Nachrichten vom 4. Oktober 2006

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es gibt für mich nichts Schöneres, als in Musse unseren Garten zu pflegen. Wir wurden auch dieses Jahr reich beschenkt mit Beeren, Früchten und Blumen, und nun gibt es einiges zu richten und zu räumen. Doch ist meine kleine Gartenwelt, ob ich es nun will oder nicht, in vielerlei Hinsicht mit der Welt ennet dem Gartenzaun verbunden, ja existiert nur in Bezug und Abgrenzung zu ihr, und mein Entscheid, ob ich die alten Stauden häcksle und kompostiere oder liegen lasse und später verbrenne, wirkt wiederum auf die grosse Welt zurück.

Das Nachmittagsprogramm des Symposiums "Globale Gesundheit und schweizerische Aussenpolitik" vom 2. November in Basel dreht sich um Kohärenz, Konkurrenz und Konflikte zwischen einzelnen Zielen und Prioritäten der schweizerischen Gesundheits-Aussenpolitik. Ein deutliches Zeichen, dass auch die 48 im Netzwerk Medicus Mundi Schweiz zusammengeschlossenen Organisationen über den Gartenzaun ihrer Arbeit hinausschauen - nicht zu ihrem Vergnügen oder zur Ablenkung, sondern aus der Erkenntnis der engen Verknüpfung ihres konkreten und immer lokal, räumlich, thematisch beschränkten Engagements mit dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld.

Bereits vor zwei Jahren haben die Mitglieder des Netzwerks im Manifest 'Gesundheit für alle. Ein realistisches Ziel' festgehalten: "In einer globalisierten Welt können die von schweizerischen Organisationen im Ausland erbrachten Anstrengungen zur Verbesserung der Gesundheit armer und benachteiligter Bevölkerungen missverstanden werden: als Alibiübung, als humanitärer Mantel einer sonst harten und inhuman agierenden Schweiz, als die eine Hand, die weniger gibt als das, was die andere Hand bereits weggenommen hat. Wir gelangen deshalb mit der politischen Forderung nach Gesundheit für alle an die Behörden, an die Wirtschaft, an die Öffentlichkeit und versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten, Einfluss auf die Aussen-, Entwicklungs-, Menschenrechts- und Wirtschaftspolitik der Schweiz zu nehmen."

Hier setzt der Dialog um internationale Gesundheit und schweizerische Aussenpolitik am diesjährigen Symposium an, und es werden unbequeme Fragen gestellt: Welchen Weg wählt die Schweiz, wenn sich die Anliegen der öffentlichen Gesundheit und die wirtschaftliche Interessen gegenüberstehen? Wer bestimmt eigentlich die Themen und Prioritäten der internationalen Gesundheit? Wer definiert, was ein internationales Problem ist, auf das die Schweiz reagieren muss, wer formuliert die Eckpfeiler und Grundwerte einer kohärenten schweizerischen Aussenpolitik, und wer überwacht deren Umsetzung?

Sind Sie auch gespannt auf die Antworten? Wenn ja, dann sehen wir uns vielleicht in einem Monat in Basel. Bitte beachten Sie die Anzeige im Veranstaltungskalender.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre und einen sonnigen Herbst!

Thomas Schwarz, Co-Geschäftsführer Medicus Mundi Schweiz. Netzwerk Gesundheit für alle

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