Nachrichten vom 26. Juli 2006

Dies ist die Last für Tyrus: Heulet, ihr Tarsisschiffe, denn Tyrus ist zerstört, daß kein Haus mehr da ist! (Jes 23,19)

Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als euch. (Mt 11,22)

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Ich komme euch sicher einmal besuchen, wenn der Krieg fertig ist!" - So habe ich mich vor etwa 18 Jahren als junger Rotkreuz-Delegierter mit Rührungstränen in den Augen vom IKRK-Team in Tyrus verabschiedet, wo ich knapp ein Jahr lang gearbeitet hatte. Ich wurde Hals über Kopf aus dem Süden des Libanon abgezogen, nachdem in Sidon ein anderer IKRK-Delegierter von Unbekannten entführt worden war. Meine Seele ist noch eine Zeitlang im Libanon geblieben und mir dann erst später nach Teheran und Luanda nachgereist.

Ich bin seither niemals mehr nach Tyrus zurückgekehrt, auch wenn inzwischen viele gemeint haben, der Krieg sei vorbei. Und grad jetzt wird Tyrus einmal mehr zerstört, kaputt bombardiert. Ich mag gar nicht hinsehen. Und erst recht nicht mehr hingehen. Im vorliegenden Newsletter finden Sie aber einige Berichte von Organisationen, die im Kriegsgebiet tätig sind. Mehr habe ich in der Sommerzeit, in der viele Büros und Websites nur sporadisch besucht werden, nicht gefunden.

In traurigen Gedanken an all die zerstörten Häuser, Menschen und Geschichten wünsche ich Ihnen eine gute Lektüre des Newsletters.

Thomas Schwarz, Co-Geschäftsführer Medicus Mundi Schweiz. Netzwerk Gesundheit für alle

  1. S.: Eigentlich wollte ich in diesem Editorial über eine neue "Spielwiese" im MMS-Newsletter berichten. Wir haben - vorerst einmal provisorisch - ein Forum eingerichtet, in welchem wir in loser Folge Themen und Aktualitäten der internationalen Gesundheit zur Debatte stellen, über die wir (oder Sie...) gerade gestolpert sind. Über den unsäglichen Krieg im Libanon wird auch sonst überall diskutiert, deshalb zum Beginn ein auf andere Weise anspruchsvolles Thema:

Die Novartis-Stiftung für Nachhaltige Entwicklung berichtet in ihrem letzten Newsletter über die Einführung resultatorientierter Kooperationsverträge in ihren Projekten und Programmen anstelle von Verträgen zur Erbringung von bestimmten Leistungen. Was beim alltäglichen Geschäften meist ganz selbstverständlich ist - ich bezahle den Elektriker ja nicht, weil er mich während drei Stunden im Büro besucht hat und irgend etwas vor sich hin gewerkelt hat, sondern weil nachher das Telefon wieder richtig funktioniert - wie funktioniert dies in der Praxis der Gesundheitszusammenarbeit? Darüber können im neuen "Mailforum" ganz unverbindlich Einschätzungen und Geschichten ausgetauscht werden. Mal sehen, ob es trotz Sommerhitze etwas daraus gibt.

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