Nachrichten vom 16. März 2010

Aidsprogramme und Gesundheitssysteme im Widerspruch?

Soll angesichts der schlechten Wirtschaftslage weltweit in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit gespart werden? So jedenfalls denkt der Bundesrat einer der reichsten Länder der Erde. Trotz Parlamentsbeschluss weigert er sich, eine Zusatzbotschaft zur Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,5 Prozent des Bruttosozialprodukts vorzulegen. Dies hat ihm jüngst eine berechtigte Rüge des Ständerates eingebracht hat.

Im Rahmen der allgemeinen Sparmassnahmen wird auf dem internationalen Parkett vermehrt Kritik an aidsspezifischen Initiativen geäussert, begleitet von der Forderung, Entwicklungshilfegelder aus Aidsprogrammen heraus zu nehmen und in andere Gesundheitsprioritäten zu investieren. Beliebte Beispiele sind Programme zur Gesundheit von Mutter und Kind und zur Stärkung von Gesundheitssystemen.

Die aktuelle Debatte um die Stärkung der Gesundheitssysteme versus Stärkung der Aidsprogramme erachte ich jedoch als falsch. Studien belegen, dass der verbesserte Zugang zu Aidsbehandlung nicht nur das Leben von Menschen mit Aids gerettet hat, sondern auch insgesamt die Sterblichkeit in einigen Ländern mit hoher HIV-Prävalenz gesenkt hat. Eine Studie von Médecins Sans Frontières (MSF) belegt am Beispiel von Malawi und Südafrika, wie die allgemeine Sterblichkeitsrate in Gegenden, in denen der Einsatz antiretroviraler Therapie hoch ist, signifikant zurückging. Vor allem in Ländern mit hoher HIV-Prävalenz zeigte die Aidsbehandlung positive Auswirkungen auf andere wichtige Ziele im Gesundheitsbereich, vor allem auf die Mutter-Kind-Gesundheit.

aidsfocus.ch, der Fachplattform des Netzwerkes Medicus Mundi Schweiz zu HIV, Aids und internationaler Zusammenarbeit, greift diese Fragen auf und lädt Sie ein zu einer Fachtagung am 14. April 2010 in Bern. Namhafte ExpertInnen diskutieren die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven und regen zur Reflektion an.

Wie der Globale Fond zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria mit der veränderten Situation umgeht, darüber berichtet Dr. Christoph Benn, Direktor für Partnerschaft und Kommunikation beim Globalen Fond. Die Direktorin der Internationalen AIDS Society, Robin Gorna, beschreibt die gegenwärtige Situation als Notsituation, da mit erschwertem Zugang zu Aidstherapien oder deren Unterbruch die Risiken der Resistenzbildung erhöht und die Erfolge der letzten zehn Jahre untergraben werden. Aus Uganda informiert Dr. Lydia Mungherera, HIV-positive Ärztin und engagierte Expertin in Sache Aids über die Auswirkungen von rückläufigen Finanzierungen auf Programme in den Dörfern und Gemeinschaften.

Wie gehen Hilfswerke und Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit mit diesen Fragen um? Wie setzen wir die knapper werdenden Ressourcen möglichst wirksam ein? Wie geht die Schweiz, insbesondere die DEZA, mit den eingegangen Verpflichtungen zu den Milleniumsentwicklungszielen um, bis ins Jahre 2010 allen HIV-Infizierten weltweit den Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten?

Wir würden uns freuen, mit Ihnen an der Fachtagung „The future of the global AIDS response. Implications for NGOs“ am 14. April 2010 in Bern diese Fragen diskutieren zu können.

Helena Zweifel Geschäftsführerin Medicus Mundi Schweiz Koordinatorin aidsfocus.ch

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