HIV, Aids und Advocacy: Die Politik verändern

Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase der internationalen Aidsbekämpfung. Die Erfolge der letzten zehn Jahre lassen sich sehen. Über 6 Millionen HIV-positiver Menschen können heute auch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen behandelt werden. Die Zahl der Neuinfektionen hat in Afrika südlich der Sahara ihren Peak überschritten. Dank dem unermüdlichen Engagement von HIV-Betroffenen, Aktionsgruppen und Organisationen, dem weltweiten politischen Engagements, der wissenschaftlichen Innovationen und finanzieller Investitionen scheint heute ein Ende der Aidsepidemie in Sicht zu sein.

Für die Menschen in Simbabwe, Tansania oder Indien ist das Schreckensgespengst der Aidsepidemie noch lange nicht entschwunden. Im Gegenteil: 1‘800 Menschen infizieren sich täglich neu mit dem Virus. In fast allen Ländern Afrikas südlich der Sahara sind die Mehrheit der HIV-Positiven Frauen, insbesondere Mädchen und junge Frauen zwischen 15 und 24. Die Zahl der HIV-positiven und aidskranken Menschen steigt weiterhin an.

Die Chancen, die Aidsepidemie zu beenden, könnten leichtfertig verspielt werden. Um die Erfolge aufrechtzuerhalten und die Aidsepidemie zu besiegen braucht es ein verstärktes politisches Commitment und mehr Finanzen. Doch die internationale Aufmerksamkeit für HIV und damit einhergehend die Finanzierung schwindet. Noch liegen grosse Aufgaben vor uns, um die 14,2 Millionen Menschen, die behandelt werden sollten, langfristig zu behandeln, um zu verhindern, dass Babies bei der Geburt infiziert werden oder um der Stigmatisierung und Ausgrenzung von Risikogruppen entgegenzuwirken.

Auch heute sind es vor allem HIV-Betroffene, Aktionsgruppen und Organisationen in den von Aids nach wie vor am härtesten betroffenen Ländern, die sich unermüdlich für den Zugang aller Menschen zu Prävention, Behandlung und Pflege einsetzen. Aus Selbsthilfegruppen sind Advocacy-Teams geworden. In Simbabwe ist ein solches Team von BHASO, einem Partner von fepa, von Dorf zu Dorf gegangen und hat die Anliegen der Leute aufgenommen. Mit Informationen über Mängel und Argumenten ausgerüstet sind sie an die verantwortlichen Behörden und PolitikerInnen gelangt, haben den Dialog gesucht und wo notwendig ihre Stimme mit Demonstrationen verstärkt. Mit einigem Erfolg: die Medikamente und Nahrungspakete gelangen jetzt tatsächlich in die ländlichen Regionen zu den Leuten. Ihr Beispiel hat Schule gemacht, sie sind jetzt auch auf nationaler Ebene ein ernstzunehmender Partner zu Advocacy und Aids.

Die Treatment Action Campaign (TAC) in Südafrika hat eine zentrale Rolle gespielt in der Aidspolitik des Landes und ist weltweit bekannt als Modell erfolgreicher Advocacy. Seit 1998 hat TAC die Regierung in Bezug auf die Gesundheitsversorgung in die Pflicht genommen, hat Kampagnen gegen die offizielle Aidsverleugnung und gegen international führende Pharmaunternehmen geführt, um Aidsmedikamente bezahlbar zu machen.

Die Fachtagung von aidsfocus.ch, der Fachplattform des Netzwerkes zu HIV und Aids, stellt am 17. April 2012 in Bern Advocacy im Kontext von HIV und Aids ins Zentrum. Sie werden Gelegenheit haben, zusammen mit PartnerInnen aus Simabwe, Südafrika, Tansania und Indien sowie VertreterInnen des Schweizer Parlaments, der DEZA und Schweizer NGOs Möglichkeiten und Grenzen der Advocacyarbeit erkunden in Hinblick auf unser Ziel: Gesundheit für alle.

Helena Zweifel Geschäftsführerin Netzwerk Medicus Mundi Schweiz, Koordinatorin der Fachplattform aidsfocus.ch

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