Nachrichten vom 3. Juli 2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Euro08 Bier und sommerliche Grilldüfte: Es ist die hohe Zeit der Kartoffelchips und des Kartoffelsalats. Zeit also, sich auch in den MMS Nachrichten der wunderbaren Knolle zuzuwenden, schliesslich ist nicht nur Sommer sondern auch das internationale Jahr der Kartoffel.

Kohlenhydrate, Proteine und Vitamin C – die Kartoffel ist gesund und sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung. Laut DEZA Website ist der Anbau in Entwicklungsländern auf rasantem Vormarsch: Die Produktion hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.

Aber Achtung: „Die Kartoffelpflanze ist eine der wertlosesten Pflanzen von allen Nahrungsmitteln(...).“ Der grösste Teil bestehe aus Wasser und sei ungeniessbar. Ausserdem ist das Nachtschattengewächs ungekocht giftig. Noch schlimmer: Es hat einen schlechten Einfluss auf die Menschen: „Ein anderer Fluch des einseitigen Kartoffelanbaus ist, dass es ein Volk faul und unterwürfig macht.“ Und so kann nur ein Warnruf davor erschallen, „mehr und mehr von der Kartoffel“ abhängig zu werden.

Die obigen Stimmen kommen alle aus England aus dem Jahr 1846 und sie versuchten zu erklären, weshalb die Kartoffelkrankheit für die Irinen und Iren, die zu Hunderttausenden an der daran folgenden Hungersnot starben, eine Chance sei. Indem jene Stimmen die Abhängigkeit Irlands von der Kartoffel zum Problem machten, konnten sie mit der Kartoffel gleich noch die ungeliebten Irinnen und Iren stigmatisieren und mussten nicht über koloniale Verhältnisse zwischen England und Irland nachdenken.

Wir dürfen also weiterhin zur orangefarbenen Chipspackung greifen. Wenn wir aber dieses Jahr die Vorzüge der Kartoffel für die Ernährungssicherung loben, sollten wir dabei nicht vergessen, auch über die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verhältnisse zwischen Nord und Süd nachzudenken.

Martin Leschhorn Strebel

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