Nachrichten vom 15. November 2006

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wie so oft am Morgen früh sitze ich im Zug zwischen Bern und Basel, schaue zum Fenster hinaus in den erwachenden Morgen, werfe einen Blick in die Zeitung. Ein Kurzhinweis auf der Frontseite weckt meine Aufmerksamkeit: "Junge Helferin. Die 21 jährige Melanie M. unterstützt in Nepal eine Schule für tibetische Flüchtlinge."

Es ist die ermutigende Geschichte einer jungen Frau, die als Rucksacktouristin nach Nepal gereist war, dann als Freiwillige wiederkam und, berührt vom Schicksal eines kleinen Jungen, begann, Geld für seinen Schulbesuch zu sammeln. Inzwischen ist sie Präsidentin eines kleinen Hilfswerks geworden, welches die Schule mit zahlreichen kleinen Projekten unterstützt. Mit den Spenden wachsen die Projekte, nun soll Bauland für ein eigenes Schulhaus erworben werden. "Das Vertrauen, das mir die Leute schenken, gibt mir Mut", sagt Melanie. Soweit eine Erfolgsgeschichte.

Doch mit den Spenden und Projekten wachsen auch die Probleme, sagt eine warnende Stimme in mir. Ich spinne die Geschichte weiter, sehe, wie Melanie Projektreisen für Verwandte und Freunde organisiert, für tatsächliche und potentielle SpenderInnen, um den Spendenfluss sicherzustellen. Ich sehe, wie sie in Bezug auf den Landkauf an die Grenzen ihrer Kapazitäten kommt. Denn wer klärt die rechtlichen Grundlagen für den Landkauf und den Bau des Schulhauses ab? Wer führt Verhandlungen mit Behörden und Baumeistern? Wer stellt die Qualität sicher? Zudem: Berichte müssen geschrieben, Projektanträge eingereicht, Indikatoren festgelegt, Resultate erzielt werden…

Unnötige Sorgen? Viele kleine Organisationen sind irgendwo auf dem Weg der Entwicklung von einer gut gemeinten kleinen Solidaritätsaktion, die auf Vertrauen und Loyalität zwischen FreundInnen hüben und drüben beruht, zur "Hilfsorganisation" unterschiedlichen Bürokratisierungsgrades. Dabei werden sie mit zahlreichen Fragen und neuen Herausforderungen konfrontiert.

Im Rahmen von Workshops und Meeting Points und neuerdings individuellen Beratungsangeboten greift Medicus Mundi Schweiz solche Fragen und Anliegen von "kleinen Fischen im Netz" auf. Ich hoffe, dass dieses Angebot bei Organisationen innerhalb und ausserhalb unseres Netzwerks auf reges Interesse stösst. Informationen dazu finden Sie in diesen MMS-Nachrichten und auf unserer Website.

Ich wünsche allen kleinen und grossen Fischen im Netz eine gute Lektüre.

Helena Zweifel, Co-Geschäftsführerin Medicus Mundi Schweiz. Netzwerk Gesundheit für alle

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