Frauengesundheit in Mauretanien

Fernsehen fördert die Gesundheit

Von Karin Röösli / World Vision Schweiz / World Vision Schweiz

Wissensmangel kann gefährlich sein, sogar tödlich, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Zum Beispiel in Mauretanien, das eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten in Afrika aufweist und wo jährlich 21'000 Kinder unter fünf Jahren sterben. Mit der Produktion von speziell auf Frauen ausgerichtetem Gesundheitserziehungsmaterial will World Vision Mauretanien einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten.

Die Islamische Republik Mauretanien hat eine Fläche von 1'030'700 km2 und zählt ca. drei Mio. Einwohner. Zwei Drittel des Landes nimmt die Sahara ein. Trotz Bemühungen seitens der Regierung, das Gesundheitswesen zu verbessern, ist die Gesundheitsversorgung in Mauretanien ungenügend. Ein grosser Teil der Bevölkerung, vor allem in ländlichen Gegenden, hat keinen Zugang zu moderner Gesundheitsversorgung. Viele Infektionskrankheiten breiten sich aus, vor allem in der Nähe der Städte, wo auch sexuell übertragbare Krankheiten stark zunehmen. Im Süden machen die Malaria, die Bilharziose und der Guineawurm Probleme, im Norden sind Atemwegserkrankungen wie Tuberkulose häufiger. Die öffentliche Gesundheitsaufklärung ist marginal und das traditionelle Wissen oft von Mythen und Tabus geprägt.

Nur etwa 30 Prozent der Frauen in Mauretanien können lesen und schreiben und sich so selber informieren. Trotzdem haben die Frauen meistens die Rolle des Familiendoktors inne und entscheiden in vielen Fällen, was zu tun ist. Aber eine Mutter, die den Sinn und Zweck des Impfens nicht versteht, kann das Leben ihrer Kinder aufs Spiel setzen. Wer über Aids nicht Bescheid weiss, setzt sich und die anderen hohem Risiko aus. Falsche Vorstellungen über Malariaübertragung, über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Durchfall etc. können fatale Folgen haben. Für Fragen der Familienplanung ist die Frau auf die Zustimmung des Mannes angewiesen.

In Mauretanien stirbt eine von 16 Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft. Ursache für über 80 Prozent dieser Todesfälle sind starke Blutungen, eitrige Infektionen, Ausbleiben der Wehen, Bluthochdruck. Eine traurige Tatsache ist, dass die meisten dieser Tragödien vermieden werden könnten. In Mauretanien gebären die meisten Frauen zu Hause. Einzige Unterstützung sind oft die Familienmitglieder oder andere Dorfbewohner. Bei Komplikationen sind diese überfordert. Schlimme Komplikationen treten bei etwa 15 Prozent der Geburten auf. Vielen Frauen sterben einen schmerzhaften Tod auf einer Eselskarre, unterwegs auf einem holprigen Weg ins weit entfernte Spital. Eine ausgebildete Hebamme hätte ihr Leben retten können. Leider ist in Mauretanien nur bei etwa 40 Prozent der Geburten eine Hebamme anwesend. Dazu kommt, dass schätzungsweise 72 Prozent der Frauen in Mauretanien aus traditionellen oder religiösen Gründen beschnitten sind, was oft die Ursache von Komplikationen bei Geburten ist.

Obwohl in Mauretanien viele Frauen nicht lesen können, hat doch ungefähr jede zweite Zugang zu Radio oder Fernsehen. Daher ist Gesundheitserziehung via Massenmedien nicht nur wirkungsvoll, sondern auch kostengünstig, um möglichst weite Teile der Bevölkerung zu erreichen. Dies geschieht mit Fernsehspots, Videos oder Radiosendungen, aber auch durch Poster und Plakate zu gesundheitsrelevanten Themen wie HIV/Aids, Malaria oder Rauchen. Wichtig ist dabei, die Programme und Inhalte auf Frauen anzupassen, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wenn immer möglich, sind auch religiöse Würdenträger mit einzubeziehen, deren Aussagen viel Gewicht in der öffentlichen Meinungsbildung haben, vor allem bei sogenannten Tabuthemen wie HIV/Aids oder Beschneidung. Besonders attraktiv wirken Liveaufführungen mit lokalen Theater- und Musikgruppen zu bestimmten gesundheitsrelevanten Themen wie HIV/Aids, Hygiene, Tuberkulose oder Impfungen. Der Caravane de l’Espoir, ein mit Bühne und Leinwand ausgestatteter Lastwagen, der von Ort zu Ort fährt und dort seine Show aufführt, zieht grosse Menschenmassen an. Auf diese Weise können auf unterhaltsame und einprägsame Weise wichtige Informationen weitergegeben werden.

Wirkungsvoll sind auch Flipchart-Vorführungen für Frauengruppen in Dörfern, Gemeindezentren oder Gesundheitsposten. Frauen lernen dort Methoden zur Rehydration, Familienplanung, Pränataler Kontrolle oder ausgewogener Ernährung kennen. Frauen, die an solchen Anlässen teilnehmen, haben viele Aha-Erlebnisse. Die Teilnehmerinnen an einem von World Vision Mauretanien organisierten Training bestätigen dies:

Oumou Diop, 20 Jahre, keine Kinder: «Ich habe gelernt, wie wichtig prä- und postnatale Kontrollen sind, und werde das umsetzen, wenn es soweit ist. Bisher haben wir auch gedacht, dass Malaria durch Körperausdünstungen weitergegeben wird. Wir wussten nicht, dass es durch Mücken übertragen wird.»

Safiyetou Diow, 30 Jahre, 8 Kinder: «Normalerweisen riefen wir einen Heiler, wenn jemand Malaria hatte. Der gab uns ein Pulver, das wir mit Wasser mischen und dann trinken oder uns damit waschen sollten. Oder er schrieb etwas auf ein Papier, zum Beispiel <Gott beschützt> oder einen Koranvers. Diesen Zettel mahlten wir und tranken ihn mit Wasser oder trugen ihn in einem Lederbeutel um den Hals. Der Heiler wollte dafür natürlich Geld.»

Aissata Gueyw, 25 Jahre, 3 Kinder: «Heute wissen wir, dass wir uns und unsere Kinder mit imprägnierten Moskitonetzen gegen die Mücken schützen können. Wir wissen auch, dass es wichtig ist, unsere Häuser und die Umgebung sauber zu halten. Abfall und stehendes Wasser ziehen die Mücken an.»

Khadjetou Samba, 33 Jahre, 7 Kinder: «Ich habe immer geglaubt, dass ich mein Kind weder stillen noch ihm sonst etwas geben sollte, wenn es Durchfall hat. Nun weiss ich, dass das Gegenteil wahr ist. Ich muss es sogar häufiger stillen und ihm eine Rehydrations-Lösung geben. Auch das Wasser von gekochtem Reis hilft, den Durchfall zu stoppen. Das haben wir zu Hause und das kostet uns kaum etwas.»

Fatimata Ba, 40 Jahre, 8 Kinder: «Ich habe zwei Kinder wegen Masern verloren, zwei Söhne, drei- und vierjährig. Sie waren nicht geimpft. Ich bin traurig, dass ich damals nicht wusste, was ich heute weiss. Aber ich habe gelernt und kann Dinge heute besser machen.»

* Karin Röösli ist Programmverantwortliche für Westafrika bei World Vision Schweiz. Kontakt: k.roeoesli@worldvision.ch