Nachrichten vom 26. Mai 2009

Die Schweinegrippe, die Medien und die Gesundheitszusammenarbeit

Es ist durchaus erfreulich: Die Berichterstattung in den hiesigen Medien über die Schweinegrippe brachte sehr früh die Perspektive der Entwicklungsländer in die Debatte ein. Nach ersten Mutmassungen über die Folgen des Grippevirus A/H1N1 auf die Schweiz, widmeten sich einige Zeitungen und Radiostationen den Folgen einer Pandemie für Menschen, die in Ländern mit einer ungenügenden Gesundheitsversorgung lebten.

Und auch den Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen für alle thematisierten die Medien. Die Schweinegrippe als Katalysator für zentrale Themen einer solidarischen Gesundheitszusammenarbeit? „Durchaus“, meint Philipp Gerber von medico international gegenüber den MMS Nachrichten. „Vor rund drei Monaten verhallte unser Ruf nach einem solidarischen Zugang zu Medikamenten ungehört. Mit der Schweinegrippe hat sich das geändert.“ Es ist durchaus im Interesse der Partner von medico international im Süden, dass die Organisation hier in der Schweiz das Medieninteresse nutzt, um auf die schwierige Gesundheitsversorgung in Zentralamerika aufmerksam zu machen. Philipp Gerber vermisst an der hiesigen Berichterstattung einzig, „dass ganz konkret erzählt wird, was der Umgang mit einem Grippeverdacht in einem von uns unterstützten Gesundheitszentrum bedeutet.“

Neben der Thematisierung der Folgen einer Pandemie für die Gesundheitssysteme im Süden und der Zugang zu Medikamente und Impfstoffen für alle ist mir noch ein weiterer Aspekt der Berichterstattung aufgefallen: Die Rolle der WHO. Immer wieder dringen leise Zweifel am Krisenmanagement der Weltgesundheitsorganisation auf. Ist sie nun zu früh oder zu spät mit ihrer Pandemieeinstufung? Übertreibt oder untertreibt sie? Hinter diesen Fragen taucht eine gewisse Skepsis gegenüber der WHO insgesamt auf: die „medizinische Bürokratie“ (Mike Davis in der Wochenzeitung) mit ihren „WHO-BeamtInnen“ (ebenda) müsse zwangsläufig versagen. Und ein Leser von NZZ online kommentierte, dass man wie schon beim Waldsterben diesen UNO-BeamtInnen einfach nicht trauen könne. Eine verquere Logik, die aber typisch für die Wahrnehmung von internationalen Organisationen ist und denjenigen, die sich für eine kohärente Gesundheitsaussenpolitik engagieren, nicht egal sein darf.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

Newsletter abonnieren