Illegaler Organhandel – Folge von Armut und Verletzlichkeit

Die WHO schätzt, dass von den jährlich durchgeführten 65'000 Nierentransplantationen 5-10% illegal sind. Diese erfolgen gegen Bezahlung und die SpenderInnen sind nur unzureichend über die Folgen informiert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat jüngst die Geschichte einer solchen Transplantation recherchiert. Involviert sind eine dubiose Klinik im Kosovo, ein Vermittler in Israel, ein Chirurg aus der Türkei, ein Arzt aus Deutschland, welcher die Klinik finanziert haben soll. Im menschlichen Zentrum stehen ein deutscher Mann, der dringend auf eine Niere angewiesen ist, und eine israelische Frau mit russischen Wurzeln, die verarmt ist und mit dem Verkauf ihrer Niere, die Tochter zu sich kommen lassen wollte.

Eine unzureichende Zahl an Organen hier und Armut, Abhängigkeiten und Verletzlichkeit dort sind die Faktoren, die den illegalen Markt mit Organen antreiben. Im vergangenen Dezember hat die Coalition for Organ-Failure Solutions (COFS) untersucht, wie sudanesische Flüchtlinge in Ägypten zur Spende ihrer Niere gezwungen werden. Sie hat 57 Opfer mit einem Durchschnittsalter von 23.5 Jahren ausgemacht. Den Flüchtlingen wurde weis gemacht, dass sie durch die Flucht und die Betreuung in Ägypten exorbitant hohe Schulden zu begleichen hätten. Einzig mit der Spende ihrer Niere könnten sie diese Schuld begleichen.

Den Opfern gaukeln die Vermittler vor, dass eine Nierenentnahme völlig unproblematisch sei, was nicht stimmt. Kommt dazu, dass die SpenderInnen nach der Operation nur unzureichend bis gar nicht medizinisch begleitet werden. Eine Untersuchung des pakistanischen Sindh Institute of Urology and Transplantation (SIUT) zeigt, dass von 239 SpenderInnen 93% ihre Niere verkauft haben, um Schulden zu begleichen. 85% berichteten, dass sich ihre wirtschaftliche Situation überhaupt nicht verbessert habe. (Budiani, Delmenico 2008) Die Behauptung, dass von diesem Geschäft Arme profitieren könnten, entbehrt jeder Grundlage.

Im Kampf gegen den Organhandel ist noch immer die Deklaration von Istanbul von 2008 wegweisend. Unter anderem wird gefordert, dass jedes Land durch Aufklärung dafür sorgen soll, dass genügend Organspenden vorhanden sind. In der Schweiz konnten im vergangenen Jahr 282 Nieren transplantiert werden – auf der Warteliste befanden sich 1'185 PatientInnen.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

Quellen: Die gekaufte Niere. In: Der Spiegel, 31/2012 (online nicht verfügbar)

Coalition for Organ-Failure Solutions: Human Trafficking for an Organ Removal (HTOR): A Call for Prevention, Protection, Investigations and Accountabiliy. Briefing before the Tom Lantos Human Rights Commission United States Congress. 23 January 2012. http://bit.ly/Mf4VZf

  1. A. Budiani-Saberi, F. L. Delmonicob: Organ Trafficking and Transplant Tourism: A Commentary on the Global Realities. In: American Journal of Transplantation 2008; 8: 925–929. http://bit.ly/R8IRzN

Bundesamt für Gesundheit: Zahlen und Fakten zu Nierentransplantationen. http://bit.ly/NwizT6

Newsletter abonnieren