Mehr Aufmerksamkeit für den Weltgesundheitsbericht, bitte!

Der Weltgesundheitsbericht ist da – in der Schweizer Politik fällt er aber auf bescheidne Resonanz. Dabei legt er den Finger auf ein für die globale Gesundheit zentrales Thema: Wie können die Gesundheitssysteme finanziert werden, damit der Zugang für alle gewährleistet ist?

Für viele Menschen auf der ganzen Welt bedeutet Krankheit Armut. Um Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen, müssen sie direkt Geld auf den Tisch legen und gleichzeitig verlieren sie ihr Einkommen, ohne dass dieser Ausfall durch irgendeine Versicherung gedeckt würde. Die Zahlen, die der Weltgesundheitsbericht auf den Tisch legt, sind verheerend: Jährlich werden hundert Millionen Menschen in die Armut gestossen, weil sie erkranken.

Der Weltgesundheitsbericht schlägt drei Massnahmen vor, wie die nationalen Gesundheitssysteme finanziert werden können: Durch Steuern etwa auf Alkohol- oder Tabak sollen mehr gesundheitsbezogene Fonds eingerichtet werden. Das finanzielle Risiko soll über Poolbildung mit Steuern oder Versicherungen abgesichert werden. In der Effizienzsteigerung und Verbesserungen in den Gesundheitssystemen selbst, macht der Weltgesundheitsbericht schliesslich weiteres Potential fest.

Auch die Entwicklungsländer sind gefordert diesbezügliche Verbesserungen einzuleiten. Sie müssen der Gesundheitsversorgung die nötige Priorität geben. Einige afrikanische Staaten setzen nach wie vor weniger als 15% für die Gesundheit in ihren nationalen Budgets ein, obwohl sie sich in der Abuja Deklaration von 2001 dazu verpflichtet haben.

Gleichzeitig macht der Weltgesundheitsbericht aber auch klar, dass viele Entwicklungsländer die Gesundheitsziele nicht ohne die Unterstützung der reichen Länder erreichen können. Diese Botschaft hat den Nationalrat offenbar nicht erreicht, als er sich in der jetzigen Wintersession gegen die Aufstockung der Entwicklungshilfegelder gewehrt hat.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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