Jung, wissbegierig, gefährdet

Jugendliche in aller Welt stossen auf zahlreiche Barrieren, wenn es darum geht, sich zu HIV-Prävention oder Verhütung zu informieren. Oft sind diese Themen tabu oder es fehlen entsprechende jugendfreundliche Dienstleistungsangebote. Seit einigen Jahren plädieren internationale Organisationen wie UNAIDS, WHO, IPPF oder auch die DEZA für die Notwendigkeit, Programme der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und HIV-Prävention und -Behandlung enger miteinander zu verknüpfen und solche Programme jugendfreundlicher zu gestalten.

Dennoch geschieht bisher herzlich wenig… Fehlt es an konkreten Modellen für die engere Verknüpfung? Ist es das Unbehagen, Jugendlichen solche Dienste anzubieten? Liegt es an den Finanzierungsmechanismen, welche krankheitsspezifischen Programmen den Vorrang geben? Oder fehlt der politische Wille für ein effektives Engagement zur Förderung und Verknüpfung von HIV und reproduktiver Gesundheit und Rechte?

Meist gehen wir davon aus, dass StudentInnen zur privilegierten Gruppe gehören würden, die am ehesten Zugang zu Informationen und Dienstleistungen zur Prävention und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten, einschliesslich HIV, hätten. Dies ist nicht überall der Fall. „Wir stellen in Zimbabwe eine besorgniserregenden Anstieg von sexuell übertragbaren Infektionen bei jungen Leuten in den letzten Jahren fest“, sagt Beatrice Savadye von der zimbabwischen NGO SAYWHAT. „Gemäss dem nationalen Aids Council gab es 15 000 Infektionen bei jungen Frauen und 9 000 bei jungen Männern, was einer Steigerung um 150 Prozent seit 2008 gleichkommt.“ Der Mangel an jugendfreundlichen Foren zu sexueller Gesundheit war 2003 mit ein Grund für die Gründung von SAYWHAT, dem Student And Youth Health Working On Reproductive Health Action Team. Junge Menschen sind wissbegierig und gefährdet, doch 65 Prozent der HochschulstudentInnen in Zimbabwe hat heute keinen Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten. Mit entspechend negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Ausbreitung der Aidsepidemie.

Auch für das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz ist die Förderung und Verknüpfung von reproduktiver Gesundheit und HIV ein grosses Anliegen. Auf Erfahrungen von Beatrice Savadye und weiteren PartnerInnen aus Süd und Nord aufbauend sollen an der Fachtagung von aidsfocus.ch Fachtagung „HIV, Sexualität und Jugend“ am 7. April 2011 in Bern Strategien zum Zugang aller zu umfassenden reproduktiven Gesundheitsdiensten diskutiert werden.

Helena Zweifel Geschäftsführerin Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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