Nachrichten vom 25. September 2008

Liebe Leserin, lieber Leser

Nein, es ist nicht die Frage nach dem Huhn und dem Ei, ob es nun zuerst eine Demokratisierung in der Gesellschaft braucht, damit sich die Gesundheitssysteme verbessern, oder aber, ob sich die Gesundheitssysteme erst verbessern müssen, damit sich die Gesellschaft demokratisiert.

Unter anderem darüber diskutieren wir am 7. Symposium der schweizerischen Gesundheitszusammenarbeit am 11. November in Basel. Die Deklaration von Alma Ata, deren 30jähriges Jubiläum thematischer Angelpunkt des Symposiums sein wird, forderte die Stärkung der lokalen Gemeinschaften zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Ein Ansatz, den wir heute als Empowerment bezeichnen.

Demokratisierung bringt nicht automatisch eine verbesserte Mitwirkung der Menschen mit sich. Als im 19. Jahrhundert mit dem liberalen Bundesstaat die moderne, demokratische Schweiz geschaffen wurde, blieben Frauen nicht nur politisch ausgeschlossen, sondern verloren in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auch Souveränität. So brachte die voranschreitende Professionalisierung im Gesundheitswesen eine Ein- und Unterordnung von bislang unabhängig arbeitenden Hebammen mit sich.

Durch den globalen Mangel an Gesundheitspersonal stellt sich die Frage heute unter neuen Vorzeichen. Wie kann das als mögliche Lösung propagierte Task-Shifting, d.h. die Übernahme von medizinischen Aufgaben durch weniger spezialisiertes Gesundheitspersonal, gestaltet werden, dass damit auch ein Empowerment der Betroffenen einhergeht.

Was also kommt zuerst, die gesellschaftliche Demokratisierung oder die Verbesserung der Gesundheitssysteme? „Bah“, sagen Sie jetzt, „das ist ein komplexerer Prozess, der nicht getrennt voneinander betrachtet werden darf.“ Das müssen Sie jetzt aber nicht Ihrem Computer sagen, sondern uns allen am Symposium. Ich freue mich auf Ihre Anmeldung!

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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