Bescheidener Ansatz – grosse Wirkung

Malariaprävention in Laos

Von Margrit Schenker / Schweizerisches Rotes Kreuz SRK

Freiwillige der nationalen Rotkreuzgesellschaft von Laos leisten in den Dörfern erste Hilfe und engagieren sich in der Gesundheitserziehung, wofür rund 20'000 US-Dollar pro Jahr zur Verfügung stehen. Dazu gehört auch die Malariaprävention. Mit einfache Vorkehrungen können sehr positive Resultate erreicht werden.

Das Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Laos geht auf die 70er Jahre zurück, als in der nördlich gelegenen Provinz Luang Prabang eine chirurgisch-medizinische Equipe im Einsatz war. Mit der kommunistischen Machtübernahme 1975 musste das Projekt eingestellt werden. Auf Anfrage und Einladung der laotischen Regierung nahm das SRK seine Arbeit Ende der 80er Jahre wieder auf und unterstützt seither die Verbesserung der öffentlichen Gesundheitsversorgung und den Aufbau der nationalen Rotkreuzgesellschaft.

Laos gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 330 US-Dollar zu einem der ärmsten Länder der Welt. 77 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die meisten als selbstversorgende Kleinbauern. Die erwirtschafteten Erträge decken in der Regel knapp den Bedarf der Familie ab. Unter Mangel- und Fehlernährung leiden fast 47 Prozent der Bevölkerung.

Zwar haben sich die öffentlichen Ausgaben im Gesundheitswesen zwischen 1991 und 1996 von 0,7 Prozent auf 1,5 Prozent des Bruttosozialprodukts mehr als verdoppelt (neuere Zahlen sind noch nicht erhältlich). Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern ist dies aber nach wie vor ein sehr bescheidener Aufwand. Das Budget für das Gesundheitswesen beträgt rund 5 US-Dollar pro Kopf und Jahr, wovon rund 80 Prozent durch ausländische Entwicklungshilfe finanziert sind.

Die 1997 eingeleiteten Reformbemühungen im Gesundheitssektor sind entsprechend langsam vorangeschritten. Es gibt weiterhin kaum offizielle Richtlinien, und das nationale Gesundheitssystem ist immer noch nicht sehr konsistent organisiert. Dank der über die langen Jahre der Zusammenarbeit gemachten Erfahrungen und dem gewählten Projektansatz konnte das SRK jedoch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer rationalen Gesundheitspolitik beitragen: Entwicklung von Rotationsfonds für Medikamente, Entwicklung von Konzepten für die Planung (Bedarfsanalysen), den Bau, die angepasste Ausrüstung und den Betrieb von Distriktspitälern und Gesundheitszentren, Aus- und Weiterbildungskonzepte für das medizinische Personal. Diese Konzepte sind in den neuen Gesundheitsentwicklungsplan eingeflossen, der das Gesundheitsministerium Ende Mai 2000 der Gebergemeinschaft vorstellte.

Malaria in Laos

Mit geschätzten (genaue Gesundheitsstatistiken gibt es noch keine) 1,4 Millionen Malariafällen pro Jahr, die für rund 14'000 Menschen tödlich enden, zählt Malaria zum grössten Gesundheitsproblem des Landes. Der Parasit hat sich den verschiedenen topographischen Umgebungen angepasst und stellt heute vorwiegend für die ländliche Bevölkerung, die in Waldnähe, in den Hügeln und entlang Flussläufen lebt, eine tägliche Gefahr dar. Der verbreiteste Parasit ist Plasmodium Falciparum, gefolgt von Plasmodium Vivax und Plasmodium Malariae. Von den 30 verschiedenen Anopheles-Mücken, die bis anhin in Laos registriert wurden, ist die Anopheles Minimus, laut Angaben des Gesundheitsministeriums, am weitesten verbreitet.

Für den Familienhaushalt hat Malaria auch einschneidende wirtschaftliche Folgen. Die Kosten eines Spitalaufenthaltes können leicht 15 US-Dollar übersteigen. In diesem Preis nicht eingerechnet sind die Kosten bedingt durch den Arbeitsausfall des Patienten und der Familienmitglieder, die ihn ins Spital begleiten und ihn dort mitbetreuen.

1995 hat die laotische Regierung, aufgeschreckt durch das Ausmass und die Implikationen von Malaria in ihrem Lande, um Hilfe bei der Bekämpfung dieser Krankheit ersucht. Die Weltbank hat ein Darlehen von 5,9 Millionen Dollar gewährt, die Europäische Union 3,8 Miollionen Dollar, die über ein vertikales Malariabekämpfungsprogramm eingesetzt werden. Die dünne Besiedlung und die meistens sehr schwer zugänglichen Dörfer erschweren die Arbeit der Gesundheitshelfer. Letztere sind zudem so schlecht bezahlt, wie übrigens alle Staatsangestellten (15 bis 20 Dollar monatlich), dass keinerlei Anreiz besteht, sich in die entlegenen Gebiete zu begeben.

Rotkreuz-Freiwillige klären auf

Das SRK engagiert sich in Laos im Bereich der öffentlichen Gesundheitsversorgung sowie, seit 1993, im Aufbau und der Entwicklung des Laotischen Roten Kreuzes. Die Gesundheitsarbeit steht auch hier im Mittelpunkt: Ausbildung von Rotkreuzfreiwilligen, Bau oder Sanierung von Trinkwasserversorgungen und Bewässerungssystemen, Bau von Toiletten. Heute ist das Laotische Rote Kreuz allein in der Provinz Luang Prabang in über 120 Dörfern aktiv und erreicht somit ca. 40'000 Einwohner. Pro Dorf sind je zwei Freiwillige so weit ausgebildet, dass sie die Gesundheitssituation in ihrer Gemeinschaft verbessern können und fähig sind zu erkennen, wann Kranke in eines der Distriktspitäler überwiesen werden müssen.

Schlafen unter Moskitonetzen. Die Freiwilligen des Roten Kreuzes klären die Dorfbewohner über die Notwendigkeit des Schlafens unter Moskitonetzen auf und weisen auf die Wichtigkeit der Imprägnierung der Netze hin. Das Imprägnierungsmittel wird vom Malariabekämpfungsdepartement zur Verfügung gestellt (Permitrin oder Deltametrin), und die Netze der Dofbevölkerung werden idealerweise zweimal jährlich imprägniert. Viele Familien besitzen aber nur ein Netz. Während der Aussaat oder Erntezeit übernachten die Kleinbauern – ohne Moskitonetz – neben ihren Feldern, da diese oft recht weit vom Dorf entfernt sind. Und ganz arme Familien können sich nicht einmal ein Netz leisten. Dort wo das Rote Kreuz mit Freiwilligen vertreten ist, werden an die Bedürftigsten Moskitonetze abgegeben, und die Familien, die nur ein Netz haben, werden davon überzeugt, dass es sich langfristig lohn, in ein zweites Netz zu investieren.

Hygiene im Dorf. Wassertümpel, offene Wasserbehälter, etc. sind ideale Brutstätten für Mücken. Die Rotkreuzfreiwilligen weisen auf diese Gefahren hin und fordern die Dorfbevölkerung auf, Wassertümpel in unmittelbarer Nähe der Häuser mit Erde aufzufüllen und offene Wasserbehälter zuzudecken.

Frühzeitige Diagnose. Die Rotkreuzfreiwilligen können die Krankheitssymptome erkennen und die Angehörigen auf die Wichtigkeit einer sofortigen Verlegung des Patienten ins nächste Gesundheitszentrum oder Distriktspital hinweisen.

Sichere Blutkonserven. Bei ganz schweren Malariafällen ist eine Bluttransfusion die letzte Hoffnung. Insbesondere Kinder kommen oft in höchst anämischem Zustand ins Provinzspital. Das Laotische Rote Kreuz hat nun aktiv mit der Rekrutierung freiwilliger Blutspender begonnen und ist dafür besorgt, dass arme Patienten das Blut gratis erhalten (ein Blutbeutel kostet ca. 40 Dollar).

Malaria wird noch über Jahre eine schwer zu bekämpfende Krankheit bleiben. Doch mit guter Koordination und Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure können sich die Dorfgemeinschaften langfristig besser vor dieser Bedrohung schützen, die Malaria für die Volksgesundheit und Entwicklung eines Landes heute immer noch darstellt.

*Margrit Schenker ist Programmverantwortliche des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Das Schweizerische Rote Kreuz arbeitet schwerpunktmässig in der Provinz Luang Prabang sowie punktuell in den Provinzen Oudomxai und Bokeo. Die Projekte werden u.a. von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mitfinanziert. Zur Vertiefung des Themas können Sie das Video "Sukkhapab – Gesundheit" (deutsch, französisch, englisch) über die Rotkreuzarbeit in Laos bestellen.