Die Wiederauferstehung der Basisgesundheitsversorgung

Das Ergebnis der Abstimmung vom 18. Mai 2014 war einigen Politikerinnen und Politikern schon beinahe ein wenig peinlich: 88% der Stimmberechtigten haben der Verfassungsgrundlage für eine umfassende medizinischen Grundversorgung zugestimmt.

Das internationale Zeichen, das die StimmbürgerInnen ausgesandt haben, ist aber durchaus positiv. In ihm kommt der grosse gemeinsame Wille zum Ausdruck, dass eine gute Basisgesundheitsversorgung Grundlage unseres Gesundheitssystems sein soll. Oder aus der Optik der internationalen Gesundheitszusammenarbeit gesprochen: Das Primary Health Care Konzept von Alma Ata ist in der Schweiz eben wieder auferstanden.

Das ist kein Zufall: Weltweit hat sich die Basisgesundheitsversorgung nach Jahren einer auf selektive Gesundheitsinterventionen ausgerichteten Politik aufgerappelt. Zum Ausdruck ist dies etwa im Weltgesundheitsbericht 2008 „Primary Health Care – Now more than ever“ gekommen.

Der Entscheid des Schweizer Souveräns zeigt deutlich: Bei Primary Health Care geht es nicht um eine low-budget Versorgung für arme Menschen in armen Ländern. Es geht viel mehr um einen umfassenden Ansatz, der die Nutzerinnen und Nutzer von Gesundheitsdienstleistungen und deren Bedürfnisse ins Zentrum stellt. Wim van Lerberghe, einer der Autoren des erwähnten Weltgesundheitsberichtes meinte kürzlich an einer Tagung, dass Primary Health Care die Antwort auf sich demokratisierende Gesellschaften seien. Die Menschen wollen mitdefinieren können, wie ihre Gesundheitsversorgung aussieht und sich nicht in vorgefertigte Programme zwängen lassen.

Für die internationale Gesundheitszusammenarbeit bedeutet dies, dass sie der Mobilisierung und dem Einbezug der Gesellschaft bei ihrer Arbeit hohes Gewicht geben muss. Mantramässig muss denn auch ein multisektorieller Ansatz, der die verschiedenen Akteurinnen und Akteure aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen einbezieht, gefordert werden.

Martin Leschhorn Strebel Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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