Die WHO an die Verhandlungstische!

Jeweils im Mai lässt sich an der Weltgesundheitsversammlung (WHA) in Genf die Temperatur der globalen Gesundheitspolitik messen. Die WHO steht zurzeit in einem schwierigen Reformprozess, der unter der Leitung der eben im Amt bestätigten Generaldirektorin Margaret Chan steht.

Die Mitgliedorganisationen stellten sich hinter die Reformvorschläge, welche auf eine klarere Prioritätensetzung, auf die Gouvernanz und die Führung der Organisation abzielt. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Prozess zu einem guten Abschluss findet, der die Organisation mittelfristig in ihrer Rolle als Normen setzende Institution in der globalen Gesundheit stärkt.

Es fällt auf, dass die nicht-übertragbaren Krankheiten auf der internationalen Agenda definitiv angekommen sind. Die WHA verabschiedete nicht weniger als fünf Resolutionen und Entscheidungen, die diese riesige Herausforderung für ärmere Länder betreffen. Diese Krankheitsgruppe macht deutlich, wie wichtig es ist, auf multilateraler Ebene mit einem umfassenden, auch die sozialen Faktoren berücksichtigenden Ansatz zu arbeiten.

In einem Artikel der aussenpolitischen Fachzeitschrift „Foreign Affaires“ wird darauf hingewiesen, dass die Kompetenzen der WHO an die Verhandlungstische bei internationalen Finanz- und Handelsabkommen gehörten. Bei den Verhandlungen zur Finanz- und Wirtschaftshilfe der EU an Griechenland wäre es durchaus hilfreich gewesen, wenn man sich nicht nur Gedanken darüber gemacht hätte, wie die europäischen Banken schadlos gehalten werden können sondern auch, welche gesundheitlichen Folgen die Sanierungsprogramme haben.

Um die WHO in dieser Rolle zu stärken, müssten ihr die industrialisierten Mitgliedländer aber mehr Gewicht geben. Doch diese sind noch zu oft in einer kurzsichtigen Interessenpolitik verfangen. Die USA, die EU, Japan, Kanada, Australien und die Schweiz bekämpften einen interessanten Vorschlag, um die Forschung gegen die vernachlässigten, tropischen Krankheiten endlich voranzubringen. Basierend auf einem Bericht einer Expertengruppe (CEWG) sah eine Resolution vor, dass durch die Erhebung eines Beitrags von 0,01% des Bruttoinlandproduktes drei bis sechs Milliarden Dollars generiert werden sollten, um die für 1,4 Milliarden Menschen so wichtige Forschung zu fördern. Nun sollen die Empfehlungen der Experten nochmals diskutiert und, hoffentlich mit Unterstützung der Schweiz, an der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2013 verabschiedet werden.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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