Health in All Policies: Weil Gesundheit nicht mit der Planung eines Spitals beginnt

In der Entwicklungszusammenarbeit beginnt Gesundheit nicht mit dem Errichten eines Spitals an einem möglichst abgelegenen Ort. Sie schreibt sich vielmehr in die verschiedensten entwicklungspolitischen Tätigkeiten ein. Mit diesem Verständnis begleitet das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz auch die Entwicklung der neuen Strategie zur internationalen Zusammenarbeit der Schweiz für die Post-MDG-Ära.

Die Schweiz hat die Arbeit an der Entwicklung einer neuen Vierjahresstrategie für die neue entwicklungspolitische Strategie aufgenommen. Diese Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit 2017-2020 soll im Februar 2016 vom Bundesrat zuhanden des Parlamentes verabschiedet werden. Die zuständigen Bundesämter haben die Zivilgesellschaft erfreulicherweise bereits früh zur Stellungnahme begrüsst.

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz begleitet diesen Prozess mit dem Ziel, Gesundheit in der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz stark zu halten. Nur: Wie tut man dies? Beobachten und intervenieren wir zugunsten des Rechts auf Gesundheit nur dort, wo es um Gesundheitsinterventionen im engeren Sinn geht? Nein, finden zahlreiche Mitgliedorganisationen. An einem Round Table anfangs Juni haben sie die Geschäftsstelle und die begleitende Arbeitsgruppe beauftragt, mit einem umfassenden Ansatz auf die entwicklungspolitische Strategie des Bundes Einfluss zu nehmen.

Schweiz beeinflusst Gesundheit weltweit

Denn Gesundheit beginnt nicht mit einem Gesundheitszentrum oder mit einem gut aufgegleisten Impfprogramm. Die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit beeinflusst die gesundheitliche Situation von Menschen weltweit auf ganz unterschiedliche Weise. Investitionen in die Grund- und Berufsbildung, Förderung der städtischen Entwicklung und der Wirtschaft haben Folgen auf die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung. Da diese Massnahmen unter dem Ziel der Armutsbekämpfung erfolgen, würde man grundsätzliche sagen, dass all diese Interventionen einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen haben. Nur ist es aber eben immer entscheidend, wie es gemacht ist.

Picken wir einfach mal zur Illustration ein unverfängliches Beispiel heraus. Das Staatssekretariat für Wirtschaft sieht für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vor, in die städtische Entwicklung zu investieren. Ein wichtiges Anliegen, das im engeren Sinne nichts mit Gesundheit zu tun hat. Im Weiteren aber sehr viel: Städtische Entwicklung muss unter anderem dafür sorgen, dass durch ein kluges Transportsystem die gesundheitsschädigenden Emissionen reduziert werden können und dass Räume zur körperlichen Bewegungen entstehen (Healthy Cities). Beachtet man solche Themen nicht frühzeitig, können die Interventionen negative Folgen für die städtische Bevölkerung haben.

Natürlich ist dieser umfassende, gesundheitsfördernde Ansatz bei uns gut verankert. Er geht zurück auf die Alma Ata- und die Ottawa-Deklaration. Konzeptionell spricht man von Health in All Policies, auf den wir zurückgreifen, um auch die sozialen und politischen Determinanten von Gesundheit zu beeinflussen. Unter diesen Vorzeichen werden wir uns auch an unserem diesjährigen Symposium mit den entwicklungspolitischen Strategien der Schweiz und der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) befassen.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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