Gesundheitspersonalmangel: Ventilklausel als untaugliches Instrument

Weil Schweizer Spitäler sich gegen die Anwendung der Ventilklausel ausgesprochen haben und sich Deutsche Spitäler über den bundesrätlichen Entscheid, dies doch zu tun, gefreut haben, war der Gesundheitspersonalmangel plötzlich wieder in den Medien. Und so wurde auch das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz kontaktiert: Schön doch, wenn die Ventilklausel verhindert, dass ÄrztInnen und PflegerInnen aus ärmeren Ländern abwanderten.

Bislang ist es uns gelungen, das Problem des globalen Gesundheitspersonalmangel als das in der Öffentlichkeit zu halten, was es ist: Eine Herausforderung für die hiesige Gesundheits- und Bildungspolitik, und Ausdruck der Schwäche der Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern. Denn auf keinen Fall ist es ein ausländerpolitisches Problem.

Und so bleibt denn auch die Ventilklausel ein untaugliches Instrument, um den Folgen der Gesundheitspersonalmigration in ärmeren Ländern zu begegnen. Mit ihr lassen sich die Probleme nicht lösen: Die Arbeit fürs Pflegepersonal in Entwicklungsländern ist sehr schwierig und wenig motivierend. Gesundheitssysteme in europäischen Krisenländern sind zudem am Auseinanderbrechen und bieten für das Gesundheitspersonal keine Perspektiven mehr.

Weil die Schweiz es unterlassen hat, genügend Personal auszubilden und attraktive Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen zu schaffen, ist die Nachfrage nach Ärztinnen und Pflegefachleuten in der Schweiz so gross, dass die internationale Migration zusätzlich angetrieben wird.

Gerade dagegen hilft die Ventilklausel nichts. Stattdessen braucht es eine nachhaltige Gesundheits- und Bildungspolitik und eine solidarische Entwicklungspolitik, welche die armen Länder darin unterstützt, eine qualitativ gute, auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Gesundheitsversorgung aufzubauen

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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