Mit welchen globalen Gesundheitszielen gewinnen alle?

  1. Millionen Menschen werden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich in die Armut gestossen, weil sie medizinische Hilfe benötigen, aber keine finanzielle Absicherung dazu haben. Die Gesundheitsversorgung auch in Entwicklungsländer so zu finanzieren, dass qualitativ gute Angebote für alle bestehen, möchte die WHO mit Universal Health Coverage (allgemeine Gesundheitsversorgung, UHC) erreichen. Die internationale Politik diskutiert UHC als übergeordnetes Ziel für die künftigen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele, die 2015 die Millenniumsentwicklungsziele ablösen sollten.

Das diesjährige MMS Symposium hat das UHC-Konzept kritisch diskutiert. Die Stärken des Konzepts liegen darin, dass es einen ganzheitlichen, die Gesundheitssysteme fokussierenden Ansatz verfolgt. „Universal Health Coverage ist der Ansatz mit welchem wir sicherstellen können, dass alle Menschen diejenigen Gesundheitsdienstleistungen erhalten, die nahe bei ihnen sind, und die auch bezahlbar sind,“ sagte David Evans von der WHO.

Auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) begrüsst das Konzept, hängt es aber für die künftigen Entwicklungsziele tiefer. Gerhard Siegfried, Themenverantwortlicher Gesundheit und Abteilungsleiter Ost- und Südliches Afrika DEZA: "Wir proklamieren als Zielsetzung die Maximierung der Gesundheit für alle in allen Lebensabschnitten. Universal Health Coverage wäre demnach ein Zwischenziel neben anderen, wie der Weiterführung der momentanen Millenniumsentwicklungsziele, sowie einem weiteren zu Nichtübertragbaren Krankheiten und mentaler Gesundheit."

Doch woher kommen die finanziellen und personellen Ressourcen, um Universal Health Coverage überhaupt in den Entwicklungsländern umzusetzen? Bei dieser im WHO-Konzept Leerstelle setzt Remco van de Pas von der niederländischen Organisation wemos ein. Hinter UHC stünden auch wirtschaftlichen Interessen reicher Länder und ihrer Finanzindustrie, Krankenversicherungen den aufstrebenden Mittelschichten in Schwellen- und Entwicklungsländern zu verkaufen und in den globalen Wachstumsmarkt Gesundheit zu investieren. „Doch die Probleme in den europäischen Krisenländern zeigten, wie fragil ein derart gebautes Gesundheitssystem ist,“ führte Remco van de Pas aus.

Aus dieser Problematik leitet sich die Fragestellung ab, welche Rolle der internationalen Gemeinschaft zukommt UHC in den ärmsten Ländern zu fördern. Soll die Entwicklungshilfe mit ihrem dahinterstehenden karitativen Kern auch mit der neuen entwicklungspolitischen Agenda fortgesetzt werden? Vielversprechender könnte es demgegenüber sein, ein neues Konzept globaler Solidarität zu entwickeln, das auf dem Menschenrecht auf Gesundheit basierte und woraus sich dann für die verschiedenen AkteurInnen Verpflichtungen ableiten liesse.

Martin Leschhorn Strebel Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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