Nachrichten vom 25. August 2009

Änderungen in der internationalen Gesundheitspolitik jetzt vorantreiben

Krisen bringen es mit sich, dass sich politische Fronten aufweichen, Wertvorstellungen in Frage gestellt und neue politische Forderungen Raum gewinnen können. Die Krise stellt neben all dem Leid, dass sie gerade im globalen Süden verursacht eine Chance für die internationale Gesundheitspolitik dar.

Das Konzept der Basisgesundheitsversorgung, wie sie in Alma Ata gezeichnet und durch den letztjährigen Weltgesundheitsbericht weiterentwickelt wurde, wird weiter gestärkt werden. Der Prozess weg von allein auf einzelne Krankheiten fixierte, vertikale Programme, wie sie unter neoliberalen Vorzeichen durch die Weltbank propagiert wurden, hin zu einem umfassenderen Ansatz der Gesundheitsversorgung dürfte sich noch beschleunigen.

Der Chefredaktor von „The Lancet“, Richard Hurton, stellte kürzlich angesichts der Krise radikale Fragen: „Soll der Global Fund mit UNAIDS fusionieren? Soll er sich wirklich nur auf die Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria konzentrieren? Soll die Weltbank radikal ihre Aufgabe ändern? Können jetzt UN Reformen so vorangebracht werden, dass sie mehr den geopolitischen Realitäten entsprechen?“

Ein Modell, dass die Gerechtigkeit ins Zentrum stellt, fordern im Britisch Medical Journal Michael Marmot und Ruth Bell. Der ehemalige Präsident und das ehemalige Sekretariatsmitglied der WHO „Commission on the Social Determinants of Health“ sehen dabei drei Ansatzpunkte, welche die globale Politik angehen müsste: die wachsende Ungleichheit innerhalb vieler Länder, die globale soziale und gesundheitliche Ungleichheit sowie das drängende Problem der Klimaveränderung und Umweltzerstörung.

Krisen bieten also die Möglichkeit wieder umfassender zu denken. Doch ist das Zeitfenster dafür meist kurz: Es besteht nun auch die Gefahr, dass die Probleme nicht global im Sinne einer umfassenden sozialen Gerechtigkeit angegangen werden, sondern dass stattdessen nationalkonservative Kreise mit isolationalistischen Politikkonzepten die Probleme noch verschärfen.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

Quellen: Richard Horton: The global financial crisis: an acute threat to health. In: The Lancet, Volume 373, pp 355-356, 31 January 2009

Michael Marmot & Ruth Bell: How will the financial crisis affect health? In: British Medical Journal, 11 April 2009, Volume 338, pp. 858-860

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