Nachrichten vom 11. Mai 2010

„Jeder Rappen zählt“: Frischer Wind und viele Floskeln

Bereits mehr als vier Monate liegt die Mega-Spendenaktion „Jeder Rappen zählt“ von Radio DRS 3, dem Schweizer Fernsehen und der Glückskette zurück, doch noch immer sorgt sie für rote Kopfe bei VertreterInnen von Nonprofitorganisationen. Eben hat sich auch der Branchenverband Swissfundraising zu einer allfälligen Wiederholung im kommenden Dezember vernehmen lassen. In einem Brief an die SRG schreibt er: „Dank ihrer Sendeinfrastruktur drohen öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio die Aufmerksamkeit zu monopolisieren und die Spenden sammelnden Organisationen in dieser für sie so wichtigen Zeit ins Abseits zu drängen."

Radio und Fernsehen stellten während des Dezembers den Kampf gegen Malaria ins Zentrum ihrer publizistischen Arbeit. Solch eine Aufmerksamkeit erhalten sonst Themen der globalen Gesundheit nie. Die Aktion „Jeder Rappen zählt“ stellte damit durchaus eine Chance für die in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätigen Organisationen dar. Benjamin Gross, PR-Verantwortlicher unserer Mitgliedorganisation SolidarMed, unterstreicht dies: „Niemals hätte mit den gesammelten Millionen der Aufwand und die Sendezeit bezahlt werden können, um endlich mal das sonst gern vergessene Thema Malaria in die Medien zu bringen.“

„Jeder Rappen zählt“ feierte eine Schweiz, die sich solidarisch mit den Ärmsten zeigt – und das ist durchaus positiv. Umgekehrt wirkte die Aktion so blutleer wie der Glaskasten, in welchen sich die Stars von DRS 3 während einer Woche einsperren liessen. Weshalb? Weil die SRG den Eventcharakter und den Spassfaktor all unserer geliebten Cervelatpromis über die politische Dimension des Themas stellte. Zusammenhänge zwischen globaler Armut und Krankheit wurden an den Rand gedrängt. Die Frage nach der Haltung der offiziellen Schweiz in der Armutsbekämpfung und dem Einsatz für die Gesundheit der Ärmsten blieb ausgespart. Benjamin Gross von SolidarMed stimmt dem zu – und trotzdem sieht er in der gewählten Form ein innovatives Modell: „Die Hilfswerke sollten diesen frischen Wind nutzen – er bläst Staub von den Segeln und bringt uns vorwärts.“

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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