Gesundheit muss jugendgerecht werden

Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt haben an einer Tagung des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz dargelegt, wie der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit für Jugendliche verbessert werden kann, um etwa Teenagerschwangerschaften zu verhindern. Die Ecopop-Initiative werteten sie als kontraproduktiv und gefährlich.

Vor 20 Jahren fand in Kairo die internationale Bevölkerungskonferenz statt, die den Grundstein für eine auf den Frauenrechten basierende Entwicklungspolitik gelegt hat. Sexuelle und reproduktive Gesundheit spielt seither eine zentrale Rolle in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit. Und auch die Bevölkerungspolitik hat sich geändert: Freiwillige Familienplanung wurde viel besser in umfassende, entwicklungsfördernde Massnahmen eingebettet.

20 Jahre nach der Bevölkerungskonferenz von Kairo

Die Erfolge, die seit der Konferenz von Kairo 1994 erreicht wurden, können sich sehen lassen. Mehr Frauen haben Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen. Die Müttersterblichkeit – und im Einklang damit auch die Säuglingssterblichkeit konnte gesenkt werden. Doch gerade Jugendliche als eine der zentralen Zielgruppen erhalten nur ungenügend Zugang zu Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, hielten Expertinnen und Experten an einer Tagung des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz heute in Basel fest.

Zu viele Jugendliche erhalten keine Sexualerziehung. Gesundheitseinrichtungen sind nicht auf Heranwachsende ausgerichtet, weshalb diese sie nicht nutzen. In der Folge sind Teenageschwangerschaften weit verbreitet und zu viele Jugendliche sind unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen ausgesetzt. An verschiedenen Beispielen legten die Referentinnen und Referenten aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa dar, wie kulturelle und soziale Hindernisse überwunden und die Gesundheitssysteme jugendfreundlicher gemacht werden können.

Ablehnung der Ecopop-Initiativie

Deutlich ist dabei an der Tagung geworden, dass nur mit umfassenden, das gesamte Gesundheitssysteme umfassende und mit auf den Menschenrechten beruhenden Entwicklungsprogrammen die Situation für Jugendliche weltweit verbessert werden kann. Vor diesem Hintergrund greift, die Ecopop-Initiative zu kurz, welche 10% der Schweizer Entwicklungsgelder einseitig in die freiwillige Familienplanung investieren möchte. Die anwesenden Experten halten diese deshalb für kontraproduktiv und gefährlich.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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