Capacity building in der Ausbildung und Lehre

Von Karin Wiedenmayer / Schweizerisches Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH)

Der Unterricht an einer afrikanischen Universität, verbunden mit der Förderung der lokalen Ausbildungskapazität, kann als aktuelles Beispiel der personellen Zusammenarbeit gelten. Besonders gilt dies in einem Fach, das wohl im Syllabus verankert, von der WHO gefördert sowie eine Komponente der nationalen Gesundheitssektoreform ist, wo aber die lokale Expertise noch weitgehend fehlt.

"Si vous faites des projets pour une année,
semez du blé,
si vous faites des projets pour dix ans,
plantez des arbres,
si vous faites des projets pour cent ans,
dédiez-vous à l'éducation des êtres humains"
(J. Salomé)

Die Rolle der Pharmazie in Tansania ist im Moment grossen Veränderungen und Herausforderungen ausgesetzt. Mit der Reform des Gesundheitssektors verändern sich auch die Aufgaben, welchen bei der Ausbildung Rechnung getragen werden muss. Wichtige Themen sind heute der sinnvolle Gebrauch von Medikamenten (rational use of drugs), eine aktivere Rolle in der Patientenbetreuung und die Rolle als Experte in der Medikamentenlogistik (drug supply management). Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderem Gesundheitspersonal und den Patienten wird immer bedeutsamer.

Langsam passt sich das Curriculum des Pharmaziestudiums in Tansania diesen Anforderungen an. Leider fehlt in einigen Bereichen die notwendige Expertise, um die neuen Lehrinhalte zu vermitteln. Ein Beispiel hierfür ist die Klinische Pharmazie, wo die Dozentenstelle seit längerem vakant ist und ad interim von einem Dozenten betreut wird, der mangels einer Finanzierung noch keine Möglichkeit hatte, sich in Klinischer Pharmazie im Ausland weiterzubilden.

Meine Lehrtätigkeit an der Universität von Dar es Salaam

Meine Lehrtätigkeit an der Pharmaziefakultät des Muhimbili Medical College in Dar es Salaam hat zum Ziel, den Pharmaziestudierenden eine Ausbildung im Bereich der Klinischen Pharmazie zu ermöglichen und damit eine Lücke im aktuellen Lehrangebot zu schliessen.

Nach dem üblichen Bewerbungsprozedere wurde mir vom Muhimbili University College of Health Sciences eine "Honourable Lectureship" erteilt, und im Februar 1995 begann ich meinen Unterricht in Klinischer Pharmazie. Die Finanzierung meines Lehrtätigkeit erfolgte zunächst aus persönlichen Mitteln. Ab August 1995 gewährte mir die Abteilung Politik und Forschung der DEZA im Rahmen ihres "Programmes zur Förderung von wissenschaftlichen Kontakten zwischen Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Gesellschaften der Schweiz und der Dritten Welt" (s. Kasten) für zwei Jahre eine finanzielle Unterstützung meiner Lehrtätigkeit in Form von vier bezahlten Kurzaufenthalten von je einem Monat Dauer.

Die Pharmazie-Abschlussklasse am Muhimbili Medical College in Dar es Salaam besteht im Durchschnitt aus 20 Studierenden, von denen nur ein kleiner Prozentsatz Frauen sind. Mein Versuch, den Unterricht so weit wie möglich partizipativ zu gestalten, wird nach anfänglichem Erstaunen sehr geschätzt und gelingt gut. Die Beteiligung ist oft sehr angeregt. Die Studierenden sind sehr aufmerksam und stellen gute, herausfordernde Fragen. Oft kommen auch angeregte Diskussionen über standespolitische Themen wie die Rolle des Pharmazeuten in Tansania oder die Reform des Gesundheitssektors zustande. Praktika (Wardrounds) am Muhimbili Medical Center sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung in Klinischer Pharmazie. Hier kann theoretisches Wissen praktisch erlebt und umgesetzt werden. Meine kurzen Aufenthalte haben es bisher leider nicht erlaubt, grössere strukturelle Veränderungen vorzunehmen, um die Praktika besser zu organisieren.

Nach zwei Jahren...

Befragungen der Studierenden haben gezeigt, dass diese mit dem neuen Angebot sehr zufrieden sind und vor allem die praktischen und partizipativen Aspekte der Lehrveranstaltungen schätzen. Auch die Zusammenarbeit mit der Fakultät positiv und fruchtbar. Ich bin erfreut, wie gut ich in die Fakultät integriert worden bin und auch zu Fragen ausserhalb meines spezifischen Lehrauftrags konsultiert werde. Die Kollegen haben mich wiederholt ersucht, mein Fachgebiet auch weiterhin zu betreuen.

Vor kurzem hat die Fakultät ein neues Konzept zur finanziellen Selbständigkeit ausgearbeitet, welches verschiedene Dienstleistungen vorsieht. Unter anderem sollen Konsultationen in "therapeutic drug monitoring" angeboten werden, welches ein Teil der Klinischen Pharmazie ist. Es stellt sich weiterhin die Frage, wer zur Zeit genügend qualifiziert ist, solche Konsultationen durchzuführen. Der Dekan der Fakultät hofft, dass sich Studenten nach Abschluss der Ausbildung auf diesem Gebiet weiterbilden werden.

Aufgrund meiner Erfahrung als Dozentin in Tansania beruht ein erfolgreicher Einsatz zur Förderung von lokaler Forschungs- und Ausbildungskapazität auf folgenden Ansätzen:

  • Vermittlung von theoretischem Wissen, aber auch von praktischen Fähigkeiten (skills)
  • Stärkung von professionellem Selbstbewusstsein, aber auch Förderung von Interesse und Einsatz
  • Persönlicher Austausch und Interaktion auf der menschlichen und individuellen Ebene
  • Betonung der Qualität und Vertiefung von relevantem Wissen und Fertigkeiten im Gegensatz zu Überforderung durch zu viel Material
  • Funken legen und Begeisterung fördern
  • Vermittlung eines aktuellen Standes der Wissenschaft auf internationaler Ebene - aber auch klare Betonung der Möglichkeiten und Gegebenheiten der lokalen Resourcen
  • Persönliche Betreuung der Studenten und Eingehen auf individuelle Bedürfnisse
  • Aufrechterhalten einer professionellen als auch freundschaftlichen Verbindung über Landesgrenzen und Semester hinweg, Förderung von wissenschaftlichen Kontakten

Längerfristig wird sich zeigen, ob die kleinen Funken, die Vermittlung von anwendbarem Wissen und Fertigkeiten und die wissenschaftlichen und persönlichen Beziehungen weiter wachsen und zu einer Veränderung des Berufbildes und -einsatzes in Tansania führen werden. Sicher ist, dass Klinische Pharmazie in Tansania Fuss gefasst hat. Ebenfalls sicher ist, dass meine Lehrtätigkeit in Form von Kurzeinsätzen zwar viel ausgelöst hat, aber noch nicht ausreicht, um lokale Kapazitäten nachhaltig zu fördern. Wie überall braucht auch diese Form von Ausbildung Zeit und Einsatz.

Die Pharmaziefakultät hat bei der DEZA denn auch ein Gesuch um weitere Unterstützung auf diesem Gebiet eingereicht. Leider wurde es abgelehnt. Die Zukunft für Klinische Pharmazie in Tansania ist deshalb ungewiss, da in dieser kurzen Zeit keine Dozenten ausreichend ausgebildet werden konnten. Die DEZA wurde deshalb von der Fakultät um Wiedererwägung des Gesuches ersucht. Die Antwort steht immer noch aus.

EDA-Programm zur Förderung von wissenschaftlichen Kontakten:
Lücken schliessen - Erfahrungen sammeln

Das EDA-Programm zur "Förderung von wissenschaftlichen Kontakten zwischen Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Gesellschaften der Schweiz und der Dritten Welt" dient dazu, kurze, einmalige oder auch wiederholte Kontakte zwischen Hochschulinstitutionen in der Schweiz und in Entwicklungsländern zu fördern. Dabei stehen folgende Ziele im Vordergrund:

Den beteiligten Universitäten in Entwicklungsländern soll ermöglicht werden, Lücken in ihrem Ausbildungsangebot zu schliessen, die Weiterbildung ihres Lehrkörpers zu sichern und die Forschung zu fördern.

Den Schweizer Institutionen soll die Möglichkeit geboten werden, sich direkt mit der Entwicklungsproblematik auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu sammeln, die wiederum in ihre eigene Forschungs- und Lehrtätigkeit einfliessen können.

Information und Ausschreibung:
DEZA, Sektion Politik und Forschung, 3003 Bern
Tel. 031 322 35 75, Fax 031 372 41 05

*Karin Wiedenmayer ist Klinische Pharmazeutin und arbeitet am Support Center for International Health des Schweizerischen Tropeninstituts STI in Basel