Menschenrechte zur Förderung der Sexuellen und Reproduktiven Gesundheit – eine Realität für alle?

Die diesjährige MMS/aidsfocus.ch Fachtagung vom 4. Mai in Bern setzt sich mit dem menschenrechtsbasierten Ansatz auseinander, mit welchem die sexuelle und reproduktive Gesundheit weltweit gestärkt werden soll: Ein Ansatz, der einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel impliziert.

An der diesjährigen Fachtagung des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz widmen wir uns einem wesentlichen Aspekt zur Verwirklichung der Gesundheit für alle; nämlich dem menschenrechtsbasierten Ansatz in den  Programmen und deren Implementierung („human rights based approaches to programming“). Der menschenrechtsbasierte Ansatz rückt die Rechte der EmpfängerInnen in den Vordergrund und befähigt Menschen in Entwicklungsländern ihre Rechte zur Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse einzufordern. Er unterstützt die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und politischer Mitbestimmung. Sie sind damit nicht mehr blosse EmpfängerInnen von Hilfsleistungen, sondern Anspruchsberechtigte und RechtsträgerInnen (rights holders) gegenüber staatlichen Institutionen (duty bearers), die nun verpflichtet sind, diese Rechte umzusetzen.

Der Staat in der Pflicht

Ein menschenrechtsbasierter Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit bedeutet einen Perspektivenwechsel. Es kann keine nachhaltige Entwicklung ohne Achtung der Menschenrechte geben. Menschenrechtsverletzungen geschehen täglich; jedes Mal wenn ein Mädchen unter 18 Jahren verheiratet oder wenn einem Kind eine Ausbildung verweigert wird. Seit der Bevölkerungskonferenz von Kairo im Jahr 1994 konnten die sexuellen und reproduktiven Rechte als Teil der Menschenrechte weltweit gestärkt werden. Trotz der erzielten Fortschritte, existieren aber noch immer zahlreiche Verletzungen der sexuellen und reproduktiven Rechte aufgrund von rechtlichen, politischen und bürokratischen Hindernissen, sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Gesundheitssektors.

Heute besteht ein Konsens, dass ohne die Verwirklichung der Menschenrechte, die Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele nicht möglich sein wird. Es gilt mit vereinten Kräften die rechtlichen, politischen und regulatorischen Hindernisse zu erkennen und sie gemeinsam zu überwinden. Wir freuen uns, Sie an unserer Fachtagung begrüssen zu dürfen und mit Ihnen dieses Thema zu diskutieren. 

Carine Weiss
Koordinatorin  aidsfocus.ch
Projektleiterin Medicus Mundi Schweiz

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