40 Jahre Alma-Ata: Grundrechte und kommerzielle Interessen

Die Deklaration von Alma-Ata lässt sich auch 40 Jahre nach ihrer Verabschiedung nicht vom Tisch wischen. Was steht hinter ihrer Aktualität?

Es kommt nicht häufig vor, dass eine Konferenz und ihre Schlusserklärung auch vierzig Jahre später noch zu reden geben und auf ihre Relevanz hin abgeklopft wird. Die Alma-Ata-Deklaration zur Basisgesundheitsversorgung ist ein solches Dokument. Die Weltgesundheitsversammlung führt eine eigene Session dazu durch, die Weltgesundheitsorganisation plant eine Nachfolgekonferenz in Kasachstan, zivilgesellschaftliche Plattformen führen eigene Konferenzen durch – und auch unser Netzwerk widmet seinen diesjährigen Jahresschwerpunkt der Zukunft der Basisgesundheitsversorgung und von Gesundheit für alle.

Demokratischer Ansatz

Weshalb also die ununterbrochene Auseinandersetzung mit der Alma-Ata-Deklaration? Eines ist sicher: Ganz offenbar ist sie noch nicht umgesetzt, denn sonst würde niemand über sie sprechen wollen. Gleichzeitig müssen die Kernaussagen noch so anziehend sein, dass sie nicht einfach als kalter Kaffee daherkommen.

Ich denke, der Kern liegt im fundamental demokratischen Ansatz, der in der Deklaration postuliert wird. Die Legitimität jeder Gesundheitspolitik speist sich aus dem partizipatorischen Prozess, der dahinter steht. Es sind die umfassend verstandenen gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen, der Gemeinschaften und der Gesellschaften, welche sich in einer qualitativ guten Basisgesundheitsversorgung ausdrücken.

Dieser demokratische Ansatz der Alma-Ata-Deklaration steht im Widerspruch zu den unterschiedlichsten kommerziellen Interessen, die den globalen Gesundheitsmarkt prägen. Deshalb bleibt die Debatte rund um die Basisgesundheitsversorgung und Gesundheit für alle auch heute noch umstritten und höchst aktuell.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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