Ecopop-Initiative: Sachliche Debatte gesucht

„Ökofaschisten!“ Es ist scharfes, moralisches Geschütz, mit dem auf die InitiantInnen der sogenannten Ecopop-Initiative „Stopp der Überbevölkerung“ geschossen wird. So scharf, dass diese mit dem Richter gedroht und einen Staatssekretär im Aussenministerium in arge Bedrängnis gebracht haben. Und dies alles zu einem Zeitpunkt, bei welchem wir noch weit von der eigentlichen Abstimmungskampagne entfernt sind.

Woher die Nervosität vor der inhaltlich tatsächlich fragwürdigen Initiative? Die Verknüpfung der in der Schweiz bereits aufgeheizten Debatte rund um die Bevölkerungszunahme und den knapper werdenden Raum mit ökologischen Fragen und Überfremdungsängsten könnte durchaus erfolgsversprechend sein. Mit ihrer Forderung 10% der Entwicklungshilfegelder in freiwillige Familienplanung zu investieren, könnten sich neben ökologische gleich noch internationalistische Kreise angesprochen fühlen.

Aber deshalb gleich die Ökofaschismuskeule schwingen? Ich halte dies für gefährlich. Zeigen wir lieber auf die verquere Logik der Initiative auf – wie es etwa die Alliance Sud in einem guten Positionspapier getan hat. Das Problem ist nicht, die Anzahl der Menschen auf dem Planeten, sondern wie viel Ressourcen ein Mensch verbraucht. Es sind nicht die Armen in Entwicklungsländern, welche die Probleme verursachen, sondern es sind die Privilegierten in Süd und Nord.

Deshalb müssen wir der Initiative die Verteilungsdebatte entgegen halten. Es gilt darauf hinzuweisen, dass die Stärkung der Rechte gerade von Frauen, das Engagement für mehr Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit der umfassendere Ansatz ist, um auch die ökologischen Probleme anzugehen.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

Newsletter abonnieren