Gesundheitspersonalmangel: Breite Solidarität

Mitte Januar hat das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz zusammen mit 26 Organisationen der Gesundheitszusammenarbeit, Berufsverbänden und Gewerkschaften das Manifest „Gesundheitspersonalmangel nicht auf Kosten der Ärmsten lösen“ veröffentlicht. Selbstverständlich sind wir davon ausgegangen, dass wir Reaktionen provozieren würden. Die Breite der medialen Berichterstattung hat uns dann aber doch überrascht. Wie breit das Thema diskutiert worden ist, haben Diskussionen im Internet und spontane Telefonanrufe bei uns gezeigt.

Weshalb interessieren sich so viele, unterschiedliche Menschen dafür, dass die Rekrutierung von ausländischem Gesundheitspersonal Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung in armen Ländern hat? Eine ausländerfeindliche Stimmung kann aufgrund der ausgesprochen seriösen Kommentare in den Internetforen ausgeschlossen werden. Die Reaktionen waren viel mehr von einer tiefen Sorge um die eigene Gesundheitsversorgung geprägt.

Das Manifest hat deutlich gemacht, dass eine der zentralen Schwachstellen des Schweizer Gesundheitssystems beim vielleicht zentralsten Punkt liegt: dem Personal. Wir schrauben an den Kosten für das Gesundheitssystem herum und versuchen die Medikamentenpreise in den Griff zu bekommen. Wir legen fest, wo es noch wie viel Spitalbetten braucht, wo Herzzentren konzentriert werden und wo das nächste Geriatriezentrum hingebaut werden soll. Doch bei alldem scheinen die Gesundheitspolitiker vergessen zu haben, in die Menschen zu investieren, welche die ganze Maschinerie am Laufen halten.

Natürlich – der Personalmangel ist seit einiger Zeit ein Thema. Doch wir alle dachten, mit der Rekrutierung von Fachleuten aus dem Ausland kriegten wir das Problem in Griff. Das Manifest hat nun die globalen Zusammenhänge des Problems in der hiesigen Öffentlichkeit aufgezeigt und klar gemacht, dass es keine schnelle Lösung mit dem Griff nach dem ausländischen Personal gibt.

Wieder so ein Problem, bei welchem die Schweiz nicht isoliert agieren kann, sondern sich in einer globalen Verantwortung befindet. Die Reaktionen auf unser Manifest zeigen, dass dies ganz viele Menschen realisiert haben. Zeit, dass die politisch Verantwortlichen die Schlüsse daraus ziehen.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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