Editorial

Von Helena Zweifel / Medicus Mundi Schweiz

Das Recht auf Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Der Solidarität mit den Menschen, die mit HIV leben, liegt nicht karitatives Denken sondern die tiefe Überzeugung zugrunde, dass alle Menschen ein Recht auf Gesundheit haben. Diese Überzeugung ist es, welche der internationalen Bewegung Kraft, Energie und Ausdauer gegeben hat.

Die internationale Aidsbewegung konnte den politischen Willen und ausserordentliche Ressourcen mobilisieren. Vor zehn Jahren konnten wir uns kaum vorstellen, dass auch in entlegenen, armutsbetroffenen Gebieten Menschen erfolgreich mit modernen Aidsmedikamenten behandelt werden könnten.

Trotz grosser Erfolge sind wir noch weit vom Ziel entfernt, den weltweiten Zugang zu umfassender HIV-Prävention, Behandlung, Pflege und Unterstützung sicherzustellen. Zudem sind die erzielten Resultate in Gefahr. Weltwirtschaftskrise, eine gewisse „Aidsmüdigkeit“ und andere, „wichtigere“ Problem drohen Aids von der internationalen Agenda zu verdrängen. Die Verschlechterung der Lebenssituation und die Folgen schwindender finanzieller Ressourcen für HIV-Prävention und Behandlungen sind bereits heute spürbar. Am meisten betroffen sind jene Menschen, die eine Unterstützung am ehesten brauchen: Frauen, Kinder und Männer, die mit HIV leben oder davon betroffen sind, in den wirtschaftlich ärmeren Regionen dieser Erde.

Nur schon um die bestehende Dynamik aufrechtzuerhalten braucht es mehr Geld für Aids. Doch angesichts der Wirtschaftskrise schnüren die Regierungen in Nord und Süd emsig Sparpakete und vergessen die internationale Solidarität und die eigenen Versprechen. Sie nehmen Gelder aus Aidsprogrammen um es für andere Aufgaben zu verwenden.

Die HIV-Epidemie soll bis ins Jahr 2015 angehalten und rückgängig gemacht werden. Dazu verpflichteten sich die Regierungen dieser Erde im Milleniumsentwicklungsziel 6. Als Zwischenziel ist für 2010 der weltweite Zugang zu Aidsbehandlungen vorgesehen. Inzwischen zeichnet es sich ab, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. Auch die Bekämpfung der Kindersterblichkeit und die Verbesserung der mütterlichen Gesundheit hinken weit hinter den deklarierten Zielen nach.

Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Anstrengungen nicht dramatisch erhöht, werden die erklärten Ziele nicht erreicht. Nicht nur die Regierungen sind gefordert, sondern auch die schweizerischen Entwicklungsorganisationen, ihr Engagement in Sache HIV und Aids zu verstärken.

* Helena Zweifel ist Geschäftsführerin des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz und Koordinatorin der Fachplattform aidsfocus.ch Kontakt: hzweifel@medicusmundi.ch