Nachrichten vom 23. Juni 2009

Baustelle internationale Gesundheitspolitik: Interessenpolitik und Prinzipien

Liest man sich durch die verschiedenen Dokumente der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung (WHA) und die Statements der NGOs zu deren Ergebnissen, wähnt man sich auf einer endlosen Grossbaustelle. Es gibt die unterschiedlichsten BauarbeiterInnen, die mit den unterschiedlichsten Maschinen an den unterschiedlichsten Gräben bauen.

Die Schweinegrippe prägte die 62. WHA. Eine für die Entwicklungsländer sehr entscheidende Frage blieb aber unbeantwortet. Von Influenzaviren betroffene Länder stellen die Viren der WHO zur Verfügung. Die Pharmafirmen erhalten kostenlosen Zugang dazu, um einen Impfstoff zu entwickeln, welchen die Industrie mit Patenten schützt und damit den Zugang für Entwicklungsländer erschwert.

Überhaupt bleiben die Themen rund um den Zugang zu Medikament und den Austausch von Wissen weiter in der Schwebe. Die WHA entzog auf Druck der Industrieländer und der Pharmaindustrie der WHO die Aufgabe, an einem Rahmenvertrag zu Forschung und Entwicklung von Medikamenten (R&D; Treaty) mitzuwirken. Gleichzeitig darf sich die Expertengruppe zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung weiter damit beschäftigen. Es ist also denkbar, dass das Thema im nächsten Jahr wieder auf der Traktandenliste der WHA steht.

Der Blick auf die Grossbaustelle internationale Gesundheitspolitik weist aber auch auf neue Themen, die es zu verfolgen gibt. Dieses Jahr von der Traktandenliste verschwunden, aber dennoch intensiv weiterverfolgt, wird ein Code of Conduct zur Rekrutierung von Gesundheitspersonal. Der Mangel an Gesundheitspersonal im Norden führt zur Migration von gut ausgebildeten Menschen aus dem Süden, was die dortigen Gesundheitssysteme belastet.

Hier steht uns eine interessante Debatte bevor, in welchen das Interesse der Herkunftsländer, ihr selbst ausgebildetes Personal einzusetzen auf dasjenige des Nordens trifft, dem Mangel an Pflegepersonal zu begegnen. Gut also, dass es neben diesen handfesten Interessengegensätzen Übereinstimmung in prinzipiellen Fragen gibt. In einer Resolution begrüsste die WHA die Erneuerung der Primary Health Care Grundsätze, wie dies im letztjährigen Weltgesundheitsbericht geschehen ist. Insbesondere fordert sie, dass vertikale Programme der Krankheitsbekämpfung in die Basisgesundheitssysteme integriert werden müssen.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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