Implementation Research: Neugier schafft Neues

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz hat sich in einer Studie und an einem Workshop damit auseinandergesetzt, wie Schweizer Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit die Umsetzung ihrer Programme mit wissenschaftlichen Fragestellungen begleiten. Das Ergebnis: Es geht nichts ohne Neugier.

Es ist Freitagmorgen, viel zu spät, um das monatliche Editorial zu schreiben. Was fast noch nie passiert ist, schien bis am Mittwochabend einzutreffen: Der Gedanke, dass mir dieses Mal wohl wirklich nichts einfallen würde. Und dann kam der Donnerstag, an dem sich rund 25 Netzwerkmitglieder in Bern zu einem Workshop getroffen haben. Die Folge davon: Ich sitze da, mit zu vielen Themen im Kopf…

Ziel des gestrigen Workshops war es, Schlüsse aus einer Studie zu ziehen, die das Institut für Sozial- und Präventivmedizin für Medicus Mundi Schweiz (MMS) durchgeführt hat. Die nun vorliegende Analyse setzt sich mit der Frage auseinander, wie Schweizer Nichtregierungsorganisationen, die in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätig sind, Implementation Research anwenden und welche institutionelle Schwierigkeiten es dabei gibt.

Implementation Research untersucht die Umsetzung von Programmen und Projekten im Gesundheitsbereich mit wissenschaftlichen Methoden. Sie ist weder eine Evaluation noch eine Impact Studie. Ihre Fragestellungen entwickelt sie kontextbedingt aus dem Feld und hat immer zum Ziel, zusammen mit der involvierten Bevölkerung, das notwendige Wissen zu generieren, um die Arbeit konkret zu verbessern und die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich Programme weiterentwickeln und nach Bedarf ausgeweitet werden können. Implementation Research arbeitet in der Regel multidisziplinär.

Aufgrund dieser komplexen Ausgangslage ergeben sich verschiedene Herausforderungen für die Organisationen: Wie kann wissenschaftliche Kompetenz innerhalb einer Organisation verankert werden? Wie lässt sich Implementation Research finanzieren? Wie gestaltet man die notwendigen Partnerschaften mit akademischen Institutionen, ohne dabei den Einfluss auf die Fragestellung aus der Hand zu geben?

Der Workshop hat Wege aufgezeigt, wie MMS die Thematik zusammen mit seinen Mitgliedsorganisationen angehen kann, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Ganz deutlich wurde: Implementation Research ist nicht nur eine Angelegenheit für grosse und mittelgrosse Organsiationen. Notwendig ist vor allem eines: Eine neugierige und selbstkritische Grundhaltung, welche bereit ist, zusammen mit den Partnern vor Ort, sich grundlegende Fragen bezüglich der Programme zu stellen. Neugier erschafft neue Perspektiven auf laufende Prozesse jenseits der Logframe-Logiken. Sie ist Voraussetzung, um innovativ und kreativ zu bleiben.  

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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