden. Seine Tagebücher, die diese bedeutende Entdeckung zusammenfassen, tragen den Titel "…the solution of the great malaria problem…". Noch immer warten die Menschen in den Endemiegebieten, gut die Hälfte der Weltbevölkerung, auf diese Lösung…

Jährlich werden noch immer zwischen 200 und 500 Millionen neue Krankheitsfälle gemeldet und 1-2 Millionen Menschen, vor allem Kinder, sterben an Malaria. Damit gehen jedes Jahr 37 Millionen gesunde Lebensjahre, wovon 90% allein in Afrika südlich der Sahara, verloren. Diese Last ist, so zeigen es neuere Analysen, massgeblich für das geringe Wirtschaftswachstum in Afrika verantwortlich. In Endemiegebieten sind gut 30-50% aller Kontakte mit dem Gesundheitssystem auf Malaria zurückzuführen, und ein afrikanischer Haushalt gibt monatlich zwischen 2 bis 40 US$ für die Prävention und Behandlung von Malaria aus. Die Lage, vor allem die der Ärmsten, hat sich in den letzten Jahren durch die ungünstigen demographischen, sozialpolitischen und ökonomischen Veränderungen, die wir weltweit beobachten, verschlechtert. Beispiele sind die instabilen Konfliktsituationen in Zentral- und West-Afrika, die das Funktionieren der noch bestehenden Gesundheitssysteme verunmöglichen und Tausende in die Flucht oder in temporäre Unterkünfte treiben.

Nach Jahren ungünstiger Entwicklungen dürfen wir heute berechtigterweise hoffen, dass der Kampf gegen die Malaria wirkungsvollere Dimensionen annimmt. Nicht nur haben die betroffenen Länder die Notwenigkeit des langfristigen Engagements erkannt, sondern die Weltgesundheitsorganisation hat mit dem Spezialprogramm der Generaldirektion, "Roll-Back-Malaria", einen wichtigen Schirm für konkrete Aktivitäten aller Beteiligten gebildet und hat damit bedeutende Gelder für die Forschung, Entwicklung und Umsetzung angezogen. Zudem werden neue Partnerschaften zwischen der Industrie und dem öffentlichen Sektor die Medikamentenentwicklung beleben. Wir verfügen derzeit über wirksame Strategien zur Malariabekämpfung. Diese Strategien, die die durch Malaria bedingte Morbidität und Mortalität bis zu 50% reduzieren können, sind kostengünstig und können selbst von knappen Gesundheitsbudgets getragen werden.

Weshalb soll sich nun Medicus Mundi auch noch der Malariabekämpfung annehmen? Medicus Mundi greift mit dieser Serie vielseitiger Beiträge, die alle auf konkreten Erfahrungen fussen, in die laufenden Diskussionen ein. Das Heft zeigt eindrücklich die verschiedenen Facetten, Problemfelder und Chancen der Malariabekämpfung. Medicus Mundi nimmt damit aber auch sein Mandat auf vortreffliche Weise wahr. Durch die mit diesem Heft und mit der Jahrestagung eingeleiteten Diskussionen wird die Plattform geschaffen, die verschiedenen Akteure - öffentliche Institutionen, NROs und private Initiativen – zu vernetzen, um gemeinsame oder komplementäre Aktionen zur Umsetzung der bestehenden Möglichkeiten der Malariabekämpfung zu stärken und voranzutreiben.

Das vorliegende Heft wird Sie nicht bloss informieren, sondern wird uns alle auch motivieren und unterstützen, unsere Arbeit fortzusetzen. Es wird uns klar, dass wir nicht auf eine magische Lösung warten müssen, sondern dass wir heute über die Möglichkeiten verfügen, um mit den vorhandenen Mitteln einen wichtigen Beitrag zur Malariabekämpfung und damit auch zur Armutsbekämpfung zu leisten.

*Marcel Tanner, Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts, 4002 Basel